Stadt Aachen klagt wegen Schäden an CHIO-Brücke

CHIO-Brücke bleibt Zankapfel : Streit wird jetzt vor Gericht weitergeführt

Die gute Nachricht vorab: Zum Samstagspiel gegen den SV Lippstadt können Alemannia-Fans die CHIO-Brücke benutzen. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber bei weitem nicht. Denn wieder haben sich auf dem Boden tiefe Risse gebildet.

Ein Blick auf die gerade einmal gut siebenjährige Geschichte des kolossalen und mit rund zwei Millionen Euro ziemlich kostspieligen Bauwerks (150.000 Euro steuerte der ALRV bei) zeigt, dass die knapp 100 Meter lange Passage über die Krefelder Straße schon mehrfach gesperrt und repariert beziehungsweise saniert werden musste. Die Ursache war immer die gleiche: Der Bodenbelag offenbarte massive Mängel. Schon zwei Jahre nach der offiziellen Inbetriebnahme, die am 29. Juni 2012 in feierlichem Rahmen vollzogen wurde, war das erstmals der Fall. Und es sollte längst nicht das letzte Mal sein.

Jetzt gibt es schon wieder Probleme: Am Boden haben sich erneut zahlreiche Risse gebildet, zudem ist der Belag in Teilen abgeplatzt. Immerhin: Eine Sperrung steht nach Aussage von Harald Beckers vom städtischen Presseamt derzeit nicht zur Debatte: „Eine Verkehrsgefahr besteht aktuell nicht“, versichert Beckers. Und er verweist darauf, dass das Schadensbild im Wesentlichen dem entspreche, das man auch in der Vergangenheit schon wiederholt festgestellt habe.

Allerdings gibt es diesmal einen entscheidenden Unterschied: Der Stadt ist offenbar der Geduldsfaden gerissen, als Bauherrin und Eigentümerin hat sie Klage beim Landgericht Aachen eingereicht – zunächst gegen das für die Verschleißschicht verantwortliche Unternehmen, und mittlerweile auch gegen das mit der Planung und Bauüberwachung beauftragte Ingenieurbüro. Die Klageerweiterung hat zur Folge, das der ursprünglich für den 1. Oktober angesetzte Gütetermin auf den 12. November verschoben worden ist. Sollte dann keine außergerichtliche Einigung erzielt werden, könnte die Angelegenheit noch am selben Tag vor der 7. Zivilkammer des Landgerichts verhandelt werden. Entsprechende Informationen unserer Zeitung hat Harald Beckers auf Nachfrage bestätigt.

„Es handelt sich um eine sogenannte Vorschussklage, mit der die Stadt die Kosten für eine Sanierung der Beschichtung der Brückenlauffläche sowie die Abdeckung der Gutachterkosten geltend machen will“, erläutert Beckers. Der Streitwert beträgt nach Angaben des stellvertretenden Landgericht-Pressedezernenten Thomas Stoppelmann 130.000 Euro. Aber es könnte noch um mehr Geld gehen. Denn die Stadt will vor Gericht erreichen, dass die beklagten Parteien auch für weitere Schäden und Kosten, die in Zukunft in Zusammenhang mit dem Bodenbelag entstehen könnten, aufkommen müssen – was diese dem Vernehmen nach ebenso ablehnen wie die Beseitigung der aktuellen Mängel.

Umstritten bleibt auch die eigentliche Ursache der Schäden. Die Verwaltung sieht sich durch die Einschätzung der von ihr beauftragten Sachverständigen offenbar in ihrer Auslegung der Schuldfrage bestätigt. „Da es sich aber um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt, wird sich die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den Details äußern, die von ihr vor Gericht vorgetragen werden“, hält sich Harald Beckers diesbezüglich bedeckt.

Doch noch Sperrung?

Auszuschließen ist im Übrigen nicht, dass die Brücke zu einem späteren Zeitpunkt doch noch gesperrt werden muss, sollten Wind und Wetter oder ein heftiger Wintereinbruch dem Bodenbelag allzu sehr zu schaffen machen. Dann aber bliebe immer noch der benachbarte Ampelübergang. Und der ist eigentlich ohnehin die bevorzugte Wahl für die Überquerung der Krefelder Straße – nicht nur bei Alemannia-Fans.

Mehr von Aachener Nachrichten