Aachen: Spuren an der Vaalser Straße führen in die Jungsteinzeit

Aachen: Spuren an der Vaalser Straße führen in die Jungsteinzeit

Auf seine Gefühle kann sich Stadtarchäologe Andreas Schaub offenbar verlassen. Denn dass er und seine Kollegen auch die Ausschachtungsarbeiten für das aktuelle Bauprojekt der gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Gewoge beobachtet haben, sei anfangs nicht einem „konkreten Verdacht“, sondern mehr „so einem Gefühl“ geschuldet gewesen. Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass dort Spuren aus der Jungsteinzeit gefunden wurden.

Noch sind die Spezialisten der Fachfirma SK Archeo Consult vor Ort, um die Funde genauer zu untersuchen und einzuordnen, aber wenn sich der jetzige Kenntnisstand bestätigen sollte, „wäre das Klasse“, schwärmt Schaub.

Funde aus der Jungsteinzeit sind in Aachen bislang vor allem am Lousberg gemacht worden, wo unsere Altvorderen vor gut 5000 Jahren bekanntlich Feuerstein abgebaut haben. Fernab des Lousbergs aber haben sich die Steinzeitmenschen allem Anschein nach sehr rar gemacht. Nun aber scheint man in Gut Kullen gleich eine größere Grabenanlage aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) entdeckt zu haben.

Laien ließe die gräuliche Verfärbung inmitten des gelblichen Lehmbodens vermutlich völlig kalt, bei Archäologen aber versetzt so etwas die Forscherseele in Hochstimmung. Der gut fünf Meter breite Graben könnte ein Überbleibsel eines der wenigen bislang im Rheinland nachgewiesenen Erdwerke aus der Jungsteinzeit sein. In Aachen wäre es der erste Fund dieser Art überhaupt.

Diese von Gräben, Wällen oder Palisaden eingefriedeten Zonen geben bis heute Rätsel auf. Über den Zweck solcher Anlagen gibt es verschiedene Theorien, sagt Schaub. Möglich, dass sie als Fluchtburgen dienten, denkbar aber auch, dass sie als Versammlungsort kultische Bedeutung hatten. Klar ist jedenfalls, dass sie mit großem Aufwand errichtet werden mussten und oft auch riesige Dimensionen hatten.

In der jetzt ausgehobenen Baugrube ist bislang nur eine gerade Linie dieses Erdwerks zu erkennen, einen Knick oder eine Kurve gibt es nicht. Daher kenne man weder die Größe, noch wisse man, wo innen und außen der Anlage war. Bis man mehr über den Fund sagen kann, werde noch einige Zeit vergehen, sagt Ausgrabungsleiterin Donata Kyritz von SK Archeo Consult.

Da macht es der Fund einer anderen Wallanlage den Archäologen deutlich einfacher: Freigelegt wurden nämlich auch Panzersperren, also Überreste des Westwalls aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Deren militärischer und propagandistischer Zweck ist weitgehend dargelegt. Die Höckerlinie ist im Aachener Raum ohnehin vielfach zu besichtigen, allerdings wusste man bislang offenbar wenig von dem genauen Verlauf an der Vaalser Straße.

Bislang hätten die archäologischen Funde noch keine großen Auswirkungen auf den weiteren Bauverlauf des sogenannten Drei-Länder-Carrées, sagt Gewoge-Chef Thomas Hübner. Der offizielle Spatenstich ist für Montag geplant. Entstehen sollen dort 118 Wohnungen und Gewerbeflächen.

Gearbeitet wird auch an der neuen Lkw-Ausfahrt zur Vaalser Straße, damit die schweren Fahrzeuge nicht länger an Schule und Kitas vorbeifahren müssen. Spätestens bis zum Ende der Herbstferien soll damit nicht zuletzt ein dringender Wunsch vieler Eltern erfüllt werden.

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