Von Frühjahrsputz bis Feuerwehr: So ist das Ehrenamt in der Städteregion organisiert

Von Frühjahrsputz bis Feuerwehr : So ist das Ehrenamt in der Städteregion organisiert

Ohne bürgerschaftliches Engagement wären die Städte trist und leer? Wahrscheinlich nicht. Aber unbestritten ist, dass sich der unentgeltliche Einsatz für andere für beide Seiten auszahlt. Die Kommunen werden dadurch nicht nur lebenswerter, viele sind auf den ehrenamtlichen Einsatz auch zwingend angewiesen.

Die Gemeinden in der Städteregion haben sich die Förderung und Belohnung des Ehrenamtes deshalb auch alle auf die Fahne geschrieben: Es gibt Ehrungen für Engagierte, Vergünstigungen durch Ehrenamtspässe, Fortbildungsangebote... Wir haben bei den Städten nachgefragt, wie genau sie sich um das Ehrenamt kümmern.

Aachen: Als größte und bevölkerungsreichste Kommune der Städteregion leistet sich die Stadt Aachen ein eigenes „Büro für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement“ mit vier Mitarbeitern. Petra Mahr sieht die Einrichtung des Büros sogar als zwingend an, um die vom Rat als verbindlich verabschiedeten „Leitlinien zur Förderung des Ehrenamtes und des bürgerschaftlichen Engagements“ umzusetzen. „Ein ‚Nebenher-noch-erledigen‘ ist weder gewollt, noch würde dabei die Fülle der Aufgaben bewältigt werden können“, schreibt die Mitarbeiterin des Ehrenamtsbüros auf Anfrage.

Und listet unter anderem die Organisation des Ehrenwerttages und des Aachener Frühjahrsputzes, die Verleihung des Ehrenamtspreises, die Betreuung einer Homepage, eines eigenen Newsletters und einer Stellenbörse für Ehrenamtliche, die Ausrichtung von Informationsabenden und Fortbildungen auf. Und schließlich seien da noch die vielen Einzelanfragen, die im Ehrenamtsbüro aufliefen.

Aachen gibt seit 2003 als einzige Kommune der Städteregion auch einen eigenen Ehrenamtspass heraus, der Vergünstigungen bei städtischen Einrichtungen und Aachener Unternehmen ermöglicht. Alle anderen – bis auf Würselen – haben sich für die Ehrenamtskarte NRW entschieden, die seit 2008 existiert. Aachen hatte sich 2013 erneut gegen einen Wechsel zur Ehrenamtskarte NRW ausgesprochen, weil man eine Konkurrenzsituation zum „gut eingeführten“ Aachener Ehrenamtspass befürchtete.

Das Ehrenamt in der Städteregion hat viele Gesichter: In Aachen gibt es unter anderem den Ehrenamtstag für die Vereine und den jährlichen Frühjahrsputz. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Alsdorf: In Alsdorf können 148 Engagierte zurzeit die Ehrenamtskarte NRW nutzen. Sie ermöglicht neben lokalen Vergünstigungen bei Einrichtungen und Unternehmen auch Rabatte bei Landeseinrichtungen wie den Museen des LVR. Neben der Zurverfügungstellung von Probenräumen, Festhallen und Sportstätten verweist Marion Wingen vom Amt für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Alsdorf vor allem auf das Projekt ABBBA (Alsdorfer Bildungs-, Beratungs- und Begleitungsangebote), in dessen Rahmen – gefördert vom Programm „Soziale Stadt“ – ein Bürgerzentrum in Alsdorf-Mitte eröffnet wurde.

„Ein Ort der Begegnung und eine Plattform des bürgerschaftlichen Engagements“, betont Wingen. Die Räume und Angebote stehen allen Bewohnern von Alsdorf-Mitte und Umgebung offen. Die Stadt Alsdorf nimmt außerdem am Projekt „Zukunftsfaktor Bürgerengagement“ zur Entwicklung von Förderstrategien teil. Weitere Vernetzungsmöglichkeiten bieten freie Träger.

In Alsdorf ist man stolz auf das Projekt ABBBA (Alsdorfer Bildungs-, Beratungs- und Begleitangebote), unter anderem mit dem Tauschladen. Foto: Dagmar-Meyer-Roeger/Dagmar Meyer-Roeger

Baesweiler: Die Stadt Baesweiler hebt in der Vielzahl des bürgerschaftlichen Engagements die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr hervor. „Andere Städte mit einer vergleichbaren Größe müssen eine hauptamtliche Wache unterhalten. In Baesweiler kann diese Aufgabe dank des großen Engagements und ihrer enormen Leistungsfähigkeit die Freiwillige Feuerwehr übernehmen“, lobt Bürgermeister  Willi Linkens.

Die Stadt belohnt das durch eine so genannte Feuerwehrrente, die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Alter ausbezahlt bekommen. Mehrere hundert Ehrenamtliche aus anderen Bereichen ehrt die Stadt in regelmäßigen Abständen mit dem Tag des Ehrenamtes.

In Baesweiler legt man Wert auf die Freiwillige Feuerwehr. Foto: Sigi Malinowski

Eschweiler: Schon vor 20 Jahren habe man mit der Förderung von bürgerschaftlichem Engagement begonnen, so Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram. „Es geht einfach nicht ohne Ehrenamt!“ Er hebt zwei Veranstaltungen hervor: Den Tag des Ehrenamts im Dezember, bei dem Menschen, die sich besonders verdient gemacht haben, mit dem Ehrenamtspass Eschweiler ausgezeichnet werden – nicht zu verwechseln mit der Ehrenamtskarte NRW, die in Eschweiler ebenfalls beantragt werden kann. Den Ehrenamtspass gibt es nur nach Vorschlag und für besonders herausragendes Engagement. Am Herzen liegt Bertram der Tag des Ehrenamtes für die Jugend, bei dem 100 bis 150 ehrenamtlich engagierte Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren auf Kosten der Stadt eine Party feiern können. Beim Neujahrsempfang ehrt die Stadt außerdem drei junge Menschen mit dem Preis „Jugend+“.

Herzogenrath: Einen jährlichen Ehrenamtspreis gibt es auch in Herzogenrath. Das Thema Ehrenamt ist bei der Stadt allerdings auf viele Schultern verteilt. Ganz offiziell liegt das Thema bei Rainer Rüben, Leiter des Bürgerservices. Kerstin Harings, Leiterin des Koordinationsbüros „Rund ums Alter“ ist aber ebenso involviert wie die Gleichstellungsbeauftragte oder der Sozialamtsleiter. „Wir stoßen gern Projekte an und begleiten sie, getragen werden sie aber in der Regel von den Ehrenamtlichen in Vereinen und Institutionen“, erklärte Harings. Bei der NRW-weiten „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ – in diesem Jahr vom 13. bis 22. September – sorgt Herzogenrath in erster Linie dafür, Veranstaltungen der Vereine bekannt zu machen. „Zusammen mit dem Projekt ‚Mitten in Merkstein‘ zeichnen wir aber für den Markt der Möglichkeiten verantwortlich.“

Monschau und Simmerath: Beide Eifelgemeinden setzen auf die Ehrenamtskarte NRW und einen Ehrenamtstag. Dann zeichnet Monschau sieben, Simmerath 13 Engagierte – einen aus jedem Ortsteil – aus. „Und zwar nicht nur die langjährigen Vereinsvorsitzenden“, wie Franz-Karl Boden, stellvertretender Bürgermeister in Monschau, betont. „Die Leute sind bewegt, freuen sich über die Aufmerksamkeit“, weiß Elisabeth Nießen, Leiterin des Bürgermeisterbüros in Simmerath. „Normalerweise stehen sie im Hintergrund. An diesem Tag werden sie mal in den Fokus gerückt.“

Roetgen: Dirk Recker, Verteter des Roetgeners Bürgermeisters Jorma Kauss, weiß, dass seine kleine Gemeinde mit nur wenigen Vergünstigungen im Rahmen der Ehrenamtskarte NRW punkten kann. „Wir haben einfach nicht viele kommunale Einrichtungen.“ Trotzdem bietet Roetgen den goldenen Ausweis an. „Außerdem ist es uns wichtig, persönlichen Kontakt zu den Engagierten zu halten“, meint er. Recker oder Klauss haben deshalb regelmäßig die Ortskartellsitzungen im Terminkalender stehen. Und mit Ende der Haushaltskonsolidierung – frühestens allerdings 2020 – könnte auch eine Aufstockung der Vereinsförderung möglich werden.

Stolberg: Seit 2014 hat die Kupferstadt mit Hildegard Nießen eine eigene Ehrenamtsbeauftragte. Sie führt unter anderem die Ehrenamtsdatei, in die Vereine und Organisationen ihre Ehrenamtlichen melden können. Und sie organisiert den Ehrenamtstag für alle Ehrenamtlichen der Stadt: Im Rahmen dieser feierlichen Veranstaltung werden ehrenamtlich tätige Bürger geehrt und bekommen auch das erste Mal die Ehrenamtskarte NRW überreicht. Die besonders Engagierten werden zudem mit einer Galerie im Rathaus geehrt: Die „Stolberger Köpfe im Ehrenamt“ sind professionelle Porträtfotografien von Ehrenamtlichen, auf denen auch ihr ehrenamtlicher Lebenslauf nachzulesen ist.

Würselen: Würselen verweist beim Thema Ehrenamt auf den ehrenamtlich tätigen Ehrenamtsbeauftragten der Städteregion, Theo Steinröx (>siehe Interview). Jede Anfrage würde direkt an ihn weitergeleitet. Es gibt keine Ehrenamtskarte NRW und auch sonst keine vergleichbare Belohnung. Würselen richtet aber jährlich einen Ehrenamtsabend mit einem bunten Programm auf der Burg Wilhelmstein aus. Bürgermeister Arno Nelles und seine Stellvertreter Winfried Hahn und Hans-Josef Bülles ehren dann engagierte Einzelpersonen und Gruppen unter anderem mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

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