Aachen: „Spürbar Theater“ spielt „Die Ermüdeten“

Aachen : „Spürbar Theater“ spielt „Die Ermüdeten“

„Leben, Sein, das geht doch nicht allein!“ Schon zu Anfang fasst eine der namenlosen Partygäste, die sich später auf einer Dachterrasse irgendwo in einer namenlosen Großstadt mit weiteren namenlosen Personen zu einer Party treffen, die Quintessenz von „Die Ermüdeten oder Das Etwas, das wir sind“ zusammen.

Die 2007 gegründete Gruppe „Spürbar Theater“ feierte am Freitag mit „Die Ermüdeten“ im Theater 99 Premiere, Regie führte Barbara Portsteffen.

Kurz bevor seine Gäste kommen, trifft der Gastgeber (Claus Blankertz) auf seiner Dachterrasse auf einen Mann (Torsten Sammert), der Suizid begehen möchte. Eine reichlich dumme Idee sorgt dafür, dass der unwillkommene Besucher sich mit Waffengewalt selbst zur Party einlädt und im weiteren Verlauf das Verhalten und die Gespräche der Gäste (Rosemarie David, Monika Paar, Christian Sodermanns, Udo Rüttgers-Schlößer und Thomas Weinen) belauscht und kommentiert.

„Die Ermüdeten“ betritt nicht wirklich neues Terrain, erzählt den Inhalt aber prägnant. Das Stück kritisiert in vielen Facetten die heutige (westliche) Gesellschaft und das menschliche Zusammenleben. Es gibt kaum einen Charakter, der nicht auf irgendeine Art und Weise sozial inkompetent ist oder mit großen psychischen Problemen zu kämpfen hat. Fast jeder konzentriert sich nur auf sich selbst, die eigene Karriere, das eigene Geld, das eigene Stück Boden im Gemeinschaftsgarten, die eigenen Gurken, die eigene Kunst.

„Die Ermüdeten“ setzt sich aus lauter kleinen Einzelgesprächen zusammen, die im Rahmen der Party stattfinden. Dabei tauchen so viele unterschiedliche Figuren auf, dass es manchmal schwer ist, festzustellen, wer gerade mit wem redet und ob dieser Charakter vorher schon einmal in Erscheinung getreten ist. Dadurch behält das Stück allerdings auch eine flüssige Erzählweise, die kaum ins Stocken gerät.

„Im Wort Begegnung steckt immer auch das Wort Gegner“, hält eine der Figuren bündig fest. Und vielleicht ist es das, was auch diese Party ausmacht. Das Gegenüber wird kaum als Partner oder als Freund wahrgenommen, sondern als Gegner, als jemand, der übertrumpft werden muss.

Nur zwei Ausnahmen

Eine Ausnahme bilden zwei Personen, die zur Party kommen wollten, dann aber lieber doch gemeinsam spazieren gingen. Sie, an Krebs erkrankt, weiß endlich, wie sie das Leben genießen kann: „Der Gedanke, der Welt egal zu sein, hat für mich etwas Befreiendes.“ Und er erkennt in dieser Frau seine vielleicht große Liebe. Beide geben sich Zeit und hören einander zu. Hier sind die wirklich tiefsinnigen Passagen des Stückes zu finden.

„Die Ermüdeten“ bietet eine zweistündigen Einblick in unsere aktuelle Realität, schafft es bei aller negativer Energie allerdings leider nicht, auch eine echte und machbare Vision zu zeigen.

Die weiteren Termine: Freitag und Samstag, 15. und 16. Juni, 20 Uhr, sowie Sonntag, 17. Juni, 18 Uhr, Theater 99, Gasborn 9.

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