Aachen: Sommer, Sonne, Leben retten: Blutspender trotzen Hitze

Aachen : Sommer, Sonne, Leben retten: Blutspender trotzen Hitze

Alexandra Petrus hat alles richtig gemacht: Während sich zahlreiche Aachener am Mittwoch bei nahezu tropischen Temperaturen durch den Tag quälen, liegt sie in einem angenehm temperierten Raum und streckt auf der gepolsterten Liege die Beine aus.

Ab und zu nippt die junge Frau an ihrem kühlen Wasser und unterhält sich mit ihren Nachbarn auf der Liege nebenan. Was ein kleines bisschen an eine Auszeit in einem Wellness-Hotel erinnert, ist in Wirklichkeit jedoch ein deutlich ernsteres Thema und körperlich auch ganz schön anstrengend. Alexandra Petrus ist Blutspenderin und nutzt ihren freien Tag dazu, um anderen Menschen womöglich das Leben retten zu können.

Und sie ist nicht allein. „Ich habe gedacht, dass gerade bei dem Wetter weniger los ist“, sagt sie und lacht. Im Tagungszentrum des Aachener Marienhospitals ist Mittwochmittag jedoch das Gegenteil der Fall. Leere Liegen und gelangweilte Schwestern? Fehlanzeige! Das Mobile Team des Blutspendedienstes des Uniklinikums Aachen ist mit der Resonanz zufrieden. Doch das ist in der Regel eher die Ausnahme.

Vor allem in den Sommermonaten kommt Blutspenden nämlich gar nicht gut an. Das weiß auch Andrea Schroeder, die sich beim Blutspendedienst der Uniklinik um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Es herrscht ein extremer Konservenmangel“, sagt Schroeder. Einer der Gründe dafür ist die Urlaubszeit. Doch während zahlreiche Aachener in die Ferien fahren, werden in den Krankenhäusern und Arztpraxen weiterhin Blutkonserven benötigt. Deutschlandweit liegt die Zahl bei insgesamt 15.000 Stück am Tag, pro Jahr umfasst der bundesweite Bedarf rund 5.475.000 Konserven.

Allein für die Patienten der Aachener Uniklinik werden jährlich mindestens 25.000 Blutspenden gebraucht. Und damit nicht genug. Der Blutspendedienst versorgt auch noch seine Lehrkrankenhäuser wie beispielsweise das Marien- und Luisenhospital in Aachen, das Medizinische Zentrum in Würselen und das Bethlehem-Krankenhaus in Stolberg und ist damit auch für weite Teile der Städteregion verantwortlich.

Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass gerade einmal 2,5 Prozent der Deutschen überhaupt Blutspender sind. „Wir brauchen einen permanenten Flow in der Spende, aber gerade in der Urlaubszeit wird die Grundversorgung langsam knapp“, sagt Schroeder. Aus diesem Grund hat der Blutspendedienst vor allem in den vergangenen Tagen in den sozialen Netzwerken zur Blutspende aufgerufen.

Alexandra Petrus ist eine der Freiwilligen, die dem Aufruf gefolgt ist. Ein letztes Mal nippt sie an ihrem Wasser und dann wird es ernst. „Der Kreislauf ist in Ordnung“, sagt Schwester Andrea Molls und löst die Manschette des Blutdruckmessgerätes von ihrem Arm. Dann folgt der Moment, den wohl die meisten fürchten. Doch der Nadelstich, den Schwester Andrea setzt, ist kaum zu spüren und nach wenigenSekunden ist das Schlimmste dann auch schon geschafft. Alexandra Petrus lehnt sich erneut entspannt zurück und wartet darauf bis die rund 450 Milliliter abgezapft sind. Rund 15 Minuten dauert dies in der Regel, danach können sich die Spender mit Getränken und Keksen stärken.

Die letzte Blutspende von Jonathan Henn liegt 60 Tage zurück. Bei Männern ist das die Zeit, die zwischen den Spenden eingehalten werden muss. Bei Frauen sind es sogar 90 Tage. Die jährlich entnommene Blutmenge darf bei Frauen 2000 Milliliter, das entspricht bis zu vier Blutspenden, und bei Männern 3000 Milliliter, das entspricht bis zu sechs Blutspenden, nicht überschreiten.

Aber wofür werden die Konserven eigentlich benötigt? Etliche medizinische Eingriffe wie beispielsweise Operationen und Krebstherapien sind nur dann möglich, wenn auch in ausreichender Menge Blut zur Verfügung steht. Doch nicht nur kranke Menschen sind auf die Konserven angewiesen. Jeder kann plötzlich in die Lage kommen, eine Bluttransfusion zu benötigen, beispielsweise durch einen Unfall. Es gibt sogar Fälle, in denen ein Patient nach einem Verkehrsunfall 50 oder sogar noch mehr Blutkonserven braucht, um überhaupt weiterleben zu können. Eine Blutspende kann bis zu drei Menschenleben retten und der Spender auf diese Weise zum Lebensretter werden.

Dieses Argument führt auch Jonathan Henn an. „Man braucht vielleicht selbst auch mal Blut, aber es ist auch eine Dienstleistung für die Gesellschaft und kann nicht verkehrt sein“, sagt er.

Andrea Molls und ihre Kollegin Angelika Prok sind von so viel Engagement begeistert, hoffen jedoch auch, dass in den kommenden Wochen noch mehr Aachener zu einer Spende bereit sein werden.

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