Aachen: Spät, aber immerhin: Richtfest am Hörsaalzentrum

Aachen: Spät, aber immerhin: Richtfest am Hörsaalzentrum

„Noch lieber als zum Richtfest des Hörsaalzentrums hier in der Claßenstraße“, sagte der nordrhein-westfälische Bauminister Michael Groschek schmunzelnd, „wäre ich zum ersten Spatenstich der Campusbahn nach Aachen gekommen.“ Doch die werde es ja bekanntlich nie geben.

Das Hörsaalzentrum hingegen wird es geben — wenn auch wesentlich später als ursprünglich geplant. „Im Oktober 2013 brauche ich die Hütte hier“, hatte der Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) beim ersten Spatenstich im Dezember 2011 gefordert. Doch schon zwei Monate später war klar, dass der Termin nicht zu halten sein würde. Gestern beim Richtfest mit warmen Essen und kräftigen Getränken im strömenden Regen peilte RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven das Wintersemester 2015/16 als möglichen Eröffnungstermin an. „Vielleicht geht‘s auch etwas früher, wenn wir Glück haben“, sagte der Kanzler. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Bauherr wisse jedenfalls um die Bedeutung des Hörsaalzentrums für die RWTH und versuche sein Möglichstes, den Bau so schnell wie möglich fertigzustellen.

Zur Verzögerung sei es gekommen, weil drei im bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigte Bieter ein Nachprüfungsverfahren beantragt hätten, erläutert BLB-Sprecher Bernd Klass. Und bis zur Entscheidung der zuständigen Kammer könnten die betreffenden Gewerke nicht beauftragt werden. Die Folge: Der Terminplan gerate durcheinander und „das alles kostet Geld“.

Wie viel genau, das konnte RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven nicht genau beziffern. „Der BLB ist bemüht, die zusätzlichen Kosten im bestehenden Finanzrahmen von 45 Millionen Euro zu halten.“ Allerdings kämen natürlich die Kosten für die Interimslösungim unteren Millionenbereich hinzu, räumte Nettekoven ein. Diese Lösung wächst derzeit am Westbahnhof in die Höhe, wo in einem sogenannten Systembau zwei Hörsäle für je 500 Studierende entstehen.

Das von den dänischen Architekten Schmidt/Hammer/Lassen entworfene Hörsaalzentrum an der Claßenstraße hat hingegen ganz andere Ausmaße. Auf 14.000 Quadratmeter Fläche entstehen elf Hörsäle, 16 Seminarräume, eine Pausenhalle mit Café sowie Flächen für die Physiksammlung, Lager und Arbeitsbereiche. Insgesamt 4000 Studierende finden hier Platz.

„Ein Hörsaalzentrum von dieser Größe in einem dicht bebauten Gebiet zu realisieren, stellt Planer und Bauleute vor eine große technische und logistische Herausforderung, die bisher vorbildlich gelöst wurde“, sagte die stellvertretende Leiterin der BLB-Niederlassung Aachen, Ute Willems nicht ohne Stolz.

Denn immerhin wird das Hörsaalzentrum — anders als die Campusbahn — tatsächlich gebaut. Insofern zeigte sich schließlich auch NRW-Bauminister Groschek beeindruckt von den Dimensionen des Neubaus: „Dieses Leuchtturmprojekt verbessert die Studienbedingungen und stärkt die Exzellenzuniversität in Aachen. Für die ganze Region ist dies ein großer Gewinn.“