Aachen: Sorge um den Campus West: Elan erlahmt?

Aachen : Sorge um den Campus West: Elan erlahmt?

Irgendwie geht es mit dem Campus West nicht so recht voran: „Die Verwaltung möge doch morgen mal beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb anrufen und Dampf machen“, formulierte es der ansonsten für seine ausgewogenen Formulierungen bekannte Vorsitzende des Planungsausschusses, Harald Baal (CDU), in der jüngsten Sitzung.

Der Eigentümer des Campus West, der besagte Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB), hat jetzt seit Jahren die Zügel in Sachen Wissenschafts- und Forschungsentwicklung in dem Großbereich entlang der Süsterfeldstraße schleifen lassen, ein Korruptionsskandal und eine lange Vakanz des Führungspostens in Aachen legte augenscheinlich den wichtigen Partner in Sachen Campus West lahm.

Das Thema kam jetzt auf, weil SPD und CDU in Sorge um die Campusentwicklung einen Antrag auf den Tisch legten, der nochmals Pflöcke für eine vornehmlich an Wissenschaft orientierte Bebauung des riesigen Areals festklopfen soll. Für Norbert Plum, den Sprecher der SPD, sieht es so aus, dass durchaus auch Wohnungen in den verschiedenen Clustern beheimatet sein können.

Im erfolgreichen Bereich Campus Melaten hatte sich sogar gezeigt, dass es der Monostruktur von Wissenschaftsbauten ganz gut tut, wenn sich zwischen den Blöcken etwas menschliches, vornehmlich studentisches Leben breit macht.

Das könne man sich auch im Bereich des Campus West vorstellen, sogar verbreiteter als auf Melaten, hieß es von Seiten der großen Koalition.

Doch nach dem Motto „wehret den Anfängen“ wollen ihre Vertreter mit Blick auf das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium und den BLB eindeutig festschreiben, dass das für viel Geld erwobene Gelände auch tatsächlich dazu genutzt wird, um Wissenschaft anzusiedeln. Wohnen soll die Ausnahme bleiben. Der Antrag wurde im Planungsausschuss einstimmig angenommen.

Die Angst der Aachener ist begründet in den stark divergierenden Quadratmeterpreisen für den boomenden Wohnungsmarkt und jenen Preisen, die mit Gewerberaum erzielt werden können. So befürchtet man, wenn schon nichts läuft dort in Sachen Wissenschaft, könne der BLB „gierig“ nach der Verzinsung seines Kapitals werden, indem man dort auf dem Wissenschaftscampus einfach Wohnungen baut, so wie es private Investoren scharenweise vormachen.

Sozialdemokrat Plum dazu in Richtung der regierenden Genossen in Düsseldorf: „Das Gelände soll unbedingt der Wissenschaft vorbehalten bleiben.“

Die Erfolgsgeschichte des Campus Melaten ist einer Vision von Machern zuzuschreiben, die sich damals um den Direktor des Werkzeugmaschinenlabors (WZL), Prof. Günther Schuh, sammelten. Doch von Schuh hört man bereits länger keine Statements mehr, aus denen der unbändige Gründerwille von vor zehn Jahren spricht. Ob die Dynamik von damals auch für den Campus West reichen wird, ist eben ungewiss.

(wos)
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