Stadt Aachen koppelt Azubi-Parkausweise mit Aseag-Tickets

Sonderregelung sorgt für Unverständnis : Wer sein Auto parken will, muss Bus fahren

Gerne rühmt sich die Stadt damit, Vorreiterrollen in den verschiedensten Bereichen zu übernehmen. Und gerne ist dann vom „Aachener Modell“ die Rede. Ein Modellversuch ist gerade wieder gestartet. Doch der Inhalt sorgt für  verärgertes Staunen bei Betroffenen.

Der Reihe nach: Die Tochter von Thomas Münten hat eine Ausbildungsstelle zur Immobilienkauffrau gefunden - im schönen Aachen. So hat sich die junge Dame entschieden, auch im schönen Aachen zu wohnen, statt täglich aus ihrer Heimatstadt Düsseldorf in den Westzipfel zu pendeln. Eine Wohnung hat sie im Frankenberger Viertel gefunden. Mitgebracht hat sie auch ihr Auto. Das will natürlich geparkt werden, was im Frankenberger Viertel nie einfach war, weswegen man dort Bewohnerparken eingeführt hat.

Also sollte ein entsprechender Ausweis als Berechtigung her. Problem: Das Auto ist auf Thomas Münten und nicht auf seine Tochter zugelassen. „Für junge Leute ist das ja sonst kaum bezahlbar“, sagt der ZDF-Reporter. Einen Bewohnerparkausweis bekommt man aber nur, wenn das Blech sozusagen auf den eigenen Namen hört. Doch dann sei den Mitarbeitern vom Amt eingefallen, dass es ja jetzt in den beiden Bewohnerparkzonen namens V und Z im Frankenberger Viertel jenen Modellversuch gibt.

Der erlaubt es ausnahmsweise auch Auszubildenden, einen Bewohnerparkschein zu bekommen, wenn ihnen das Auto zur „dauerhaften Nutzung“ überlassen worden ist. Was in diesem Fall passt. Um den Ausweis zu bekommen muss man nur noch eine „Kleinigkeit“ tun: Man muss ein Azubi-Jahresabo für die Aseag nachweisen. Diese Auskunft musste sich bei Thomas Münten erstmal setzen. Man beantragt einen Bewohnerparkausweis fürs Auto und muss dafür eine Bus-Jahreskarte haben? Das klingt verrückt, ist aber wahr.

Deutlich entschärft

Das kommt so: Im Frühjahr 2018 präsentierte die Verwaltung der Politik eine Analyse der Parksituation im Frankenberger Viertel nach Einführung der Bewohnerparkzonen. Tenor: Die Lage in Sachen Parken habe sich dort deutlich entschärft. Und so könne man auch Menschen einen Ausweis geben, die diesen bis dahin den Regeln nach nicht bekamen. Wie etwa pflegende Angehörige - oder jene Auszubildenden.

Die Verwaltung nennt das einen „angepassten Privilegiertenkreis“. Dem gehören schon länger Studenten an. Eine wichtige Rolle bei der Aufnahme dieser Gruppe in den erlauchten Kreis habe gespielt, dass sich die Studierenden über das Semesterticket, zu dessen Kauf sie  zwangsverpflichtet sind, an den Kosten des ÖPNV beteiligen. Also sollten dies auch die Azubis tun, sagte die Verwaltung. Aus Gleichberechtigungsgründen. Dann wurde es politisch kurios. Die Bezirksvertretung Mitte strich den Passus mit dem Aseag-Azubi-Abo als Voraussetzung aus dem Beschluss. Wogegen der Mobilitätsausschuss mobil machte. Da musste gar die Sitzung unterbrochen werden, damit sich CDU und SPD als Mehrheit eine mehrheitliche Meinung bilden konnten. Die sah so aus, dass das Abo wieder in den Beschluss hineingeschrieben wurde. Mehr noch: War im Entwurf von einem Monatsabo die Rede, so strich man dieses Wort und ersetzte es durch Jahresabo. Unter dieser Maßgabe wurde das Modellprojekt, das je nach Verlauf sogar auf die ganze Stadt ausgeweitet werden könnte, vor wenigen Wochen gestartet.

Allerdings gibt es bei der Aseag kein Azubi-Jahresabo. Es gibt ein Monatsabo, das man frühestens nach einem Jahr kündigen kann. Das Abo kostete zum Zeitpunkt des Beschlusses für das Stadtgebiet 45,30 Euro pro Monat, mittlerweile 62 Euro. Das sind 744 Euro pro Jahr. Viel Geld für eine Auszubildende wie Thomas Müntens Tochter, die 750 Euro brutto im Monat verdient, von denen 350 Euro für Miete abgehen und die dann noch 62 Euro für ein Busticket zahlen soll, das sie gar nicht will und braucht. Und: Das ist deutlich mehr, als die Studierenden, die als Argument dafür herangezogen wurden, zahlen. Die Kosten des AVV-Semestertickets liegen bei rund 128 Euro pro Halbjahr, also 256 Euro im Jahr - etwa ein Drittel des Azubi-Abos. „Das ist eine Diskriminierung von Auszubildenden gegenüber Studierenden“, ärgert sich Münten.

In Düsseldorf oder Köln ist das alles einfacher. Es reicht eine einfache Nutzungsbestätigung durch den Fahrzeughalter. Ein Koppelgeschäft mit Bustickets gibt es nicht. Dass das so nicht richtig sein kann, ist jetzt auch der Verwaltung aufgefallen. Man denke über eine Lösung nach, habe aber noch keine, heißt es auf Anfrage. Soviel ist klar: Mit diesem „Aachener Modell“ nimmt die Stadt keine Vorreiterrolle ein.

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