Palliativversorgung in Aachen: Sie leistet ganz besondere Unterstützung

Palliativversorgung in Aachen : Sie leistet ganz besondere Unterstützung

Wenn Martina Ellmann klingelt, öffnen sich nicht nur die Türen sondern auch die Herzen. Die Aachenerin ist für viele Familien und Alleinstehende der gute Geist in einer extremen Lebenssituation.

Extrem, weil sie geprägt ist von den letzten Dingen, die erledigt werden müssen, wenn das Lebensende abzusehen ist, wenn Schmerzen und oft Luftnot den Alltag prägen. Und wenn Angst da ist. Dann sind die Betroffenen unübersehbar erleichtert, dass sich Home Care Aachen kümmert.

Der Verein hat es sich seit 2003 zur Aufgabe gemacht, Menschen in dieser Situation zur Seite zu stehen und ihnen eine würdige letzte Lebensphase im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Wenn sie nicht ins Hospiz möchten und damit sie nicht im Krankenhaus sterben müssen. Mediziner, Therapeuten und Pfleger sorgen für die medizinische und psychotherapeutische Versorgung. Martina Ellmann bereichert dies auf der sozialrechtlichen Schiene. Denn oft stehen die Betroffenen in ihrer extremen Situation vor enormen organisatorischen Hürden.

Sie nennt eine Auswahl: „Die Menschen sind oft überfordert, was ich absolut nachvollziehen kann. Wenn es um das Stellen von Anträgen geht, um Rentenfragen, das Herstellen von Kontakten, um Patientenverfügungen, Versicherungen oder auch Testamentsfragen.“ Dann ist dies ein Fall für die Sozialarbeiterin mit ihrer Zusatzausbildung im palliativen Bereich. Sie deckt bei Home Care Aachen seit acht Jahren den Bereich der formellen, organisatorischen Aufgaben ab. „Die Menschen sollen sich umsorgt wissen und ihre Ruhe wiederfinden“, ergänzt Martin Brandt. Er gehört zum Vorstand von Home Care Aachen und weiß, dass in den Extremphasen Zeit keine Rolle spielen darf.

Ein Anspruch, dem man in der Realität nur mit viel Empathie und Idealismus gerecht werden kann. Was gerade für den Bereich von Martina Ellmann gilt, denn im Gegensatz zur medizinischen Versorgung gehört ihr Aufgabenbereich – die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) – nicht zu den Pflichtleistungen. Was konkret bedeutet: Die Kosten für die medizinische Palliativversorgung werden von den Kassen übernommen – die Aufgabe von Martina Ellmann ist spendenfinanziert. Hinter ihrer Tätigkeit, deren Bedeutung nicht in Frage gestellt wird, steht stets ein latentes Fragezeichen.

In diesem Punkt kommt das ehrenamtliche Engagement der sieben Aachener Lions Clubs im Schulterschluss mit dem Zonta Club Aachen ins Spiel. Der „Aachen-Achter“ geht sein Engagement unter dem Motto „Kräfte bündeln – gemeinsam wirken“ an. Seit Jahren beweisen die Frauen und Männer, wie süß Hilfe sein kann. Uschi Ronnenberg, Dr. Hans Röllinger (beide Lions), Renate Weidner (Zonta) und ihre Mitstreiter stehen seit zehn Jahren auf dem Aachener Weihnachtsmarkt und verkaufen dort Marmeladen, Gelees und Adventskränze. Über 140.000 Euro sind so in der Summe zusammengekommen. 5500 Euro flossen jetzt gezielt in die Unterstützung der SAPV. Dies ist das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung unter den acht Clubs. „Wir beraten jedes Jahr neu und achten darauf, dass wir etwas Greifbares unterstützen“, erklärt Uschi Ronnenberg den Entscheidungsweg. Große Diskussionen gab es bei der SAPV nicht.

Wichtige Einblicke gewonnen

Die Club-Vertreter können jetzt authentisch über die Arbeit von Martina Ellmann Bericht erstatten. Über deren formal umrissenen Aufgabenbereich, aber auch über deren persönliches Engagement, denn ihre Aufgabe ist mehr als ein Job. Im Rahmen ihrer Teilzeitstelle hat sie 15 bis 20 Fälle in laufender Betreuung. Dass sie ihre Arbeitszeit dabei nicht mit spitzem Stift nachrechnet, hält sie aus ihrer „christlichen Grundüberzeugung heraus“ für selbstverständlich. Auch die Betreuung von Familien, wenn der Angehörige dann gestorben ist.

Seit jüngerer Zeit ist ihr ein Student der Katholischen Hochschule Aachen an die Seite gestellt. Vielleicht ein kleine Perspektive, um den stetig steigenden Bedarf an der SAPV ansatzweise zu erfüllen. Martina Ellmann und Martin Brandt hoffen, dass das Beispiel der Lions/Zontas Nachfolger findet: „Im Sinne der Sicherung einer qualifizierten und optimalen Begleitung im Rahmen der ganzheitlichen Palliativversorgung in der Städteregion.“

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