Sportausschuss beschäftigt sich mit Umweltbelastung durch Mikroplastik

Kunstrasenplätze in der Kritik : Fußbälle rollen in Aachen künftig vielleicht auf Kork statt Plastik

Viele Fußballvereine wollen einen haben. Und die Stadt Aachen betreibt sogar ein eigenes Programm für Kunstrasensportplätze. Doch nun sind sie wegen der Umweltbelastung durch Mikroplastik in die Kritik geraten. Ein Kork-Sand-Gemisch statt des bislang üblichen Plastikgranulats als Füllmaterial könnte hier die Lösung sein. Auch in Aachen.

Der städtische Sportausschuss beschäftigt sich in seiner nächsten Sitzung am 12. September gleich mit drei Anträgen zur Problematik der Kunstrasenplätze. Die Linke fordert die Verwaltung auf zu prüfen, ob eine flächendeckende Umwandlung der Plätze in Naturrasen in Aachen möglich sei. Diesen Antrag begründet sie mit der schlechten Ökobilanz der Kunstrasenplätze und des Mikroplastiks, das von den Plätzen in die Umwelt gespült wird.

CDU und SPD wollen wegen der Überlegungen der Europäischen Union, Kunstrasenplätze aus Umweltschutzgründen zu verbieten, wissen, welches Oberflächengranulat in Aachen verwendet wird. Und die FDP möchte von der Verwaltung über die Auswirkungen des erklärten Klimanotstandes auf das Kunstrasenprogramm der Stadt informiert werden.

Das alles hat die Aachener Verwaltung bereits getan – sofern es ihr möglich war. Denn in Sachen Klimanotstand sei die entsprechende Organisationsstruktur, die künftig die negativen Auswirkungen städtischer Entscheidungen auf Klima und Atmosphäre überprüft, noch nicht geschaffen.

Die flächendeckende Umwandlung aller Plätze in Naturrasen sieht die Verwaltung indes kritisch. Und zwar nicht nur wegen der entstehenden Kosten und des Mehraufwands bei der Pflege. Um einer Überstrapazierung von Naturrasen vorzubeugen, seien die Plätze nur sehr eingeschränkt nutzbar (nicht bei Dunkelheit, nicht im Winter), nämlich für 400 bis 800 Stunden pro Jahr, schreibt die Verwaltung.

Sogenannte Tennenplätze, also Aschenplätze (1000 bis 1500 Stunden/Jahr), sowie Kunstrasen (2000 bis 2500 Stunden/Jahr) würden häufiger genutzt. Somit würde eine Umwandlung in Naturrasen zu einem erheblichen Mehrbedarf an Sportplatzflächen führen. Im Schnitt würden für einen Kunstrasenplatz drei bis fünf Naturrasenplätze benötigt. „Diese Flächen sind aber nicht vorhanden“, bilanziert die Verwaltung.

Eine Lösung könnten aber Kunstrasenplätze mit einer Kork-Sand-Füllung sein. Diese bringt die Verwaltung in ihrer Vorlage auf den CDU/SPD-Antrag ins Spiel und verweist auf positive Erfahrungen, die bereits in Köln, Dortmund und Lippstadt mit diesen Plätzen gemacht worden seien. In Alsdorf und Würselen stünden derartige Plätze kurz vor der Fertigstellung. Hier wolle man sich ortsnah über die Erfahrungen informieren. Doch schon unabhängig davon werde beabsichtigt, schreibt die Verwaltung, „bei den nächsten Sanierungen von Kunstrasenspielfeldern sowie bei der Umwandlung von Tennenspielfeldern in Kunstrasen ein Kork-Sand-Gemisch auszuschreiben“.

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