Aachen: Seniorensportprojekt „Fit für 100“: Auch im hohen Alter trainieren

Aachen : Seniorensportprojekt „Fit für 100“: Auch im hohen Alter trainieren

Einmal in der Woche schnallen sie sich Manschetten mit Bleigewichten an die Beine und greifen beherzt zu den Hanteln. Und dann tun die Seniorinnen und Senioren, einige weit über 80, ordentlich was für ihre Gesundheit. Das Seniorensportprojekt „Fit für 100“ gibt es in mehreren Senioreneinrichtungen in Aachen.

Die Arbeiterwohlfahrt bietet das Muskelaufbautraining in ihren Begegnungszentren Ost und Preuswald sowie in den Begegnungsstätten in Haaren und Eilendorf an. Das muntere Turntrüppchen aus dem Begegnungszentrum Ost, Schleswigstraße, hat jetzt Plätze in seiner Gruppe frei und freut sich über interessierte Menschen ab 70, die mitmachen möchten.

Hanteln spielen eine große Rolle: von links Anneliese Eisen (79), Marlies Klinkenberg (77) und Betty Thönnessen (88) bei ihrem wöchentlichen Training. Rechts Koordinatorin Marianne Kuckelkorn. Foto: Harald Krömer

Anneliese Eisen (79) kann das wöchentliche Training unter Leitung einer speziell ausgebildeten Übungsleiterin nur empfehlen: „Mir gefällt das von Anfang bis Ende“, sagt sie, „und am Schluss weiß man, was man getan hat.“ Insgesamt fühle sie sich fitter durch den regelmäßigen Sport. Betty Thönnessen ist mittlerweile 88 und hat sich durch das Aufbautraining aus einen seelischen und körperlichen Tief herausgearbeitet, wie sie erzählt. „Mein Arzt fragt immer, ob ich noch turne“, erzählt sie. „Und dann sagt er immer: Weitermachen!“

Mehr als 170 Kurse

„Fit für 100“ ist ein Seniorensportprojekt zur Förderung der Mobilität. Das Konzept wurde von Sportwissenschaftlern der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelt und 2005 eingeführt. Nach Angaben Antje Baron, Geschäftsführerin des Deutschen Instituts für angewandte Sportgerontologie (Difas), gibt es deutschlandweit mittlerweile mehr als 170 Kursangebote und über 300 ausgebildete Trainerinnen und Trainer.

„Das Programm ist für die sportliche Prävention entwickelt worden, speziell auch für Menschen in sehr hohem Alter“, sagt Gaby Lang, Koordinatorin des Seniorenstützpunkts im Preuswald. „Gedächtnis und Muskeln sind bis ins hohe Alter trainierbar.“ Die AWO hat für ihre Angebote an den Programmtitel noch ein „plus“ drangehängt und nennt sie „Fit für 100+“. Denn schließlich sei in Sachen Fitness für manche Senioren auch mit 100 noch nicht Schluss.

Kondition und Koordination

Die älteste Teilnehmerin im Begegnungszentrum Ost ist 92 Jahre alt. „Sie macht regelmäßig mit“, berichtet Koordinatorin Marianne Kuckelkorn. Und wenn Waltraud Hartong, Vorsitzende im AWO-Ortsverein Ost, ihre Mutter zu Besuch hat, hat geht diese gerne mit zur Fitness-Stunde. 96 ist sie gerade geworden.

Bewegungsangebote sind nicht von ungefähr ein zentraler Baustein im Angebot von Altenheimen und Seniorentreffs. Wer seine Muskeln aufbaut, wer Koordination und Balance, Standfestigkeit und Kondition trainiert, der tut viel dafür, lange gesund zu bleiben. „Wer regelmäßig trainiert, ist weniger sturzgefährdet und kommt auch nach Krankheit oder Unfall schneller auf die Beine“, sagt Kuckelkorn. Ärzte in Reha-Einrichtungen bestätigten das regelmäßig. Wer fit ist, fühlt sich besser und kann im Alter länger selbstbestimmt leben.

Grundsätzlich sollten Senioren allerdings stets mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie mit dem Sport anfangen.

In der Gruppe, in den vertrauten Räumen der Begegnungsstätten, kann man sich leicht ein Herz fassen und einfach mitmachen. Konkurrenz gibt es nicht und Leistungsdruck schon gar nicht. Sport in der Gruppe ist gesellig, so entstehen neue Kontakte. Auch das ist im Alter ja nicht selbstverständlich.

Und wer die Übungen mit bleibeschwerten Manschetten an den Beinen einmal mitgemacht hat, merkt schnell, dass das durchaus ernstzunehmendes Krafttraining ist. „Nach der ersten Stunde nach den Ferien habe ich immer Muskelkater“, gesteht Anneliese Eisen.

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