Aachen: Sina Eghbalpour möchte Türen der Turnhallen für Inklusion öffnen

Aachen : Sina Eghbalpour möchte Türen der Turnhallen für Inklusion öffnen

Auf ihrem täglichen Weg zum Büro muss Sina Eghbalpour in dem riesigen und verwinkelten Gebäude der Nadelfabrik jede Menge Türen öffnen. Und das ist gar nicht so einfach. Denn Sina Egh­balpour sitzt im Rollstuhl, und die Nadelfabrik besitzt keine elektrischen Türöffner.

Dabei ist es genau ihr Job, Türen zu öffnen: Türen zu den Aachener Sportvereinen für Menschen mit Behinderung einerseits. Andererseits aber auch Türen für die Vereine, wenn diese ihre Halle, ihren Sportplatz barrierefrei gestalten oder ihre Trainer für den Umgang mit Rollstuhlfahrern, Blinden, Hörgeschädigten oder Anderen qualifizieren wollen und nicht wissen, wie. Dann kann Sina Eghbalpour helfen, denn seit Anfang des Jahres ist sie Sport-Inklusionsmanagerin beim Stadtsportbund Aachen.

Und als solche hat die 25-Jährige eine Stelle von zehn bundesweit. Die hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) 2016 im Rahmen eines Pilotprojektes ausgeschrieben. Der Sportbund Aachen bekam eine davon. „Vielleicht lag es an unseren guten Erfahrung mit dem inklusiven Förderprogramm 1000 x 1000“, mutmaßt Geschäftsführerin Johanna Heiliger, die seinerzeit die Bewerbung schrieb. „Wir sind jedenfalls froh, dass wir an dem Pilotprojekt teilnehmen dürfen“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir arbeiten jetzt schon daran, dass es nach den zwei Jahren, die Ende 2018 auslaufen, weitergeht.“

Befragung von 226 Vereinen

Diese Arbeit läuft auf zwei Ebenen ab. Denn bei dem Pilotprojekt geht es nicht nur darum, „die Vereine für die Inklusion zu öffnen“, wie Sina Eghbalpour ihre Aufgabe beschreibt, sondern auch um die Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung. Und dazu gehöre es auch, entsprechende Erfahrungen zu sammeln und beispielsweise die Nadelfabrik mit elektrischen Türöffnern ausstatten zu lassen, sagt Johanna Heiliger.

Gemeinsam mit der Stadt Aachen, dem Landschaftsverband Rheinland und im regelmäßigen Austausch mit den anderen Arbeitgebern des Pilotprojekts arbeitet Heiliger daran.

Sina Eghbalpour arbeitet unterdessen an ihren Aufgaben. Bereits abgeschlossen hat sie eine Befragung der 226 Mitgliedsvereine des Stadtsportbunds, um festzustellen, „welche Angebote es für Menschen mit Behinderung bereits gibt“, sagt sie.

Die Rücklaufquote weise zwar noch Luft nach oben auf, doch ein erstes Faltblatt mit verschiedenen Angeboten von Capoeira über Tanzen, Badminton und Fußball bis Schwimmen, Tischtennis und Schach hat sie bereits erstellt. Dabei hat sie festgestellt: „Das Interesse, sich für Menschen mit Behinderung zu öffnen, ist auch bei den kleinen Vereinen da.“

Wenn es aber Probleme wegen mangelnder Infrastruktur oder fehlender Qualifikation der Übungsleiter gibt, dann kommt Sina Eghbalpour ins Spiel. „Ich schaue mir das gerne vor Ort an und gebe Ratschläge oder Tipps.“ Im Zweifelsfall kennt sie auch jemanden, der jemanden kennt. Denn die zehn Sport-Inklusionmanager sind auch miteinander vernetzt. Sie will aber auch Menschen mit Behinderung ermutigen, auf die Sportvereine zuzugehen. Auch dabei könne sie Hilfestellung leisten, schließlich sei sie als Behinderte „Expertin in eigener Sache“.

„Sport ist meine Medizin“

Die gebürtige Aachenerin leidet seit ihrer Geburt an der Glasknochenkrankheit. Trotz unzähliger Knochenbrüche hat sie sich durchgekämpft: zum Abitur an der Gesamtschule Brand, zum Bachelor- und Masterabschluss in Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule in Aachen — und eben jetzt zu ihrem Job. Geholfen hat ihr dabei der Sport. „Krankengymnastik ist mein Sport“, sagt sie, „und Sport ist meine Medizin.“ Heute könne sie kurze Strecken gehen. „Das ist ein riesiger Erfolg für mich.“

Als Erfolg für ihre Arbeit würde sie es werten, „wenn wir das inklusive Mini-Sportabzeichen, das wir derzeit mit drei integrativen Kitas erproben, weiter ausbauen können“, wenn der Sport im Inklusionsplan der Städteregion stärker verankert würde oder wenn sich viele Übungsleiter für das Training mit Behinderten qualifizieren würden. Oder, wie es Sina Eghbalpour ausdrückt: „Wenn es normaler wird, anders zu sein.“