Aachen: Staatsanwalt fordert mehr als drei Jahre Haft

Aachen: Staatsanwalt fordert mehr als drei Jahre Haft

In seinem letzten Wort vor der Jugendkammer beteuerte der 19-jährige Angeklagte am Freitag erneut, wie leid ihm alles tue. Damit könne er die schweren Folgen seines Faustschlages ins Gesicht des 37-jährigen Opfers und die Folgen des Fußtrittes nicht wieder rückgängig machen, erkannte er, doch gewollt habe er das alles nicht.

Bei der Auseinandersetzung am 15. Februar vor den Garagen an Wurmbenden hatte es einen Streit zwischen dem Opfer und dem 19-Jährigen gegeben. Letzterer hatte dort bei den Hallen einen Ölwechsel mit dem Auto seines Freundes machen wollen, bezahlt werden sollte mit Haschischtütchen. Über die Entlohnung war es anscheinend zum Streit gekommen, der dann in Gewalt ausartete.

Allerdings folgte auch der Staatsanwalt am Freitag in seinem Plädoyer den Erkenntnissen des Rechtsmediziners, der mit seinem Gutachten durchaus die Zeugenaussagen und die Angaben des Angeklagten bestätigte. Hatte es zunächst danach ausgesehen, dass auf den gebrochenen Schädel des Opfers mehrfach mit brutaler Gewalt eingewirkt worden sein sollte, stellte sich die Sache jetzt anders dar.

Der 37-Jährige bekam zwar einen harten Schlag auf die rechte Gesichtshälfte. Doch die eigentlichen lebensgefährlichen Verletzungen, ein beidseitiger Schädelbruch, rührten von dem ungebremsten Fall mit dem Kopf auf die Asphaltdecke des Garagenhofes, und nicht vom vermuteten, mehrfachen brutalen Zutreten, als das Opfer bereits am Boden lag.

Doch letztlich könne sich ein seitlicher Bruch auch bis auf die andere Seite ziehen, berichtete der Rechtsmediziner. So wurde die Anklage wegen versuchten Totschlags fallen gelassen, jetzt droht dem 19-Jährigen eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Weil der Angeklagte, der zur Tatzeit 18 Jahre alt war, auch nach dem Bericht der Jugendgerichtshilfe in seiner Gesamtentwicklung als „reifeverzögert” anzusehen ist, soll auf ihn Jugendstrafrecht angewendet werden. Unter diesen Voraussetzungen forderte der Staatsanwalts „nach dem Erziehungsgedanken des Jugendstrafrecht” eine Haftzeit von dreieinhalb Jahren, das sei Tat und Schuld angemessen. Im Jugendstrafrecht gilt eine Höchststrafe von zehn Jahren.

Für Verteidiger Dirk Bach ist eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren ausreichend. Sein Mandant habe mit dem Schlag und dem Tritt keinesfalls diese schweren Verletzungen herbeiführen wollen. Der 19-Jährige Angreifer ist mehr als 20 Kilo schwerer und hatte seine Kräfte unterschätzt. Das Urteil fällt am Mittwoch, 1. August, 9 Uhr.