Aachen: SPD für „großen Ratschlag“ über den Nahverkehr

Aachen : SPD für „großen Ratschlag“ über den Nahverkehr

Das Leben geht weiter, auch ohne Campusbahn. Wie es mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weitergehen soll, will die SPD bei einem „großen Aachener Ratschlag“ mit den Bürgern erarbeiten. „Wir wollen das in einem offenen Prozess machen“, erklärt Parteichef Karl Schulheis.

Gemeinsam mit den Aachenern soll nun nach einer guten zweitbesten Lösung gesucht werden, sagt der SPD-Verkehrspolitiker Michael Servos — die beste Lösung wäre für die Sozialdemokraten die Campusbahn gewesen. „Die ist nun beerdigt“, stellt SPD-Fraktionschef Heiner Höfken trocken fest, „aber die Probleme des ÖPNV sind mit der Abstimmung ja nicht gelöst.“ Das Bussystem stoße an Grenzen, die Campusgebiete müssten erschlossen werden — da müsse man sich halt Gedanken machen.

Und nach dem deutlichen Ausgang des Ratsbürgerentscheids wollen die Sozialdemokraten die Aachener frühzeitig an solchen Überlegungen beteiligen.Würde die Politik wie gehabt Vorschläge erarbeiten, „hätten wir bei der ersten Zwischenlösung wieder das selbe Problem“, meint Michael Servos.

Wohlweislich präsentieren die Sozialdemokraten deshalb auch keine Ideen, wie denn künftig der ÖPNV die steigenden Fahrgastzahlen bewältigen oder die Campusbegiete erschließen soll. Schultheis denkt da eher an eine „große Dialogveranstaltung“, bei der Experten ihre Sicht der Dinge darlegen und die Bürger frühzeitig ihre Ideen einbringen. Die kleinteiligere Arbeit könnte dann später in Beiräten erledigt werden. Servos verweist da auf gute Erfahrungen mit Beiräten. So hatte die SPD unter anderem in „offenen“ Fraktionssitzungen mit den Bürgern über die Campusbahn diskutiert.

„Die Bürger müssen natürlich auch bereit sein, sich zu beteiligen“, meint SPD-Ratsherr Claus Haase. Für deren Mißtrauen gegenüber ambitionierten Vorhaben hat er ein gewisses Verständnis. Bundesweit hätten sie oft erlebt, „dass Großprojekte schöngerechnet“ würden. Ausdrücklich eingeladen zum großen Ratschlag sind die Kritiker der Campusbahn.

Und die bisherigen Partner vom Bündnis der Befürworter würden die Sozialdemokraten auch nicht vor die Tür setzen. Aber gemeinsame Sache mit den einstigen Mitstreitern wollen sich nicht mehr machen. Vor allem an der CDU hatten die Genossen nicht viel Freude. Höfken hätte erwartet, „dass sie ihre Reihen geschlossen hält“. Doch nicht wenige Christdemokraten hätten ihren eigenen CDU-Oberbürgermeister im Regen stehen lassen, kritisiert Claus Haase.

„Wenn ich alle Meinungen gleichzeitig vertrete“, bemängelt Karl Schultheis, „dann ist das kein Signal für Verlässlichkeit.“

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