Silvester haben Polizei und Rettungskräfte in Aachen viel zu tun

UWG fordert ein Verbot von Silvesterraketen für Aachen : Eine heiße Nacht auch für die Polizei

Die Aachener Polizei hat in den vergangenen Jahren einen Trend zu ruhigeren Jahreswechseln ausgemacht. Zu den einsatzreichsten Nächten gehört Silvester aber nach wie vor. Stadt und Feuerwehr bitten derweil um einen vorsichtigen Umgang mit Böllern und Feuerwerk. Vielleicht zum letzten Mal.

Des Einen Freud, des Anderen Arbeit: Dass nämlich die Wetteraussichten für die kommende Silvesternacht besser aussehen als beim stürmischen Jahreswechsel vor einem Jahr, wird viele Aachenerinnen und Aachener freuen, die in der Stadt, in Kneipen und auf Plätzen das neue Jahr 2019 mit Sekt, Musik, Feuerwerk und guter Laune begrüßen wollen. Für die Aachener Polizei und Ordnungskräfte bedeutet besseres Wetter meist allerdings auch mehr Einsätze. Geht es allerdings nach Christoph Allemand und der Aachener UWG, muss das in Zukunft nicht so bleiben.

Denn die Unabhängige Wählergemeinschaft will noch vor der nächsten Ratssitzung am 23. Januar 2019 in einem Antrag ein Silvesterknallerverbot für Aachen erwirken. „Es gibt zahlreiche Gründe dafür“, sagte Allemand am Freitag unserer Zeitung und zählte den Tier- und Menschenschutz aber auch Umweltschutzgründe und die Feinstaubbelastung durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf. „Einzig die Tradition spricht wohl gegen unseren Antrag.“ Um diese Traditionalisten nicht gänzlich zu verprellen, kann sich Allemand die Ausweisung bestimmter Plätze für Feuerwerk in den einzelnen Stadtteilen vorstellen. „Außerdem sollte die Stadt ein zentrales Feuerwerk abbrennen“, schlägt der Ratsherr als Kompromiss vor.

Im vergangenen Jahr war vom einen Feuerwerksverbot freilich noch keine Rede, damals sorgten aber Sturm und Regen für eine eher ruhige Nacht für die Polizei. Die Beamten zählten zwischen zwischen 22 Uhr am 31. Dezember und 6 Uhr am Neujahrsmorgen insgesamt 188 Einsätze in Stadt und Städteregion – darunter waren 14 Körperverletzungen, 16 Streitigkeiten, neun Mal Randale, sechs Sachbeschädigungen und drei Schlägereien. Damit sei ein Trend zu ruhigeren Jahreswechseln erkennbar, bewertete die Polizeipressestelle die Zahlen seinerzeit, weil auch die Silvesternacht von 2016 auf 2017 ähnlich ruhig verlaufen sei, während die Einsatzzahl zwischen 2011 und 2015 meist deutlich über 200 lag.

Doch immer noch zählt die Aachener Polizei die Silvesternacht neben dem 1. Mai, Karneval und Halloween zu den einsatzreichsten Nächten des ganzen Jahres. Entsprechend gebe es schon seit mehreren Jahren ein Sicherheitskonzept für solche Ereignisse. Hier gehe es zwar nicht um eine einzelne Großveranstaltung an einem festen Ort, erläuterte ein Polizeisprecher. Vielmehr werde das allgemeine Vorgehen behandelt, und es gehe um Absprachen mit anderen Behörden und Ämtern. Mit dem Ordnungsamt etwa stehe die Polizei in ständigem Kontakt, regelmäßig tausche man sich mit der Stadt und den Rettungskräften aus.

Denn für alle Behörden gibt es in der Silvesternacht jede Menge zu tun. Daher raten sie in einem gemeinsamen Aufruf zum vorsichtigen Umgang mit Böllern und Feuerwerk. Oberstes Gebot dabei sei die Rücksichtnahme auf andere Menschen, auf Tiere und Gebäude. Mit anderen Worten: Die gezielte Ausrichtung von Feuerwerk auf Menschen, Tiere und Gebäude ist absolut verboten. Generell verboten ist zudem das Zünden von Feuerwerks- und Knallkörpern in der unmittelbaren Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie in der Nähe von besonders brandempfindlichen Gebäuden und Anlagen.

Gerade in der Innenstadt werden Ordnungsdienst und Polizei in der Silvesternacht ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung dieser Regeln halten. Das gleiche gilt für die beliebten Treffpunkte um Mitternacht, wie zum Beispiel Lousberg, Dreiländerweg oder Burtscheider Brücke.

Zu guter Letzt erinnert die Stadt daran, dass man abgebrannte Feuerwerksartikel, leere Flaschen und andere Überbleibsel des Feuerwerks nach der Begrüßung des neuen Jahres auch selbst wegräumen und entsorgen muss.

Das würde sich wohl auch nicht ändern, wenn sich die Aachener UWG tatsächlich mit ihrem Antrag durchsetzen würde. Unterstützung in der Bevölkerung gibt es jedenfalls, wie eine nicht repräsentative Umfrage unserer Zeitung gestern ergab. So sagten etwa Angelika Walter und ihre Tochter Lisa, dass sie selbst keine Raketen kaufen. „Nein, es ist besser sich das Ganze anzuschauen.“ Unfallgefahr bestehe auch, daher finden die beiden es besser, wenn das Feuerwerk auf einem größeren Platz zentral veranstaltet würde. Ein Pärchen mittleren Alters sieht das ganz ähnlich. „Aufgrund der Umweltschäden halten wir nichts davon.“ Zentral auf größeren Plätzen könnten sie sich ein Feuerwerk aber sehr wohl vorstellen. Und eine junge Frau fügte hinzu: „Ich traue mich gar nicht, an Silvester alleine raus zu gehen.“ Sie selbst kauft nur Wunderkerzen. Alles andere sei unter anderem „schlecht für die Umwelt“.

Befürworter für privates Feuerwerk waren bei unserer Umfrage in einem großen Aachener Einkaufszentrum nicht anzutreffen. Die waren mit ihren Raketen wohl schon längst zuhause.

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