Zehn Jahre „freiRaum“ in Burtscheid: Spirituelles Angebot ohne starre Struktur

Zehn Jahre „freiRaum“ in Burtscheid : Spirituelles Angebot ohne starre Struktur

Von außen ist es Kapelle, von innen ist es Freiraum. Oder besser gesagt „freiRAUM“. Seit zehn Jahren lädt ein zehnköpfiges Team vier Mal im Jahr dienstags Kirchennahe und -ferne, Gottesgläubige und -skeptische, Christen und Nichtchristen in die Burtscheider Marienkapelle ein zu... Ja, zu was eigentlich?

„Es ist kein Gottesdienst“, stellt Markus Henz, Gemeindereferent des katholischen Gemeindeverbundes St. Gregor von Burtscheid, klar. „Zumindest wenn man dann an klassische Messrituale und -strukturen denkt. Aber vielleicht wohl, wenn man sich an Gottes ständiger Gegenwart orientiert.“ Eine griffige Beschreibung haben Henz und seine neun ehrenamtlichen Mitstreiter nicht unbedingt für das, was sie in der Marienkapelle machen. Es sei eben ein Freiraum in jeglicher Hinsicht. „Jeder kann sich hier wohlfühlen“, meint Beatrix Eichler.

Geboren wurde die Idee dieses spirituellen Angebots vor zehn Jahren in einer Gruppe von Kommunionskatecheten der Pfarre. Sie wollte nach der Kommunionsvorbereitung der eigenen Kinder gern mal etwas entwickeln für Erwachsene, die sich im Familiengottesdienst nicht unbedingt aufgehoben fühlen. „Für Singles oder kinderlose Paare ist es schwer, an Kirche anzudocken“, weiß Henz. „Und Eltern wollen sich auch nicht immer nur mit Kinderthemen beschäftigen.“ Es sollte ein Raum entstehen, wo Männer und Frauen ab 30 Jahren ihre Fragen loswerden können, in dem aber keine Antworten gegeben werden auf nicht gestellte Fragen. „Rezepte, einfache Lösungen haben wir tatsächlich nicht anzubieten“, meint Silvia Schreiber. „Wir wollen eher Impulse geben.“

Konkret ist das „freiRAUM“-Team allerdings bei der Wahl der Themen: Organspende, Pflegebedürftigkeit, Trennung und Scheidung, Digitalisierung – das alles war schon Inhalt in 40 „freiRAUM“-Abenden. Aber auch die Fragen „Wo bleibe ich im Alltag?“, „Was brauche ich zum Glück?“ oder „Wie treffe ich Entscheidung?“ wurden behandelt. „Wir wählen Themen, die uns oder der Gesellschaft auf den Nägeln brennen“, erklärt Barbara Kürsgens. Und Eichler ergänzt: „Dadurch dass wir im Team sehr verschieden sind, kommen viele Facetten eines Themas zur Sprache. Eine einseitige Betrachtung funktioniert daher nicht.“

Im Ablauf des „freiRAUMs“ ist vieles möglich – fest stehen nur die Begrüßung, ein interaktives Element und eine Begegnungszeit bei Brot, Wein und Wasser zum Ausklang. Manchmal kommt ein Chor für die musikalische Gestaltung. Und: „Meistens geben wir auch irgendwo einen Hinweis auf Gott, aber wenn es nicht passt, lassen wir den auch ganz weg“, beschreibt Henz. Ohnehin habe die Kapelle ihre ganz eigene Wirkung. „Ich bin überzeugt, dass sich ein profaner Text oder ein Popsong hier anders entfalten kann. Der Raum spricht seine eigene Sprache.“

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