Aachen: Sponsorenlauf der Grundschule Vaalserquartier bringt mehr als 6000 Euro ein

Aachen : Sponsorenlauf der Grundschule Vaalserquartier bringt mehr als 6000 Euro ein

Eine Runde um den Fußballplatz kann ganz schön weit sein. 30 Minuten lang hatten die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Vaalserquartier beim Sponsorenlauf Zeit, um möglichst oft den Platz zu umkurven: dreimal, fünfmal, zehnmal. „Manche haben sogar 20 Runden geschafft“, erzählt Schulleiter Wilhelm Dewes. Mehr 6000 Euro wurden so gesammelt.

Zuvor begaben sich die Erst- bis Viertklässler auf die Suche nach Sponsoren — Eltern wie Großeltern wurden befragt, Nachbarn und viele mehr. Denn so spaßig der Lauf, so ernst der Hintergrund: Die Hälfte des Geldes fließt in das Hilfsprojekt „Cosmos Centre“ für Kinder mit Behinderungen in Ghana. Am Freitagmorgen wurde der Scheck in Höhe von 3238,09 Euro übergeben.

Kinder mit Behinderungen seien verflucht, heißt es in dem westafrikanischen Staat häufig. Sie brächten Unheil über die gesamte Familie. „Babys werden einfach am Fluss abgelegt“, erzählt Patrice Reinhardt, Aachener Sonderpädagogin an der Parzival-Schule. Kinder, bei denen sich die Behinderung erst später zeigt, werden oftmals dem Medizinmann übergeben — „und getötet“, so Reinhardt. Andere werden lebenslang zu Hause versteckt.

„Für viele Familien ist das behinderte Kind eine existenzielle Belastung“, meint Reinhardt, die seit neun Jahren regelmäßig nach Ghana fliegt. Denn die Problematik liegt auf der Hand: Der Lebensunterhalt kann meist nur gesichert werden, wenn beide Elternteile arbeiten. Ein Kind mit Behinderung benötigt jedoch eine Rundum-Betreuung.

Der Ghanaer Francis Kyere Boakye konnte die Grausamkeiten nicht mehr mit ansehen. Also schuf er vor rund zehn Jahren ein Kinderheim in Dormaa, in dem Kinder mit Behinderungen ein Zuhause finden. 13 solcher Jungen und Mädchen leben dort mittlerweile. Mithilfe der Spende der GGS Vaalserquartier wird das Heim fünf Monate lang versorgt, betont Reinhardt, die dort jährlich für einige Wochen unterrichtet: „Die Kinder leben ausschließlich von europäischen Spenden.“ Vom ghanaischen Staat komme keinerlei Unterstützung.

Und die andere Hälfte des Geldes? Die bleibt im Schulbesitz. „Damit werden wir die Klassen nach und nach mit mitwachsenden Tischen ausstatten“, erklärt Wilhelm Dewes. Anders gesagt: Tische, die hochgekurbelt werden können und das alljährliche Tischgeschleppe beenden.

Denn auch hier bestehe Bedarf, erläutert der Schulleiter: „Die Etats der Schulen reichen nicht für besondere Dinge.“ In zwei Jahren soll dann der nächste Sponsorenlauf der GGS Vaalserquartier stattfinden.

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