Aachen: Sportlergala: Schirmherrin ist nicht auf den Mund gefallen

Aachen: Sportlergala: Schirmherrin ist nicht auf den Mund gefallen

Es liegt in der Logik der Mathematik, dass die 28. Sportlergala, mit der die „Nachrichten” Am Dienstagabend die beliebtesten Sportler der Region feierten, schon 27 Vorgängerinnen und damit einige Tradition hat. Und dazu gehört etwa, dass seit 1990 immer ein prominenter Schirmherr die von den „Nachrichten”-Lesern gewählten Sportler auszeichnet.

„Doch das ist in diesem Jahr nicht so”, leitete Moderator Achim Kaiser die festliche Gala in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen ein. Die Enttäuschung hielt sich bei den 550 Gästen allerdings in Grenzen, schließlich präsentierte der Aachener Lokalchef der „Nachrichten” mit Steffi Jones erstmals eine Schirmherrin - und was für eine.

Denn die Präsidentin des Organisationskomitees der Frauen-Fußball-WM in diesem Jahr in Deutschland bewies, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist. Das zeigt sie einerseits in einem ausführlichen Interview im Sportteil unserer Zeitung. Und anderseits bestellte sie im Gespräch mit dem „Nachrichten”-Chefredakteur Bernd Mathieu auf offener Bühne zunächst mal ein Bier. Denn: „Ich habe 31 Jahre für den Fußball gelebt, und jetzt gönne ich mir auch mal etwas.”

Das hat sich die ehemalige Fußball-Nationalspielerin im Laufe des Abends aber auch verdient. Schließlich legte sie auf dem ständigen Weg von ihrem Ehrenplatz zu den Siegerehrungen auf der Bühne und zurück etliche Meter zurück. Doch Steffi Jones gratulierte nicht nur der neuen und alten Sportlerin des Jahres Jessica Balogun, dem jungen Judoka Max Baczak als Sportler des Jahres sowie den Judo-Kämpferinnen des Brander TV zur erfolgreichen Titelverteidigung als Mannschaft des Jahres. Sie stand zudem zwischen den Ehrungen und dem Showprogramm mit dem Sportkarikaturisten Christoph Härringer und dem Lichtjonglage-Duo „optiX” auf der Bühne Rede und Antwort.

Dabei gewährte sie dem Publikum tiefe Einblicke in ihr Privatleben. Denn den prägendsten Moment in ihrem Leben habe sie nicht in ihrer langen Fußball-Karriere erlebt, sondern „als ich erfahren habe, dass mein jüngerer Bruder im Irakkrieg nicht gestorben ist”. Er sei zwar schwer verletzt worden, habe aber überlebt, erzählte die Tochter eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter, die in Frankfurt aufgewachsen ist. Dort begann sie ihre Fußball-Karriere in einer Jungenmannschaft.

„Hand in Hand”

Inzwischen weiß die 38-Jährige, dass die deutschen Fußball-Frauen und -Männer „Hand in Hand gehen”. Lange Zeit sei der Frauen-Fußball in Deutschland von den Männern getragen worden, erinnert sie sich an ihre Anfänge als Bundesliga- und Nationalspielerin. „Unseren heutigen Stellenwert haben wir zu einem großen Teil auch den Männern zu verdanken.” Männern etwa wie Egidius Braun: Dem DFB-Ehrenpräsidenten, dessen Stiftung die Einnahmen der Sportlergala traditionell zugutekommen, dankte sie persönlich für sein Engagement für den Frauen-Fußball.

Als OK-Chefin reist sie derzeit alle Teilnehmerländer der Frauen-WM im Sommer ab. Zuletzt war sie in Mexiko und Kanada. Dabei war sie Gast in Königshäusern und Staatspalästen. „Da passe ich rhetorisch zwar nicht immer hin”, erzählte sie, „aber letztlich mögen sie mich trotzdem, weil ich mich nicht verstelle.” Und so könne sie je nach Land für den Frauen-Fußball, für Frauenrechte oder auch für soziale Projekte werben.

Ihr Terminkalender ist entsprechend voll. „Am Donnerstag sind Sie zum Beispiel im 100 Nights Club in Frankfurt”, wusste Bernd Mathieu zu berichten. „Dort werde ich die Männer wuschig machen”, antwortete Steffi Jones schlagfertig, um kurz darauf das Gespräch mit dem „Nachrichten”-Chefredakteur zu unterbrechen: „Wir sollten Schluss machen, denn heute Abend sollten die Sportler des Jahres im Mittelpunkt stehen.”

Und das standen sie dann auch - zunächst auf der Bühne und dann bei der anschließenden Party bis in die Nacht hinein.

Max Baczak, Jessica Balogun und die Judo-Frauen des Brander TV sichern sich bei der AN-Sportlerwahl die Titel als Sportler beziehungsweise Mannschaft des Jahres.

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