Stadt Aachen braucht mehr Kapazitäten zur Aufnahme von Asylsuchenden

Asyl in Aachen : Neue Unterkünfte für Flüchtlinge müssen dringend her

Momentan kann die Stadt noch auf ausreichend Kapazitäten zurückgreifen, um Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten. Das kann sich jedoch schnell ändern. Im Schnitt kommen jeden Monat rund 30 Menschen hinzu, denen eine Bleibe vermittelt werden muss. Mindestens 500 Plätze für Zugezogene müssen spätestens bis Ende 2020 voraussichtlich bereitgestellt werden.

Wenn Sandra Knabe in diesen Tagen – wie so oft – die aktuellen Belegungszahlen in den städtischen Unterkünften für Asylbewerber studiert, dann kann sie eigentlich ganz zufrieden sein. Freie Kapazitäten sind aktuell durchaus vorhanden; die Situation stellt sich vergleichsweise entspannt dar. Noch. Längst kein Grund für die Abteilungsleiterin im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration, sich zurückzulehnen. Ganz im Gegenteil. „Schon jetzt können wir absehen, dass wir bis Mitte kommenden Jahres in jedem Fall weitere Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen schaffen müssen“, sagt Sozialdezernent Manfred Sicking.

Deshalb werde die Stadt nun wieder verstärkt an private Vermieter herantreten, die Unterkünfte zu akzeptablen Bedingungen bereitstellen könnten.

500 Plätze fehlen mittelfristig

Denn aktuell weist die Statistik im Hinblick auf die Auslastung der bestehenden 23 Flüchtlingsheime in Aachen zwar nach wie vor genügend Reserven aus (siehe Info). „Aber wenn wir sicherstellen wollen, dass es auf kurz oder lang nicht wieder zu Engpässen kommt, müssen wir zusätzliche Plätze für rund 500 Personen vorhalten“, betont Fachbereichsleiter Rolf Frankenberger mit Nachdruck.

Schon jetzt zeichne sich nämlich ab, dass dieser „Puffer“ langsam, aber sicher schrumpfe. Nach wie vor wächst die Zahl der Zuwanderer, die eine Bleibe in Aachen benötigen, unterm Strich um rund 30 Menschen pro Monat. Somit wären theoretisch binnen Jahresfrist sämtliche Kapazitäten ausgeschöpft. Zumal die Stadt in jüngerer Zeit diverse Optionen, wie zum Beispiel auf dem Gelände der Leo-Löwenstein-Kaserne, wieder habe aufgeben müssen.

Auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 konnten zudem auch größere gewerbliche Objekte übernommen werden, um quasi außerplanmäßig Betten und Tische für Asylsuchende bereitzustellen. „Inzwischen sind diverse temporäre Nutzungsänderungen jedoch wieder zurückgenommen worden“, erklärt Sicking. Zudem seien befristete Mietverträge vielfach schlicht ausgelaufen. „Wir sind daher jetzt auf die Unterstützung privater Vermieter angewiesen, die Unterkünfte zu vernünftigen Konditionen und zu marktüblichen Preisen anbieten können“, sagt Sandra Knabe.

Nach wie vor böten sich aber etwa größere Bürogebäude an, die ohne allzu großen Aufwand als Herbergen hergerichtet werden könnten, wie es etwa im ehemaligen Telekom-Gebäude in Richterich geschehen ist. Der Komplex an der Roermonder Straße bietet nach wie vor Platz für bis zu 230 Wohnungslose, und die Verantwortlichen gehen davon aus, dass der Mietvertrag mit dem aktuellen Besitzer über das Jahresende hinaus bis Mitte 2023 verlängert werden kann.

Ein Korb vom Land

Längerfristig dürfte das – wie auch in anderen Bereichen der Stadt, etwa an der Ecke Heidbendenstraße/Adenauerallee – allerdings nicht möglich sein. Schließlich habe die Politik hier wie dort neue Bebauungspläne beschlossen – eben, um weiteren Wohnungsbau im Stadtgebiet zu ermöglichen. „Natürlich setzen wir in dieser Hinsicht auch auf die Gewoge, die seit einigen Jahren wieder verstärkt in neue Wohnungen investiert“, sagt Sicking. Größte Dankbarkeit gelte nicht zuletzt den vielen Ehrenamtlichen, die sich weiterhin in der Flüchtlingshilfe engagierten, während das Thema in jüngerer Zeit weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden sei – was sich angesichts der unberechenbaren weltweiten Entwicklungen freilich jederzeit wieder ändern könnte.

„Sehr enttäuscht“ sei man indes, was Unterstützung von höheren Ebenen bei der Suche nach Unterkünften betrifft: „Vor drei, vier Jahren hätte man etwa das seit langem vor sich hin gammelnde ehemalige Gebäude des Landestraßenbauamts an der Karl-Marx-Allee sicher noch für mindestens 100 Zugezogene herrichten können“, betont der Dezernent. „Inzwischen ist das Objekt allerdings völlig marode. Trotz intensiver Nachfragen seitens der Stadt war das Land aber leider nicht bereit, die Immobilie herzugeben.“

Nun also sei weiteres Engagement von privater Seite dringend geboten. „Schließlich wollen wir nie wieder in die Lage kommen, kurzfristig erneut Turnhallen ertüchtigen zu müssen, um Menschen eine Bleibe in Aachen zu verschaffen“, unterstreicht Sicking.