Aachen: Sicherheitskonzepte so dick wie ein Telefonbuch

Aachen: Sicherheitskonzepte so dick wie ein Telefonbuch

Beim Unglück während der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 wurden 21 Besucher getötet und 541 weitere verletzt. Seit diesem Tag sind die Sicherheitsanforderungen für Großveranstaltungen verschärft worden, für die detaillierte Sicherheitskonzepte erarbeitet werden müssen. Das für den Rosenmontagszug zum Beispiel hat mit 150 Seiten fast die Dicke eines Krimis.

Darin steht detailliert, wie viele Ordner eingesetzt werden müssen, wo diese zu stehen haben, welche Fluchtwege es gibt, wie eine Evakuierung erfolgen kann. Organisator Günther Hintzen: „Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt oder Stadtbetrieb, ist hervorragend.“

Fluchtwege müssen gut sichtbar ausgeschildert sein, hier an der Pontstraße. Foto: Harald Krömer

Auch für den Weihnachtsmarkt und das September Special „kommen immer wieder Telefonbücher“, berichtet Wilhelm Schillings, Vorsitzender des Märkte- und Aktionskreises City (MAC). Sie würden von Firmen erarbeitet und sehen ganze Kataloge von Maßnahmen vor, wie in genau benannten Katastrophenszenarien reagiert werden muss. „Beispielsweise der Dom brennt oder das Riesenrad fällt um.“ Eine große Anzahl von Ordnern und Sicherheitskräften müssten in der Regel eingesetzt werden: „Das macht die Sache nicht einfacher und vor allem nicht preiswerter. Man muss als Veranstalter ja den finanziellen Aufwand rechtfertigen können.“

Mitunter habe er den Eindruck, dass Vorgaben überzogen seien: „Zwischen dem Anspruch in NRW und einem vernünftigen Maß klafft ein relativ großer Unterschied. Wir haben in Aachen keinen Tunnel.“ Dennoch sieht Schillings Aachen auf einem guten Weg, weil die Stadt „ihre Struktur grundsätzlich ändert“. Ab sofort ist nämlich der Fachbereich Sicherheit und Ordnung als „Zentraler Ansprechpartner“ zuständig für alle größeren Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet, für die nach der neuen Erlasslage der Landesregierung Sicherheitskonzepte zu erstellen sind.

Schillings: „Mit dieser Neuerung verbunden wir alle die große Hoffnung, dass es in Zukunft erheblich gradliniger laufen wird.“ Bislang habe man nämlich mit vielen Stellen Absprachen treffen müssen: „Manches Konzept musste man deshalb drei oder vier Mal umschreiben. Das Problem hatten wir in den letzten Jahren.“ Das Ordnungsamt wird damit auch die zentrale Schaltstelle für alle anderen Beteiligten, etwa Polizei und Rettungsdienste und zuständig für die Genehmigungen aller Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen im Stadtgebiet — mit Ausnahme der Stadtbezirke.

Neun Veranstaltungen zählt Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke auf, für die turnusgemäß in Aachen Sicherheitskonzepte erstellt werden müssen, von den Spielen auf dem Tivoli, dem CHIO, dem Bend bis hin zum Weihnachtsmarkt. Die Zahl der Veranstaltungen im öffentlichen Raum gehe in die Hunderte. Der Weihnachtsmarkt habe gezeigt, dass die Zusammenarbeit funktioniere. Als sich herausstellte, dass sich im unteren Bereich der Krämerstraße ein Engpass bildete, habe man die Buden zweimal zurückgesetzt: „Im Zweifel geht Sicherheit für Gewinnmaximierung“, sagt Fröhlke.

„Die Sorgen in der Krämerstraße waren nicht unberechtigt“, sagt auch Polizeisprecher Paul Kemen. „Im nächsten Jahr wird die Ecke sicher anders aussehen.“ Im Großen und Ganzen laufe die Zusammenarbeit mit den Sicherheitspartnern in Aachen aber gut: „Wichtig ist, dass man zu einem von allen Seiten akzeptierten Ergebnis im Sinne der Sicherheit kommt. Das ist bisher immer so gewesen.“ Auch wenn ab und zu etwas intensivere Gespräche geführt werden müssten.

Ordnungsamtschef Fröhlke blickt optimistisch in die Zukunft: „Die Zentralisierung wird nicht nur Synergieeffekte erzeugen, sondern auch die Kommunikation zwischen Veranstaltern und Verwaltung erleichtern.“ Der gesamte Entscheidungsprozess müsse überdies dokumentiert werden, um Verantwortlichkeiten festzuhalten. Ansprechpartner in den entsprechenden Genehmigungsverfahren ist Josef Wery, Telefon: 0241/432-3225.