Aachen: Somalia gehört jetzt auch zur Zeitungssammlung

Aachen: Somalia gehört jetzt auch zur Zeitungssammlung

Da warens nur noch zwei: Mikronesien und Usbekistan sind die letzten verbliebenen weißen Flecken auf der Landkarte des Internationalen Zeitungsmuseums (IZM) in Aachen.

Was aktuellere Ausgaben angeht, fehlt außerdem noch Vietnam. Abhaken konnte Museumsleiter Andreas Düspohl nun hingegen Somalia - und durfte sich dafür bei Manfred Kutsch bedanken.

Im Rahmen der Hilfsaktion „Wir wollen leben”, ins Leben gerufen von Unicef und Aachener Nachrichten, bereiste der bekannte Journalist und Redakteur unserer Zeitung gemeinsam mit Ehefrau Silke Fock-Kutsch zuletzt Ostafrika. Vor der Abreise bat Peter Sellung von der Stadt ihn darum, doch nach einer somalischen Zeitung Ausschau zu halten.

„Das hat meinen sportlichen Ehrgeiz geweckt”, bekennt Kutsch nach seiner Rückkehr. Und den brauchte es ganz offensichtlich auch, denn mal eben zum Kiosk zu schlendern, das ist in dem von Hunger, Dürre und Bürgerkrieg geplagten Land natürlich unvorstellbar.

„Die Regierung dort ist zwar international anerkannt, aber ihr Einfluss gerade mal groß genug, um ihr eigenes Gebäude zu schützen”, weiß Kutsch - Warlords und Clans bestimmen die chaotischen Verhältnisse.

Dennoch hat er es geschafft - und konnte dem IZM am Donnerstag eine Ausgabe von „Wadani” überreichen. 20 Seiten stark ist die Ausgabe, die Anfang Januar dieses Jahres erschien und umgerechnet zehn Cent kostete. Der Titelseite ist zu entnehmen, dass das Exemplar im Nachbarstaat Kenia erstanden wurde. Denn dort war Manfred Kutsch schließlich mit tatkräftiger Unterstützung von UN-Mitarbeitern und Personenschützern fündig geworden. „Das Zeitungsmuseum ist jetzt jedenfalls in UN-Kreisen sehr bekannt”, scherzt Kutsch. Das die Ausgabe nicht mehr ganz druckfrisch ist, scherte ihn nach der langen Suche natürlich wenig. „Ich wollte mich ja nicht übers Weltgeschehen informieren.”

Milizen und Fußball

Das wäre angesichts des zwar lateinischen, für die Lesegewohnheiten eines Europäers jedoch höchst fremdartigen Buchstabenkauderwelschs auch schlechterdings nicht möglich gewesen. Die Themen lassen sich nur über die Bilder erschließen: Auf der dritten Seite sind bis an die Zähne bewaffnete Milizen zu sehen, der Sportteil hingegen dreht macht mit dem kamerunischen Fußballstar Samuel Etoo auf. Und auch Josep Guardiola, Trainer des FC Barcelona, hat es in die Ausgabe geschafft.

„Technisch ist das ganze durchaus auf hohem Level, wenn auch grafisch etwas einfallslos”, begutachtet Kutsch den „Wadani” mit Kennermiene. Überraschend ist, dass durchgehend mit Farbfotos gearbeitet wird.

In welcher Sprache?

Zu den Hintergründen des Mediums - Auflage? Verbreitungsgebiet? Politische Ausrichtung? - ist bislang nichts bekannt. Kein Wunder, wenn man die schwierige Beschaffungsgeschichte bedenkt. Momentan ist man sich beim IZM nicht mal sicher, in welcher Sprache sich das Blatt an seine Leser wendet.

Was diese und weitere Informationen über die neue Rarität in ihrem Angebot angeht, hoffen Düspohl und seine Kollegen auf Hilfe von Kennern des Kontinents.

Sachdienliche Hinweise werden unter der Rufnummer 0241/432491-0 dankend entgegen genommen. Und ebenso sehr freut man sich natürlich, falls sich ein Aachener melden sollte, der demnächst Mikronesien, Usbekistan oder Viet­nam bereisen wird.