Aachen: Situation in Katalonien: Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Aachen-Toledo äußert sich

Aachen : Situation in Katalonien: Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Aachen-Toledo äußert sich

„Vergiftet“, nennt José Sánchez Rodríguez die derzeitige Situation in Katalonien, „und zwar schon seit Jahren.“ Und Sánchez Rodríguez muss es wissen, denn erstens hat der 54-Jährige Spanier an der RWTH Aachen Politikwissenschaften studiert und zweitens ist er Vorsitzender des Fördervereins der Städtepartnerschaft Aachen-Toledo — also quasi ein Fachmann in Sachen deutsch-spanische Beziehungen.

Er kritisiert an den Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und der spanischen Reaktion darauf vor allem eins: den Mangel an Diskussion und Dialog auf beiden Seiten. „Die katalonische Regierung hat mit dem Referendum zur Unabhängigkeit nicht nur spanisches Recht, so

ndern auch katalonisches gebrochen. Denn sie hat die katalonische Opposition nicht zu Wort kommen lassen.“ Schließlich sei es ein wichtiger Wesenszug der Demokratie, dass alle ihre Meinungen äußern können. Ihn würde vor einer Unabhängigkeit vor allem eins interessieren: „Welches Konzept hat die katalonische Regierung denn für die Probleme Kataloniens vorzuweisen, außer der Unabhängigkeit?“

Gleichzeitig kritisiert José Sánchez Rodríguez auch das Krisenmanagement in Madrid. Denn weder die spanische Regierung noch die Opposition haben seiner Meinung nach ein Konzept zur Hand, wie sie die Krise bewältigen können. Auch das lag aus seiner Sicht daran, dass sich Regierung und Opposition vorher darüber nicht ernsthaft geredet hätten.

José Sánchez Rodríguez hat eine galicische Mutter und einen andalusischen Vater, vor seiner Zeit in Aachen ist er in Galizien aufgewachsen. Er bezeichnet sich selbst als „multikulti“. „Meiner Meinung nach sollte die kulturelle und sprachliche Vielfalt, die Spanien zu bieten hat, viel mehr gefördert werden, beispielsweise als Schulfach.“ Vielleicht hätte das die separatistischen Fliehkräfte in Spanien eindämmen können, vermutet er.

Keine Auswirkungen befürchtet

Auswirkungen auf die Städtepartnerschaft zwischen Aachen und Toledo befürchtet er dennoch keine. In Toledo, das selbst Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-La Mancha ist, hat er keine separatistischen Strömungen ausgemacht. In anderen spanischen Regionen wie Galicien, Baskenland, Navarra, Balearen und der Comunidad Valenciana seien diese Bestrebungen allerdings sehr wohl festzustellen. „Meiner Meinung nach haben wir mit dem wachsenden regionalen Nationalismus ein europäisches Problem, das die Menschen polarisiert.“

Wenn auch nur im Kleinen, so hofft José Sánchez Rodríguez, dass eine Städtepartnerschaft wie die zwischen Aachen und Toledo diesem Problem entgegenwirken kann. „Unser Verein ist parteipolitisch und weltanschaulich neutral und fördert das Miteinander der Menschen über Parteigrenzen und Ideologien hinweg“, betont er und spricht damit auch für die anderen Partnerschaften Aachens. Eine solche Partnerschaft bringe die Menschen zusammen und fördere die kulturelle Vielfalt. „Sie trägt zur Verständigung und Toleranz bei und bildet damit die Basis zum gegenseitigen Verständnis und zum Abbau von Vorurteilen bei.“

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