Aachen: Spontanes Chorkonzert setzt stimmgewaltiges Zeichen für Syrien

Aachen : Spontanes Chorkonzert setzt stimmgewaltiges Zeichen für Syrien

An einem Samstagmittag brummt die Aachener Innenstadt — besonders, wenn das Wetter so gut ist wie dieser Tage. Mitten zwischen den Ständen des Bio-Marktes und vieler Touristen baut sich eine Gruppe auf dem Münsterplatz auf, wenige Minuten später erklingt harmonischer Chorgesang.

Der Chor „University of the Philippines Singing Ambassadors“, kurz UPSA, machte mit einem Spontankonzert in Aachen Station auf seiner Europatournee, um die Spendenaktion „Aachen hilft Syrien“ der Stadt und des Bischöflichen Hilfswerks Misereor zu unterstützen. 37 Sängerinnen und Sänger, Studierende und Graduierte der Universität der Philippinen, gehören zum Chor unter der Leitung von Edgardo L. Manguiat, der auch international einen sehr guten Ruf genießt und mehrfach bei Wettbewerben erste und vordere Plätze belegt. So auch in diesem Jahr, der Chor hat in Berlin vor einigen Tagen die Singing Competition gewonnen.

23 Chormitglieder mit dem stellvertretenden Chorleiter Melvic Cano wirkten bei dem Spontankonzert an diesem Samstagnachmittag mit. Katschhof und Rathausplatz waren neben dem Münsterplatz weitere Stationen. Das Repertoire war breit, philippinische Chormusik mischte sich mit modernen Popsongs und Klassikern. Beethovens Schlusssatz seiner neunten Symphonie, „An die Freude“, kam ebenfalls gut an.

Die Aktion „Aachen hilft Syrien — singen und spenden“ haben Stadt und Misereor zum 60-jährigen Bestehen des Hilfswerks ins Leben gerufen. „An Geburtstagen bringt man traditionell ein Ständchen. So ist die Idee entstanden“, erzählte Misereor-Referent Sven Brieger. Dass die „Singing Ambassadors“ jetzt hier sind, sei ein „starkes Zeichen für die weltoffene Stadt Aachen und für die Aktion“, so Brieger, denn der Bürgerkrieg in Syrien verschwinde langsam aus den Schlagzeilen.

Für Christina, die seit sechs Jahren als Sopran im Chor singt, ist es die erste Europareise: „Hier schätzt man die Kunst und Kultur sehr, alles ist wunderschön und beeindruckend.“ Chorkollegin Avi ergänzte: „Hier wird die Achtung der Menschenrechte ernst genommen, das ist derzeit auf den Philippinen nicht so.“

Das Engagement für Soziales gehört für den Chor zum Konzept. „Wir nennen das outreach programm“, erzählte Christine, „wir singen für Waisen, Senioren, politische Gefangene. Wir haben auch für die Opfer des Wirbelsturms Jolanda gesungen.“

Dass Musik Dinge zum guten bewegen kann, glaubt Kollegin Isabel: „Unser Dirigent Edgardo Manguiat erzählte uns die Geschichte von philippinischen Gruppen in Griechenland, die untereinander zerstritten waren. Weil sie ein Konzert von uns organisieren wollten, begannen sie, miteinander zu reden. Ja, ich glaube, dass Musik etwas verändern kann.“

Sven Brieger hofft auf weitere solcher Momente mit verschiedenen Chören. Wer die Aktion als Chor unterstützen oder einfach so spenden möchte, findet unter www.aachen.de/syrien weitere Informationen.

Bewerbungen mit Angabe des Konzertortes und Wunschtermin sollte man an „syrien@mail.aachen.de“ schicken.

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