Aachen: Spielplatzplanung: Trampolin steht ganz oben auf der Wunschliste

Aachen : Spielplatzplanung: Trampolin steht ganz oben auf der Wunschliste

Die Stadt will den Spielplatz Sigmundstraße aufbrezeln und dabei auch auf die Vorschläge der ganz jungen Zielgruppe eingehen.

Tony, sechs Jahre alt, weiß, was auf einem ordentlichen Spielplatz nie nie nie fehlen darf: eine Rutsche. Nicht so ein lächerlich kurzes Kinderdings, sondern ein Hammer von einer Rutsche. Um es den Großen zu verklickern, hat er seine Rutsche auf ein DinA4-Blatt gemalt. Das Blatt reichte nicht, also klebte er ein zweites dran — und nun geht von hoch oben links nach rechts tief unten über zwei Seiten die Post ab.

Tonys Riesenrutsche aus der Frühphase seines technischen Schaffens hing auf dem Kinderspielplatz Sigmundstraße. Dorthin hatte die Stadtverwaltung Kinder und Eltern eingeladen. Der Spielplatz, sagt die Stadt, sei „in die Jahre gekommen“. Er soll im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt Aachen-Nord“ schöner werden.

Was die alten Spielgeräte angeht, trifft die Auffassung der Stadt zu. Der Platz selbst aber ist eine Idylle. Wahrscheinlich kennen ihn nur die Nachbarn. Die Sigmundstraße führt vom zwischen Adalbertsteinweg und Jülicher Straße gelegenen Rehmplatz über die Hein-Janssen-Straße hinweg zum Blücherplatz im Aachener Nordosten. In ihrem zweiten Abschnitt, wenige Meter hinter der Hein-Janssen-Straße, liegt links der Spielplatz Sigmundstraße. Versteckt hinter einer hohen Hecke und vier Eschen.

Wer durch das olle Eisengittertor tritt, steht staunend: Zwölf bis zu 30 Meter hohe mächtige Kastanienbäume bewipfeln im Halbkreis den Platz und spenden Schatten. Natur pur inmitten einer von der Gewoge vorbildlich herausgeputzten alten Wohnsiedlung im Eck Reimanstraße und Hein-Janssen-Straße. Eine Oase.

Wie die wunderschönen alten Bäume hat auch der „in die Jahre gekommene“ Spielplatz seine Reize. Unter den ineinander verstrickten Baumkronen dominiert ein drei Meter hoher Hügel das Kastanien-Halbrund. Über den Hügel führt auf schmalem Rundkurs eine asphaltierte Piste auf und ab — zum Radeln, zum Laufen, zum Toben.

Das Übliche

Sonst das Übliche: eine kleine Rutsche, nicht zu vergleichen mit Tonys Superding, Klettersteg, Wippen, Schaukeln, Sandkasten mit baufälligem Häuschen, eine Kaufladen-Ecke, die selber spürt, wie langweilig doof sie für Smartphone-Kinder ist, sechs alte Sitzbänke.

Der Spielplatz lebt. Scharen von Kindern. Junge Mütter, Väter und die Omas, in Grüppchen miteinander plaudernd. Von den Kindern und Erwachsenen wollen Sybille Jebavy-Kara, Renate Prömpeler und Stephanie Laufenberg aus den beiden Fachbereichen Umwelt und Jugend erfahren, was verschönert, verbessert, hinzugefügt werden sollte. Vier Kindertagesstätten haben hilfreiche Vorarbeit geleistet.

Die Kinder haben ihre Wünsche gezeichnet: „So soll unser Spielplatz in der Sigmundstraße aussehen.“ Spitzenreiter auf der Hitliste: Trampolin. Danach Netzschaukel, Picknicktische, Piratenschiff, Wasserrutsche. Grün über Grün ein Bild mit mahnendem Text: „Die Kastanienbäume sollen erhalten werden. Man kann immer toll sammeln im Herbst.“

Richtlinien für Wasserlauf

Ein junger Vater regt als „einzigartiges Element einen Wasserlauf, bei Regen sich füllend“ an. Auweia — die Richtlinien, Verordnungen. Auf öffentlichen Spielplätzen dürfen Kinder heute „nur mit Frischwasser“ spielen, klären die städtischen Mitarbeiterinnen auf. Ältere Zeitgenossen erinnern sich an die Kindheit und schmunzeln.

Die Damen der Verwaltung protokollieren alle Anregungen und Wünsche. Ein Dreikäsehoch — der deutschen Sprache entweder noch nicht mächtig oder ob der an diesem Tag drückenden Gewitterschwüle zum Reden einfach zu faul — pocht mit seinem Fäustchen aufgeregt auf ein Foto mit einem Trampolin. „Alles klar, ein Trampolin, prüfen wir“, versprechen die Damen. Eins können sie nicht versprechen: dass nun alles mit einem runderneuerten Spielplatz schnell gehe. Sybille Jebavy-Kara: „Bis zu zwei Jahre kann es dauern.“

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