SPD-Fraktion tagt bei Alemannia Aachen

Politik trifft auf Fußball : Ein kleiner Sieg auf dem Spielfeld des Vertrauens

Es ging nicht um Tore oder Punkte. Und doch hatte die Alemannia am Ende des Abends gefühlt so etwas wie einen kleinen Sieg errungen. Denn das, was die Verantwortlichen seit Monaten gebetsmühlenartig wiederholen, scheint erste kleine Blüten hervorzubringen.

Es komme darauf an, in der Region wieder Vertrauen in die Alemannia herzustellen, in der Bevölkerung, in der Wirtschaft und in der Politik. So hatten die Männer um Präsident Martin Fröhlich immer wieder betont. In Teilen der Politik scheint dieses Ziel immerhin erreicht.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Aachener Stadtrat, Michael Servos, sagte am Montagabend: „Da ist eine junge Gruppe an der Spitze, bei der ich ein gutes Gefühl habe. Ein Gefühl, dass man sich auf sie verlassen kann.“ Als Alemannia auf der Erfolgswelle geschwommen ist, seien alle ins Stadion gekommen – auch die Politik...

Im Klömpchensklub im Tivoli hatte die Delegation der Alemannia so etwas wie ein Auswärtsspiel, denn eingeladen hatte die SPD im Rahmen ihres Formats „Fraktion vor Ort“. Mal gehe es ums Wohnen, mal um die Feuerwehr und jetzt eben um die Alemannia, erklärte Servos den Anlass. Auch wenn keine sensationellen Neuigkeiten verkündet oder finanzielle Wunderdinge versprochen wurden, kamen dennoch durchaus interessante Zahlen auf den Tisch des Fan-Lokals.

Durchschnittsverdienst liegt bei 1700 Euro

Alemannia-Geschäftsführer Martin vom Hofe zementierte den Kurs des Vertrauensgewinns und der wirtschaftlichen Konsolidierung. Seit zehn Monaten sei man nach der zweiten Insolvenz wieder eigenständig. Der Gesamtetat betrage rund drei Millionen Euro, wovon 1,2 Millionen fürs Personal – also die Spieler – zur Verfügung stünden. Vor dem Hintergrund wartete vom Hofe mit einer durchaus bemerkenswerten Zahl auf, die auch die sportliche Entwicklung der Mannschaft in einem besonderen Licht erscheinen lässt: „Unsere Spieler haben ein durchschnittliches Bruttogehalt von 1700 Euro pro Monat.“ Beim Spiel gegen Rot-Weiß Essen habe er einen Ex-Spieler getroffen – so ergänzte Martin Fröhlich –, der jetzt in der Regionalliga das Dreifache verdiene. . .

Immerhin deutete vom Hofe im Kreise der Sozialdemokraten an, dass man auf eine kleine schwarze Null am Ende der Saison hoffe. Der Etat von 1,2 Millionen sei als Basis auch für die neue Saison gesichert. Zum Vergleich: Essen plant mit 3,5 Millionen. Eine mögliche Erhöhung des Alemannia-Etats hänge von verschiedenen Variablen ab: dem eventuellen Erreichen der DFB-Pokal-Hauptrunde, dem Dauerkartenverkauf, den Sponsorengeldern. Allerdings nicht von TV-Geldern. Auch hier lieferte er einen eindrucksvollen Beweis für das „Nadelöhr 4. Liga“: Pro Saison bekommt die Alemannia 5000 Euro an Fernsehgeldern – insgesamt. „Wir sind lieber nicht im Fernsehen, denn jede Übertragung kostet uns 20.000 Euro.“ Zum Vergleich: In der 3. Liga betragen die TV-Gelder eine Million Euro.

Stärkeres Sponsoring?

Alois Poquett, über die Via Integration Betreiber des Klömpchensklubs, appellierte an die Politik, über die städtischen Beteiligungen wie Aseag, Stawag und Regio IT das Sponsoring zu erhöhen: „Die SPD könnte mit den anderen Parteien die Alemannia unterstützen.“ Eine Botschaft, die Servos sehr wohl mitbekommen hatte. Allerdings musste er festhalten, dass diese Gesellschaften wirtschaftlich arbeiten müssten und ein Sponsoring eine positive Folge für deren Etat haben müsse.

Johannes Delheid, ehrenamtlicher Alemannia-Aufsichtsrat, sagte in seinem Appell: „Hilfe muss jetzt kommen, nicht erst in der 3. oder 2. Liga. Impulse müssen auch von der Politik kommen.“

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