Aachen: Sponsor der Penn wirbt mit provokantem Spruch

Aachen : Sponsor der Penn wirbt mit provokantem Spruch

Dass die ruhmreiche Stadtgarde Oecher Penn von 1857 im Jahr ihres 160-jährigen Bestehens für einiges Aufsehen sorgen würde, war wohl von den Penn-Soldaten durchaus beabsichtigt. Dass sich jetzt nach überstandener „Gewehr-Affäre“ auch noch eine „Schokoriegel-Affäre“ zum öffentlichen Aufsehen hinzugesellt, allerdings sicher nicht.

Dabei bemühen sich sowohl die Oecher Penn als auch die Aachener Polizei derzeit die Aufregung über die Schokoriegel, die den Werbeaufdruck „Bullen gereizt?“ tragen, nicht weiter aufzupusten, als man die Riegel beim Rosenmontagszug werfen kann.

„Bullen gereizt?“: Dieser jeck gemeinte Werbeslogan sorgt polizeiintern für Aufregung. Penn-Kommandant Jürgen Brammertz will die damit bedruckten Schokoriegel beim Rosenmontagszug trotzdem unters Volk bringen. Foto: Harald Krömer

„Fremd gebützt?“

Der Werbeaufdruck stammt von der Aachener Rechtsanwaltskanzlei Delheid-Soiron-Hammer, die die Penn schon lange Jahre unterstützen. „In unseren Augen ist gerade im Karneval Platz für Humor und ,spitze Formulierungen‘, wie wir sie in der Vergangenheit schon häufig benutzt haben“, sagt Penn-Kommandant Jürgen Brammertz und erinnert etwa an „Fremd gebützt?“, womit die Kanzlei für ihre Rechtsberatung in Sachen Familienrecht geworben hatte. Und nun habe sie „Bullen gereizt?“ unter anderem auf 20 000 Schokoriegel drucken lassen, um damit ihre Kompetenz im Strafrecht anzubieten.

„Wir sind im Zuge der ,Gewehr-Affäre‘ aktiv auf die Polizei zugegangen, und haben ihnen den jeck gemeinten Werbeslogan gezeigt“, sagt Brammertz, denn der Spruch sollte nicht als Retourkutsche auf den durch die Polizei „entwaffneten“ Penn-Soldaten verstanden werden, der sein Holzgewehr als „Anscheinswaffe“ öffentlich getragen hatte und die sogar international für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das konnte sie nämlich rein zeitlich nicht sein. „Die Abstimmung des Werbemotivs erfolgte bereits im Oktober des letzten Jahres und die Herstellung des sehr umfangreichen Wurfmaterials war bereits Anfang dieses Jahres − deutlich vor der Sicherstellung des Gewehres − erledigt“, erläutert Brammertz. Ein Abdruck des Spruchs als Anzeige im Sessionsheft beweise dies.

Das bestreitet die Aachener Polizei auch gar nicht. „Das hat die Penn uns glaubhaft versichert“, erläutert Paul Kemen von der Polizeipressestelle. Gleichwohl sei Polizeipräsident Dirk Weinspach von dem Spruch nicht begeistert gewesen und kritisierte mangelndes Feingefühl bei den Karnevalisten. „Gerade Kolleginnen und Kollegen halten den Kopf dafür hin, dass Karneval friedlich, fröhlich und ausgelassen gefeiert werden kann“, sagt Kemen, „Karneval ist mit die einsatzstärkste Zeit im Jahr und verlangt den Kollegen vieles ab. Wenn man dann solch einen Riegel mit dieser Aufschrift noch abbekommt, ist das alles andere als lustig.“

Und davon wollte der Polizeipräsident die im Karneval eingesetzten Beamten mit einem Eintrag im polizeiinternen Intranet in Kenntnis setzen. Darin schrieb er, dass er „das Wurfmaterial schlicht für geschmacklos hält“. Der Aufdruck sei sogar geeignet, „einen ganzen Berufsstand zu diskreditieren“. Am Ende des Schreibens empfahl er aber seinen Kollegen, über dieser Sache zu stehen, denn: „Die Aachener Polizei lässt sich nicht reizen.“

Die Oecher Penn jedenfalls wird die Schokoriegel am Rosenmontagszug trotzdem unters jecke Volk bringen. „Wir können die Riegel nicht neu verpacken oder abkleben“, sagt Kommandant Jürgen Brammertz. Da es sich bei den Schokowaffeln um Lebensmittel handele, „ist ein Vernichten keine Alternative“.

Zugleich stellt er aber das seit Jahrzehnten hervorragende und sehr vertrauensvolle Verhältnis zur Aachener Polizeibehörde heraus. „Wir wissen sehr wohl die herausragenden Leistungen der Polizei, der Straßenreinigung und auch der Ersthelfer sowie der Stadt Aachen bei allen Karnevalsumzügen sehr zu schätzen“, betont Brammertz. „Durch die Werbung sollten diese Leistungen nicht in Frage gestellt werden.“