SPD Aachen will Mathias Dopatka als OB-Kandidat nominieren

Oberbürgermeisterkandidatur : Für die SPD geht Mathias Dopatka ins Rennen

Ein rot-grünes Bündnis zur Wahl des neuen Aachener Oberbürgermeisters wird es nicht geben. Eine Einigung sei nicht gelungen, teilt der Aachener SPD-Vorsitzende Mathias Dopatka auf Anfrage mit. Zugleich gibt der 38-Jährige bekannt, nun selber ins Rennen um den Spitzenposten gehen zu wollen.

Damit ist die SPD die erste Partei, die vor der Kommunalwahl am 13. September 2020 die Top-Personalie klärt. Auf dem Parteitag am 16. November soll Dopatka offiziell zum OB-Kandidaten gekürt werden, ausgestattet mit der einstimmigen Empfehlung des Unterbezirksvorstands. Auf einen Gegenkandidaten wird der Verdi-Gewerkschaftssekretär aller Voraussicht nach nicht stoßen, zumindest hat bisher kein anderer Genosse und keine andere Genossin offiziell sein oder ihr Interesse bekundet.

Dopatka hatte bereits vor einem halben Jahr für ein parteiübergreifendes Bündnis zur Oberbürgermeisterwahl geworben. Damals war noch nicht bekannt, dass Amtsinhaber Marcel Philipp nicht erneut für die CDU antreten wird. Die Idee zu jenem Zeitpunkt: Mit einem gemeinsam getragenen Kandidaten die CDU-Mehrheit knacken.

Doch das Interesse war von Anfang an gering. FDP und Linke haben früh abgewunken. Und die Grünen machten unter dem Eindruck starker Wahl- und Umfrageergebnisse schnell deutlich, sich keinesfalls einen SPD-Kandidaten aufdrücken lassen zu wollen. „Wir sprechen mit allen“, sagt Parteisprecherin Ulla Griepentrog auch jetzt, „aber unser Ziel ist nicht, uns mit anderen zu einigen. Wir machen einen eigenen Wahlkampf mit eigenen Kandidaten.“

Noch haben bislang allerdings weder die Grünen noch die CDU die passenden Bewerber fürs Oberbürgermeisteramt finden können. „Es gibt keinen Zeitdruck“, erklären beinahe wortgleich die Wortführer von CDU, Holger Brantin, und Grünen, Ulla Griepentrog. Ob es überhaupt noch in diesem Jahr zu einer Nominierung kommt, lassen beide offen. Klar ist damit zumindest, dass sich - abgesehen von der SPD - noch in keiner Partei ein ernstzunehmender Kandidat aufgedrängt hat.

Dabei läuft die Suche seit längerem auf Hochtouren. Doch vor allem die CDU tut sich schwer, die Lücke, die Philipp mit seiner im August verkündeten Rückzugserklärung gerissen hat, zu schließen. Als denkbare Nachfolger wurden bereits Parteichef Holger Brantin, Kämmerin Annekathrin Grehling und die Europaabgeordnete Sabine Verheyen ins Gespräch gebracht. Auch der parteilose Personaldezernent Markus Kremer wird hoch gehandelt. Kommentieren will Brantin all das nicht.

Doch gerade Kremer wird auch als Kandidat für das sogenannte „Kölner Modell“ gesehen. In Köln wurde die parteilose Henriette Reker 2015 gestützt von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern zur Oberbürgermeisterin gewählt.

Auf solche Überlegungen wollen die Grünen Parteisprecher Griepentrog und Sebastian Breuer erst gar nicht näher eingehen. „Wir sagen erst etwas, wenn wir jemanden haben.“ Und so kommentieren sie auch die bisher auf ihrer Seite kursierenden Namen nicht. Der Staatssekretär Thomas Griese soll allerdings bereits abgewunken haben. Große Hoffnungen sollen aber noch auf den RWTH-Professor und Mitbegründer der Streetscooter GmbH, Achim Kampker, ruhen. Auch er könnte mit seiner Reputation und in Zeiten der Klimakrise und des E-Mobilitätsbooms ein Kandidat für ein breiteres Unterstützerbündnis sein.

Davon unbeeindruckt will Dopatka nun für seine Partei den Wahlkampf eröffnen. „Für uns ist klar, wir haben die Themen, wir wollen loslegen. Lethargie und Stillstand hatten wir lange genug“, sagt er. „Ich kenne die Verwaltung und weiß, wo wir besser werden können“, gibt er sich selbstbewusst. „Ich freue mich auf die Aufgaben, die vor uns liegen.“ Seine Chancen schätzt er gut ein. Anders als im Bundestrend sieht er die SPD in Aachen auf Augenhöhe mit CDU und Grünen.

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