Aachen: „Spirit of the Suburbs“: Kultur pur für 180 junge Leute

Aachen : „Spirit of the Suburbs“: Kultur pur für 180 junge Leute

Die Stimmung ist toll, es ist laut, etwas warm und vor allem international. Voller Vorfreude stürmen am Montagmorgen 180 junge Leute in den Anmeldungsraum der Volkshochschule am Sandkaulbach: Der Andrang ist groß bei der zweiten Auflage von „Spirit of the Suburbs“.

Die Nachfrage war riesig, und die Veranstalter haben kurzerhand noch einmal 40 Teilnahmeplätze nachgelegt. VHS-Direktorin Dr. Beate Blüggel ist begeistert von dem breit gefächerten Angebot: Tanzen, Musik machen, fotografieren, malen und vieles mehr können Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, speziell junge Leute mit Migrationshintergrund, aus den Randgebieten oder mit Handicap.

Das Angebot, der sogenannte „Aachener talentCAMPus“ unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Marcel Philipp, ist Teil des Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Kultur macht stark“ und laut Organisatorin Elvira Kluck handelt es sich bei „Spirit of the Suburbs“ um das größte und teuerste Projekt.

Mehr als 30 Trainer und Dozenten arbeiten täglich mit den Jugendlichen. 150.000 Euro kostet das Ganze. Das Jugendamt und das Autismus-Therapie-Zentrum sind Kooperationspartner, auch Jugendliche mit Behinderungen nehmen teil. „Gerade für Autisten kann ein kreatives Angebot hilfreich sein, um das Sozialverhalten zu verbessern“, meint Blüggel.

Mato Schäfer hat im vergangenen Jahr Film und Breakdance angeboten, ist auch diesmal bei der Organisation dabei. „Die Teilnehmer sind extrem engagiert und zuverlässig. Auch im Nachhinein bestehen die Kontakte, und viele sind dieses Jahr wieder dabei“, freut sich Schäfer. Die Teilnehmer wollen etwas lernen, sich kreativ weiterbilden. Pluspunkte sind kleine Gruppen mit bis zu 16 Teilnehmern, Einzelförderung und Gruppenarbeit. „Ich war erstaunt, wie viele Flüchtlinge wir in Aachen haben. Derzeit sind es geschätzt rund 300. Unser Angebot war in kurzer Zeit ausgebucht, wir hätten locker noch 40 Jugendliche aufnehmen können“, sagt Kluck.

Deutschkurse für Migranten

Gerade der Kontakt zu anderen Jugendlichen in der gleichen Situation, aber auch die individuelle Förderung oder die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien oder Fotokameras sei im Alltag nicht möglich. Zentraler Bestandteil für die Migranten sind die Deutschkurse, die in sechs verschiedene Schwierigkeitsstufen unterteilt sind — eine große Herausforderung für die Planung der Stundenpläne.

„Wir sollten den Jugendlichen nicht sagen, was sie nicht können, sondern sie mit außerschulischen, kreativen Angeboten motivieren“, betont Blüggel. „Das kompakte Miteinander schult das Sozialverhalten. Der Stellenwert dieses Zusatzangebots in den Sommerferien ist sehr hoch“, betont Vera Schröder vom Jugendamt.

Die Teilnehmer erhalten kostenlos ein Mittagessen, Getränke und eine Busfahrkarte für das Aachener Stadtgebiet. Außerdem wird täglich nach dem Ende des Programms Fußball angeboten. Die Projektarbeit endet am 16. August 2014 ab 17 Uhr auf dem Aachener Markt mit der öffentlichen Aufführung von „Spirit of the Suburbs“ . Alle Teilnehmer können ihre Arbeiten und die neu erlernten Fähigkeiten ihren Familien und der Öffentlichkeit zeigen.

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