Spaziergang durch Aachens Galerien

Kunstgeschichten : „Langsame“ Unikate in Blau

Cyanotypien – Eisenblaudrucke, die nach einem 180 Jahre alten fotografischen Verfahren hergestellt werden – stellt die Kölner Künstlerin Isabel Ristau in der BBK-Galerie am Adalbertsteinweg aus. Allein aufgrund des Zeitaufwands und des experimentellen Charakters der Arbeiten findet eine Entschleunigung statt, die man guten Gewissens „Slow Art“ nennen kann.

Bei der Cyanotypie, die bereits 1839 entwickelt wurde und die als erster fotografischer Prozess ohne Verwendung von Silber gilt, findet die Belichtung des analog aufgenommenen Fotos mittels Sonnen- bzw. Tageslicht statt, die Entwicklung erfolgt durch Spülen unter fließendem Wasser. Die Motive Isabel Ristaus sind durchweg Ansichten und Impressionen von Architektur, Brunnen und städtischem Leben in Rom, wo sie lange Jahre lebte und Bildhauerei und Fotografie studierte.

Je nach dem verwendeten Papier, nach Lichtintensität und anderen Faktoren, die Einfluss auf den Prozess der Entstehung des Fotos nehmen, entstehen Arbeiten, die Stück für Stück Unikatcharakter besitzen. Mehr als 20 kleinere Arbeiten, die ergreifend die Kostbarkeit von Zeit, die Schönheit und Vergänglichkeit des Augenblicks zeigen, sind in der Ausstellung zu sehen, darunter auch eine Ansicht der Hohenzollernbrücke mit Wasserspiegelung in Köln und die Aachener Josefskirche in der Dämmerung. Die Ausstellung hängt noch bis zum 28. Januar im Haus am Adalbertsteinweg 123cd und kann nur an den kommenden Sonntagen von 15 bis 17 Uhr sowie nach Absprache unter 0241/4465564 besichtigt werden.

www.isabelristau.de, www.bbk-aachen.de

Zum Neujahrsempfang am 12. und 13. Januar lädt der Aachener Künstler Joachim Griess in seine Werkraum-Ausstellung zum Jahresrückblick ein. Griess arbeitet in der Tradition der konkreten Kunst als „Mittel, um auf optische Weise Gedanken zu verwirklichen“, und stellt Geistiges in fast zwangsläufig reduzierter Formensprache aus. Es geht um Linien und Flächen, Farben, Raum und Volumen, wobei Rhythmen und Strukturen im Sinne Kandinskys sich selbst zum Inhalt nehmen und die Kunst in ihrer Gegenstandslosigkeit vermitteln. Zum ersten Mal in Aachen zu sehen sind die „Berliner Taxigeschichten“ des Künstlers, an denen er rund 20 Jahre gearbeitet hat und die in Süddeutschland mehrfach ausgestellt wurden. Zu sehen sind die Arbeiten von Joachim Griess nur am kommenden Wochenende im Atelier an der Viktoriastraße 60, samstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr.

www.joachimgriess.de

Nahezu riechen kann man den Duft der Lavendelfelder in der Provence, die die Aachener Malerin Regina Münch in satten Farben gemalt hat. Das Licht des Südens gleißt über den Farbflächen, die sich in der endlosen Weite der Felder zu verlieren scheinen. Grüntöne sind die maßgeblichen Farben in der Landschaftsmalerei von Hyazinth Pakull, der gleichermaßen Farbstudien wie märchenhafte Illustration bietet.

Beide Künstler stellen bis zum 23. Januar neben weiteren in einer Gruppenausstellung in der Galerie Hexagone aus, die erst kürzlich in die Wilhelmstraße 16, nur wenige Meter unterhalb des Suermondt-Ludwig-Museums, umgezogen ist. Geöffnet ist die Galerie mittwochs bis freitags von 12.30 bis 18 Uhr, samstags von 12.30 bis 15.30 Uhr.

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