Stadt Aachen kooperiert mit dem E-Scooter-Verleiher Voi

Mobilität in Aachen : Ab September soll es mit bis zu 150 E-Tretrollern losgehen

Für die Fahrt auf dem Kopfsteinpflaster sind die E-Tretroller zwar eigentlich nicht vorgesehen. Gerade in den Kurven wird das Unterfangen eine ganz schön ruckelige Angelegenheit, erst recht – wenn man eine gewisse Geschwindigkeit erreicht hat. Für die Presse macht Oberbürgermeister Marcel Philipp an diesem Donnerstagvormittag aber eine Ausnahme.

Schließlich geht es darum, den Start einer neuen Kooperation zu präsentieren, von der sich die Stadt Aachen in Sachen Mobilitätswende einiges verspricht.

Ende September geht der E-Tretroller-Verleiher Voi auch in Aachen an den Start. Allerdings sollen einige der Probleme, die in Städten wie Köln, Paris und Mailand für Schlagzeilen gesorgt haben, möglichst vermieden werden. Deshalb haben die Stadt Aachen und das Aachener Verkehrsunternehmen Aseag mit der aus Skandinavien stammenden Firma eine vier DIN-A4-Seiten umfassende Qualitätsvereinbarung abgeschlossen. Gegenstand dieser Vereinbarung sind zahlreiche Regeln und auch Beschränkungen. „Da es diese Roller gibt, und wir nicht verbieten können, dass sie genutzt werden, macht es Sinn, dass wir uns als Stadt gemeinsam mit den Anbietern darüber Gedanken machen, wie wir sie bestmöglich als System etablieren“, betont Oberbürgermeister Philipp.

Zum Beispiel mit Blick auf die Anzahl der Fahrzeuge. So sollen voraussichtlich Ende September zunächst nur 100 bis 150 elektrisch betriebene Roller in den Straßenverkehr integriert werden. Erst im kommenden Jahr soll die Flotte erweitert werden – basierend auf den Erfahrungen, die man bis dahin gesammelt hat. Klar geregelt werden soll auch, wo die lachsfarbenen Flitzer abgestellt werden dürfen. Sogenannte Parkverbotszonen sollen zum Beispiel verhindern, dass die Roller den Blick auf das historische Rathaus verschandeln oder dass Passanten beim Stadtbummel in der Fußgängerzone über sie stolpern.

Technisch sei das alles möglich, berichtet Claus Unterkircher, Regionalleiter von Voi in Deutschland. So könne das Unternehmen einstellen, dass E-Scooter in bestimmten Zonen nicht deaktiviert werden können. Stellt ein Nutzer das Fahrzeug also zum Beispiel am Elisenbrunnen ab, müsse er weiterhin für dessen Nutzung zahlen – bis er oder sie ein paar Meter weiter zur nächsten „Abstellzone“ rollt. Wie viele Roller an einem Standort abgestellt werden können, soll ebenfalls limitiert werden. Aktuell hat die Stadt rund 50 Standorte im innerstädtischen Bereich vorgesehen, wie Christian Thommes, Projektmanager im städtischen Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa, darlegt. Erst in einem zweiten Schritt sollen auch die Randgebiete dazukommen.

Ausgeliehen und wieder zurückgegeben werden die Roller per App (angeboten für iOS und Android). Dafür kann in Aachen nicht nur die Voi-App genutzt werden, sondern auch der Mobility Broker der Aseag. Mit diesem können Nutzer über eine einzige Plattform sowohl die Angebote der Aseag als auch die von Cambio Carsharing und dem E-Bike-Verleiher Velocity nutzen. Und in Zukunft eben auch die elektrisch betriebenen Tretroller.

E-Scooter-Verleiher startet ab September in Aachen

Vom E-Tretroller als neuem Baustein im Mobilitätsmix verspricht sich Philipp einen wesentlichen Nutzen für die Verkehrssituation in Aachen. Natürlich könne der Roller nicht von hier auf jetzt das Auto ersetzen. „Das kann er gar nicht leisten“, sagt Philipp. Es gehe vielmehr darum, den ÖPNV mit solchen Angeboten zu kombinieren, „weil eben nicht jeder unmittelbar an einer Bushaltestelle wohnt oder an einer Bushaltestelle arbeitet“. Indem man die viel zitierte „letzte Meile“ in den Blick nehme, könne das Angebot langfristig die Verkehrssituation in Aachen verbessern, ist Philipp überzeugt.

Sogenannte Juicer oder Hunter – also freie Mitarbeiter, die nachts die E-Scooter einsammeln, diese Zuhause aufladen und pro Stück bezahlt werden – soll es in Aachen übrigens nicht geben. „Wir arbeiten mit lokalen Logistikdienstleistern zusammen“, erklärt Unterkirchen. Aufgeladen werden die Roller demnach in einer örtlichen Lagerhalle – mit grünem Strom. In Zukunft sollen die Roller zudem mit austauschbaren Akkus ausgerüstet und diese dann per Lastenrad ausgetauscht werden.

Dass in Zukunft neben Voi auch noch andere Anbieter E-Scooter in Aachen aufladen lassen, kann Marcel Philipp übrigens nicht ausschließen. Schließlich könnten auch ohne Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Verleiher an den Start gehen. „Dann wird es schwierig“, sagt der Oberbürgermeister.

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