Aachen: Spannende Expeditionen ins Herz von Burtscheid

Aachen: Spannende Expeditionen ins Herz von Burtscheid

Das Internet kann eine feine Sache sein. Und Soziale Netzwerke bringen manchmal Menschen zusammen, die sich sonst nie kennenlernen würden. Ohne Internet gäbe es die Burtscheider Heimatfreunde wahrscheinlich gar nicht. Gestartet sind sie als Facebook-Gruppe.

Nun feiern sie bald das Zweijährige, und ihre Aktivitäten gehen übers Netz weit hinaus. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden die Heimatfreunde jüngst durch ihren Einsatz für die „Sitzende“. Die Gruppe hat viel dazu beigetragen, dass die gestohlene Bronzeskulptur im Burtscheider Kurpark durch ihren „Zwilling“ ersetzt werden konnte.

Schönheitsreparatur im Jahr 1971: Auch im „Nachrichten“-Archiv gibt es eine Erinnerung an die „Sitzende“. Foto: Hein Call

Als Uwe Reuters, Ideengeber und Gründer der Burtscheider Heimatfreunde, die Facebook-Gruppe vor zwei Jahren ins Leben rief, da ging es ihm um Burtscheider Geschichte und um die ganz persönlichen Geschichten, die Menschen über „ihr“ Burtscheid erzählen können. Offenbar hat der Mann da einen Nerv getroffen. Denn die Heimatfreunde haben mittlerweile 330 Mitglieder.

Historisches Schätzchen: die verschneite Burtscheider Hauptstraße als Rodelbahn im Februar 1940.

Beliebte Bilderrätsel

Längst nicht alle wohnen im Stadtteil Burtscheid oder überhaupt in Aachen. Auch in Marokko, Südafrika oder Kanada haben Mitglieder zum Beispiel Spaß an den Bilderrätseln — alte und neue Fotos aus Burtscheid —, von denen Uwe Reuters jeden Tag eins ins Netz stellt. „Und die Rätsel werden immer gelöst“, freut er sich. Mindestens einer finde sich immer, der weiß, wo das ist oder was dort mal war.

Die Heimatfreunde, die in Aachen wohnen, treffen sich keineswegs nur im Netz. Etliche von ihnen gehen einmal im Monat gemeinsam auf „Expedition“. Dann erkunden sie den Abteischatz von St. Johann, das Kaiserbad, das ehemalige Diana-Kino, den Turm von St. Michael oder den Bismarckturm. An der Burtscheider Hauptstraße haben sie einen historischen Keller besichtigt, durch den noch ein Bach fließt. „Bis vor fünf Jahren lebten dort unten sogar Flusskrebse“, erfuhr Reuters beim Ortstermin.

Sogar einen eigenen Chor haben die Heimatfreunde eine Zeit lang gehabt, die BuHei-Singers. Und eine CD haben sie aufgenommen.

Sehr großen Anklang finden in der Runde immer wieder alte Fotos aus Burtscheid. „Da geht einem das Herz auf“, gesteht Heimatfreundin Frieda Maigré, die auch schon manches Motiv beigetragen hat. Mit solchen Fotos lasse sich dokumentieren, wie sehr sich das Viertel doch gewandelt habe über die Jahrzehnte, sagt sie.

Beim Thema Veränderung kann auch Franz-Josef Reuters, der Vater des Initiators, so manche Erinnerung beisteuern. „Mit 82 bin ich wahrscheinlich der Älteste in der Gruppe“, sagt er. „Und ich wohne seit mehr als 60 Jahren hier. Aber sogar ich staune immer wieder, was ich alles nicht wusste über Burtscheid.“ Sehr gut erinnern aber kann sich Franz-Josef Reuters zum Beispiel noch daran, wie die Straßenbahn mitten durch Burtscheid fuhr, bis hinaus zum Bismarckturm.

„Wir wollen keine Konkurrenz sein zu anderen Gruppen“, sagt Initiator Uwe Reuters. „Wir verstehen uns eher als Ergänzung.“ Als willkommene Ergänzung werden die Heimatfreunde offenbar auch im Programm für Kurgäste und Touristen verstanden. Das Haus des Gastes führt ihre Aktivitäten mittlerweile in seinem Veranstaltungskalender.

Und was ist das schönste Fleckchen in Burtscheid? Da müssen die Heimatfreunde lange nachdenken. Schließlich gibt es so viele schöne Ecken im Quartier. „Spazieren Sie mal von St. Johann nach St. Michael“, sagt Uwe Reuters dann. „Diese Ruhe da oben! So muss es früher in ganz Burtscheid gewesen sein.“

Am 9. April haben die Heimatfreunde übrigens mit ganz vielen Aachenern gemeinsam einen Termin. Beim großen Aachener Frühjahrsputz wollen sie im Bereich Malmedyer Straße und Salierallee fegen.

Kontakt per E-Mail: burtscheider.Heimatfreunde@t-online.de

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