Aachen: Skandal am Recyclinghof: Was tun gegen die kriminelle Energie?

Aachen : Skandal am Recyclinghof: Was tun gegen die kriminelle Energie?

Das ging schnell: Vor wenigen Tagen hat die Stadt Aachen per Pressemitteilung erklärt, dass die Öffnungszeiten am Recyclinghof Eilendorf „aus organisatorischen Gründen“ eingeschränkt werden. Am Montag gab es eine neue Mitteilung: Allen städtischen Mitarbeitern wurde gekündigt.

Hintergrund war die Freistellung aller städtischen Mitarbeiter vor Ort. Der Verdacht steht im Raum, dass die Mitarbeiter unerlaubterweise Handel mit Wertstoffen betrieben haben. Konkret geht es um Elektroaltgeräte. Dieser Verdacht hat sich nun erhärtet. Und es bleibt noch eine Weile bei den eingeschränkten Öffnungszeiten des Recyclinghofs.

„Als Ergebnis der Ermittlungen, zu denen auch ausführliche Gespräche mit den Mitarbeitern gehörten, hat der Stadtbetrieb am Ende der vorigen Woche neun außerordentliche Kündigungen ausgesprochen“, schreibt Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen, am Montag in einer Pressemitteilung. Diese Kündigungen, die das gesamte Team des Recyclinghofs betreffen, seien nach Abstimmung zwischen dem Stadtbetrieb und dem Fachbereich Recht und Versicherung der Stadt Aachen ausgesprochen worden.

Dem Vernehmen nach ist der illegale Handel mit alten Elektrogeräten wohl durch Hinweise aufgefallen, dass die Anzahl der offiziell abgegebenen Geräte stetig sank. Bei einem gut laufenden Betrieb wie dem in Eilendorf sei das durchaus eine auffällige Entwicklung. Mehr als 4000 „Kunden“ zählt die Stadt pro Woche. Gerade an den Wochenenden bilden sich regelmäßig lange Schlangen von Leuten, die Bauschutt, Farbreste und sonstige Abfälle loswerden möchten.

Ersatzteam wird geschult

„Wir haben in den zurückliegenden Tagen ein Ersatzteam aufgebaut“, sagt Bernd Büttgens. Der Einsatz des neuen Teams sei aber ohne weitere Einschränkung der Öffnungszeiten nicht zu bewerkstelligen. „Die neuen Mitarbeiter des Recyclinghofs werden ausführlich geschult“, erklärt Büttgens gegenüber den „Nachrichten“. Sie sollen lernen, wie genau der Betrieb funktioniert, was rechtens ist und was nicht. Bis alle eingespielt sind, wird es aber noch etwas dauern. „Der Stadtbetrieb ist jedoch darum bemüht, wieder schnell die üblichen Öffnungszeiten anbieten zu können“, so Büttgens.

Bereits 2013 hatte die Stadt in etwas anders gelagerten Fällen im Umfeld des Stadtbetriebs umfangreiche Präventionsmaßnahmen ergriffen. Seinerzeit hatte der Vorwurf im Raum gestanden, dass Mitarbeiter des Stadtbetriebs Nachtspeicheröfen illegal in Hahn entsorgt haben sollen. Die Vorwürfe haben sich nie erhärtet, dennoch sei das Thema Transparenz und Vorbeugung von Korruption seitdem Thema.

So sollen die Präventionsmechanismen, also Schulungen der Mitarbeiter und andere Maßnahmen, überprüft und laufend angepasst werden. Beispielsweise durch Rotation der Mitarbeiter, Stichproben oder unangekündigte Personalumbesetzungen. Solche Umbesetzungen passieren natürlich nicht einfach nach Gutdünken. „Diese Möglichkeiten der Vorbeugung werden zwischen dem Stadtbetrieb und den Fachbereichen Rechnungsprüfung sowie Recht und Versicherung in Abstimmung mit der Verwaltungsleitung aufgearbeitet“, schreibt Büttgens in der Pressemitteilung.

Zudem soll dem Stadtrat bis Ende des Jahres ein aktualisierter „Verhaltenscodex“ für Mitarbeiter vorgelegt werden. Das hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp den „Nachrichten“ bereits Mitte September gesagt.

Trotz all der getroffenen Maßnahmen: „Bei entsprechender krimineller Energie von Einzelnen ist es jedoch nicht auszuschließen, dass solche Vorfälle wie der jetzige geschehen“, schreibt Büttgens.

Bis auf Weiteres hat der Recyclinghof an der Kellershaustraße in Eilendorf montags bis freitags von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet. Samstags gilt laut Stadtverwaltung weiterhin die übliche Öffnungszeit von 8.30 bis 14 Uhr.