Sicherung der Aachener Energieversorgung

Neues Blockheizkraftwerk eingeweiht : Ersatz für Wärme aus Weisweiler

Die Stimmung der hohen Herren war gelöst, galt es doch, ein Stück modernster Technik in Betrieb zu setzen. Gegen 12.30 Uhr am Donnerstagmittag ging das größte Blockheizkraftwerk Aachens im Hochschulerweiterungsgebiet Melaten ans Netz. Oberbürgermeister Marcel Philipp verwies auf die momentane Debatte um den Kohleausstieg und sprach von einer Energiewende zum Anfassen: „Was passiert nach der Braunkohle? Das hier ist ein Stück aktuelle Weiterentwicklung.“

Die Eliteuni wächst, die Stadt mit ihr, mithin muss mehr Energie her. Für 15 Millionen Euro ist die ehemalige Müllverbrennungsanlage der RWTH in der Nähe der Feuerwache Nord in eine Anlage umgebaut worden, die je zehn Megawatt elektrischer und thermischer Leistung liefert. Stawag-Vorstand Wilfried Ullrich rühmte, dass der hiesige Energieversorger mit Windkraft- und Solaranlagen schon sehr früh in erneuerbare Energien eingestiegen sei und rechnerisch 100 Prozent der Privatkunden damit versorgen könne. Doch auch die Wärmeversorgung müsse deutlich nachhaltiger werden: „Diese Anlage ist ein Meilenstein. Sie ersetzt Fernwärme aus Weisweiler, die aus Braunkohle gewonnen wird.“

3500 PS stark

Per obligatorischem Knopfdruck wurden vier mächtige Motoren in Gang gesetzt, je 3500 PS stark, mit 20 Zylindern und knapp 100 Liter Hubraum: „Von diesem Sound träumt jeder Automobilist“, flachste Geschäftsführer Frank Brösse, Geschäftsführer Stawag Energie. Ähnliches Großgerät kommt auch bei Schiffen zum Einsatz, erläuterte ein Führer beim Rundgang später: „Beim Abholen entdeckten wir, dass ein Motorblock die Aufschrift Aida hatte.“ Und ähnlich wie beim Pkw oder Lkw sind in dem ehemaligen Heizwerk auf mehreren Ebenen nun auch Katalysatoren, Schalldämpfer oder Einspritzanlagen untergebracht, alles halt ein paar gewaltige Nummern größer. Eine Trafostation und zwei Wärmetauscher stehen neben der Halle. Diese sind gar 30 Meter hoch, weithin sichtbar und fassen 340 Kubikmeter Wasser, die Schwankungen im Verbrauch ausgleichen können.

„Extrem hohe Bedeutung“

40 Millionen Kilowattstunden Wärme werden zur Hälfte in das Netz der RWTH eingespeist, für die Kanzlervertreter Thomas Trännapp betonte: „Dieses Gebäude ist für uns von extrem hoher Bedeutung.“ Die andere Hälfte beheizt Gebäude auf dem Campus Melaten und im Stadtteil Hörn. Ebenfalls erzeugt werden von den Riesenmotoren 40 Millionen Kilowattstunden Strom, die 11 500 Haushalte mit umweltfreundlicher Energie versorgen, wie die Stawag betont. Immerhin spart die neue Anlage 58 Prozent CO2 gegenüber herkömmlichen Modellen ein, bei einem Wirkungsgrad von immerhin 89 Prozent. Ein wichtiger Schritt vorwärts, wurde immer wieder betont. Allerdings ist das nicht die ganze Wahrheit, immerhin wird als Primärenergie noch Erdgas eingesetzt, traditioneller und fossiler Energieträger. Doch auch ein batteriebetriebenes Elektroauto, wie es wenige hundert Meter vom neuen Blockheizkraftwerk entfernt entwickelt wurde (E.go), hinterlässt ja ebenfalls noch einen großen ökologischen Fußabdruck, zumal wenn es mit einem Strommix aus Braunkohle und Kernkraft gespeist wird.

Dank an Planer und Bauleute

So einfach lägen die Dinge halt nicht, auf dem langen Weg zur erneuerbaren Energie müsse es auch intelligente Zwischenlösungen geben, meinte OB Philipp: „Die Dinge sind komplexer.“ Immerhin befinde man sich mit der Kraftwärme-Kopplung und dem Ausbau von Fern- und Nahwärme auf dem richtigen Weg: „Wir machen unsere Hausaufgaben und werden effizienter und unabhängiger.“ Dank ging auch an die Bauleute, Planer und Techniker, die das komplexe Bauvorhaben in nur 12 Monaten verwirklicht haben, bei widrigsten Witterungsbedingungen von minus 12 bis plus 40 Grad.

Die Stawag betreibt in Aachen acht kleinere Blockheizkraftwerke. Angekündigt wurde, noch eine weitere 20 Megawatt-Anlage zu errichten. Geschäftsführer Frank Brösse: „Die Planungen haben begonnen, um künftig noch mehr Wärme klimafreundlich vor Ort zu erzeugen.“

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