Stadt Aachen bereitet sich auf "Fridays for Future"-Demonstration vor

„Fridays For Future“-Großdemo am 21. Juni : Aachen ist nicht Veranstalter, dennoch gefordert

Der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ ist am Mittwoch bereits zusammengekommen. Schwere Unwetter erwartet die Stadt Aachen in den nächsten Tagen zwar nicht. Außergewöhnlich ist das, was auf sie zukommt, aber eindeutig.

Unter dem Motto „Climate Justice without Borders“ wollen Tausende Menschen auf die Straße gehen und für eine nachhaltige Klimapolitik demonstrieren. Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ lädt zu der zentralen Großdemonstration ein, zu der nach neuesten Angaben rund 10.000 Menschen aus 17 Ländern erwartet werden – und das mitten in Aachen.

Die Organisation dieses Großevents stellt nicht nur die jungen Veranstalter auf die Probe. Auch die Stadt Aachen sieht sich als Veranstaltungsort in der Verantwortung, „für alle Eventualitäten“ vorzusorgen und die Sicherheit aller zu gewährleisten, wie Oberbürgermeister Marcel Philipp am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs betont.

Die Herausforderungen sind enorm. Denn anders als bei normalen Demonstrationen, wie sie „Fridays for Future“ seit knapp einem halben Jahr veranstaltet, wird sich dieser Protest nicht auf ein paar Stunden am Freitag, 21. Juni, beschränken. Bis zu drei Tage lang werden junge Klimaaktivisten in der Stadt verbringen: vom Anreisetag am Donnerstagabend über den zentralen Streik am Freitag bis zur Weiterreise am Samstag zur Kundgebung von „Alle Dörfer bleiben“ beim Tagebau Garzweiler.

Mittlerweile steht fest: Die Nächte zwischen den Protesttagen werden einige Demonstranten wohl im Tivoli-Parkhaus verbringen. Dort dürfen sie aus Brandschutzgründen zwar keine Zelte aufbauen. Dafür aber Isomatte und Schlafsack ausrollen. Am Dienstag fand bereits eine Ortsbegehung des Areals mit Vertretern der Feuerwehr, des Veranstaltungsteams und Bernd Deil, Geschäftsführer der Aachener Stadion Beteiligungs GmbH, statt. Auch die Infrastruktur rund um den Tivoli dürfen die Teilnehmer nutzen: von den Toiletten über das Medical Centre bis zum Strom für die Bühne auf dem Tivolivorplatz.

Im Tivoli selbst werden sich die Klimaaktivisten indes nicht aufhalten. Die Ränge bleiben geschlossen, der Zugang zum Innenbereich wird gesperrt sein. Für besorgte Fußballfans betont Deil ausdrücklich: Die Regeneration des Rasens wird nicht gefährdet. Er darf nicht betreten werden.

Tivoli als potenzielle Evakuierungsstätte

Auch wenn die Kundgebung am Freitagnachmittag inklusive Rede- und Musikbeiträge auf dem Vorplatz des Fußballstadions stattfindet, soll der Tivoli selbst auch als potenzielle Evakuierungsstätte fungieren. Zwischen 8000 und 10.000 Menschen könnten im Tivoli im Bereich der Ostseite und der halben Nordseite vor Unwetter Zuflucht finden, erläutert Deil. Sollten doch mehr Teilnehmer ihren Weg nach Aachen finden, könne der Tivoli inklusive der Südseite auch 20.000 Menschen beherbergen.

Nicht nur deshalb ist die Stadt davon überzeugt, mit dem Tivoli die perfekte Veranstaltungsstätte gefunden zu haben. Er liegt innenstadtnah, verfügt über Freiflächen für Anlieferungen. Und die Krefelder Straße ist breit genug, damit Tausende Demonstranten über einen Sternmarsch sicher und ohne Gedränge zum Tivoli gelangen.

Wie genau die einzelnen Demonstrationszüge verlaufen werden – Startpunkte sind nach Angaben von OB Philipp neben dem Aachener Hauptbahnhof auch das Hörsaalzentrum Carl und die Vaalser Straße, von der aus eine Fahrraddemo starten soll – stehe indes noch nicht fest. Die Aachener sollten sich aber schon jetzt auf Verkehrsbehinderungen am Freitagnachmittag einstellen, warnt Philipp. Während der Kundgebung, für die der Veranstalter auf seiner Internetseite den Zeitraum von von 14.30 bis 19.30 Uhr angibt, wird die Krefelder Straße stadteinwärts gesperrt sein. Je nach Teilnehmerzahl kann diese Sperrung auch auf die Stadtauswärts-Spur ausgeweitet werden, so Philipp.

Auch die Feuerwehr ist am 21. Juni besonders gefordert und bereitet derzeit in Absprache mit den Veranstaltern und der Polizei ein Konzept vor, das die medizinische Versorgung und die Sicherheit im Parkhaus gewährleistet. Dieses Konzept umfasst auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser sowie das Technische Hilfswerk und Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr. Brandsicherheitswachen sollen zudem das Parkhaus bestreifen, kündigt Bernd Geßmann, stellvertretender Fachbereichsleiter der Feuerwehr Aachen, an.

Wie viele Jugendliche in dem Parkhaus, das „Fridays for Future“ in einer Pressemitteilung von Mittwoch kurzerhand zum „Parkhotel“ umgetauft hat, schlafen dürfen, muss zunächst noch das Brandschutzkonzept ergeben. Über die Bettenbörse wurden nach Angaben des Veranstalters mehr als 1500 Schlafplätze angeboten.

55 davon gehen übrigens auf das Konto Aachener Sozialdemokraten. „In einer konzertierten Aktion haben SPD-Mitglieder aus Aachen in ihren Privatwohnungen nun 55 Übernachtungsmöglichkeiten für die politisch engagierten jungen Leute zur Verfügung gestellt“, teilt Mathias Dopatka, Vorsitzender der SPD Aachen, am Mittwoch mit. „Wir freuen uns über das politische Engagement der vielen jungen Menschen und wollen sie dabei nach Kräften unterstützen, indem wir gute Gastgeber sind.“

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