Aachen: Sie bringt alle Parteien an einen Tisch

Aachen : Sie bringt alle Parteien an einen Tisch

Nadine Ogioldas wichtigster Vorstoß war vermutlich der, alle Parteien an einen Tisch zu holen. Alle, das sind Vertreter der weiterführenden Schulen in Aachen, sprich Schulleitungen, Stufenkoordinatoren und Klassenlehrer der Deutschfördergruppen und der Schulsozialarbeit.

Außerdem der Schulamtsdirektor, das Kommunale Integrationszentrum sowie Schul- und Jugendhilfeträger. Weshalb? Weil alle gemeinsam über das Bildungsangebot für Neuzugewanderte sprechen mussten. Denn dieses Thema stellte die Stadt Aachen in den starken Jahren der Zuwanderung vor eine große Herausforderung.

Nadine Ogiolda wurde eingestellt, um diese Herausforderung anzunehmen und einen Weg zu finden, wie man jungen Menschen zu einer guten Bildung verhelfen kann.

Interviews mit Jugendlichen

Die 31-Jährige hat im Dezember 2016 die Stelle als Bildungskoordinatorin bei der Stadt Aachen angetreten. Die genaue Stellenbezeichnung lautet: Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote in der Stadt Aachen.

In einem ersten Schritt war sie mit der Bestandsanalyse beschäftigt. Ogiolda führte Interviews mit rund 20 geflüchteten Jugendlichen in unterschiedlichen Altersklassen und mit über 30 Experten aus der Verwaltung sowie mit diversen weiteren Akteuren aus dem Schulamt, mit Lehrkräften und Schulsozialarbeitern. „Ich wollte wissen, ob sich die Jugendlichen gut unterstützt und auch außerhalb der Schule integriert fühlen“, sagt Ogiolda.

Ihr Fazit: Unterstützt gefühlt haben sich beinahe alle. Daher hat sie nun ihren Fokus auf die Übergangsgestaltung von einer zur anderen Schule, von einer zur anderen Klasse gelegt. Da sie das natürlich nicht alleine schaffen kann, fand im Oktober 2017 eine entsprechende Veranstaltung zur „Gestaltung der Übergänge“ statt.

Das Ergebnis: Die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, einer AG. In dieser sollen relevante Themen und Punkte, die es abzuarbeiten gilt, gesammelt und abgestimmt werden. Gemeinsam hat man versucht, eine „Sprache“ zu finden, wie Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, sagt.

Die unterschiedlichen Klassensysteme und verschiedenen Begrifflichkeiten mussten zunächst unter einen Hut gebracht werden. Das ist geschafft. Nun wird sich die AG im Herbst erneut treffen. Alle paar Monate kommen die Vertreter so zusammen und sprechen über die Dinge, die es zu regeln gilt. „Dabei aufgefallen ist uns das überdurchschnittliche Engagement der Schulen und Ehrenamtler“, sagt Ogiolda. Um Schülern die Übergänge zu erleichtern, sei es auch wichtig, dass sie nicht allzu häufig ihre Umgebung verlassen müssen. Denn zunächst absolvieren alle neuzugewanderten Schüler eine zweijährige Sprachförderung.

Und viele Schulen kümmern sich darum, dass die Schüler, die sich einmal in die Gruppe integriert haben, auch bleiben können. Das sei außergewöhnlich und freue Ogiolda. Immerhin hätten die meisten jungen Menschen schon einige Schicksalsschläge hinter sich und bräuchten ein vertrautes und konstantes Umfeld.

So habe jedes Kind einen passenden Platz gefunden, sagt André Kaldenbach, Abteilungsleiter Finanzmanagement, Planung und Service. Und das solle auch weiterhin so bleiben. Die AG wird dazu einen wichtigen Schritt beitragen. Und natürlich Bildungskoordinatorin Nadine Ogiolda. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt die 31-Jährige.

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