Aachen: St. Elisabeth künftig denkbar auch als neuer Tagungsort

Aachen : St. Elisabeth künftig denkbar auch als neuer Tagungsort

Was kommt nach dem Hotel? Wenn es um die Zukunft der profanierten St.-Elisabeth-Kirche an der Jülicher Straße geht, ist noch nichts gewiss. Damit aber zumindest einmal Ideen für die künftige Nutzung auf den Tisch kommen, hatte die neue Inhaberin, die Landmarken AG, rund 60 Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Wirtschaft zu einem gemeinsamen Ideenaustausch geladen.

Von August bis Oktober wird das „Hotel Total“, ein Projekt mit Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen, in der Kirche residieren und Gäste empfangen. Die Nutzung danach kann vielseitig ausfallen, wenn es nach Norbert Hermanns geht, dem Vorstandsvorsitzenden der Landmarken AG: „Die Lösung wird vermutlich keine Mononutzung sein, und man muss den Standort größer denken — als Zentrum des Viertels Nord-Ost.“

Dabei darf man „größer denken“ durchaus räumlich verstehen, denn auch das zugehörige Kaplanhaus am Blücherplatz und zwei angrenzende Gebäude an der Jülicher Straße hat die Aachener Immobilienfirma gekauft.

Auch wenn aus den Diskussionen noch keine definitiven Pläne erwachsen sind, so bekamen die Teilnehmer doch eine Vorstellung davon, was alles möglich wäre. Ob als Büroräumlichkeiten, Weiternutzung als Hotel oder ein Kulturzentrum, das Ideenpendel schlug in alle Richtungen aus.

„Es ist auch klar geworden, dass es eine enorme Nachfrage für mittelgroße Veranstaltungsräume gibt“, sagte Herrmanns. Gerade für Tagungen mit 300 bis 500 Teilnehmern sieht er gute Chancen, besonders durch den einzigartigen Charakter der einst sakralen Halle. Nur der Krönungssaal sei in Aachen als Versammlungsraum mit dem Charme der St.-Elisabeth-Kirche vergleichbar.

World-Café-Prinzip

Die Weiternutzung einer Kirche birgt indes nicht nur in architektonischer Hinsicht manche Herausforderung. Auch wenn sie nun profaniert seien, müsse man mit den Räumen sehr sorgfältig umgehen, weil viele persönliche Erinnerungen der Menschen daran hingen. „Wir müssen Herz und Verstand und ein Gefühl für die Geschichte mit einbringen“, so Herrmanns. In den Diskussionsrunden hätten daher auch Architekten mitgearbeitet, die Beispiele von Kirchen in anderen Städten aufgezeigt hätten, wo eine andere Nutzung gut funktioniert habe.

Für die Ideenfindung hat sich die Immobilienfirma eines speziellen Gesprächsformats bedient, dem sogenannten World-Café-Prinzip. Dabei haben sich alle Teilnehmer in mehrere Gruppen aufgeteilt und ihre Vorschläge auf die Tischdecke geschrieben. Nachdem die Runden neu zusammengestellt wurden, konnten diese dann von anderen Diskutanten aufgegriffen werden. Es war ein Experiment, das sich aber gelohnt hat, wie Sylvia Friedrich, Bereichsleiterin Wohnen bei der Landmarken AG, sagte.

„Das Diskussionsformat war ganz interessant und es war erstaunlich, wie schnell Ideen weitergedacht wurden.“ Bevor aber verbindliche Entscheidungen über die Zukunft der Kirche fallen werden, sollen eben diese Vorschläge jetzt ausgewertet werden und schließlich auch die Anwohner miteinbezogen werden.

(rhl)
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