Aachen: Selbständig fahrende Autos: Neues Entwicklungs-Großprojekt startet in Aachen

Aachen: Selbständig fahrende Autos: Neues Entwicklungs-Großprojekt startet in Aachen

Autonome Fahrzeuge werden wesentlicher Baustein der Mobilität der Zukunft sein. Von der Marktreife sind sie aber noch weit entfernt, obwohl viele Unternehmen intensiv daran forschen. Die Google-Schwesterfirma Waymo zum Beispiel, aber auch der Fahrdienstvermittler Uber und deutsche Autokonzerne. Nun kommt ein neuer Impuls - auch aus Aachen.

Ein Konsortium aus sieben deutschen Hochschulen und verschiedenen Industriepartnern wird in den kommenden vier Jahren bei der Entwicklung von autonom fahrenden Elektroautos zusammenarbeiten.

Unicaragil lautet der Name des Projekts, das mit 23,3 Millionen Euro ausgestattet wird. 94 Prozent davon stellt das Bundesministerium für Forschung und Bildung zur Verfügung. Leiter des Projektkonsortiums ist Prof. Lutz Eckstein, Direktor des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen, wo am Donnerstag der Startschuss fiel.

Am Ende von Unicaragil sollen vier Prototypen gebaut werden: ein Familienfahrzeug, ein Taxi, ein Lieferfahrzeug und ein Shuttle. Ziel ist es, das Fahrzeug und seine Entwicklungsprozesse ganz neu zu denken. „Wir wollen Grundlagen schaffen, die für alle gleichermaßen verwendbar sind. So können wir einen neuen Standard vorbereiten, wie man solche automatisierten Fahrzeuge gestalten kann“, sagte Eckstein. Ob ein Autohersteller diese Vorlage dann auch nutzt, muss sich zeigen.

Mit dem Projekt soll nicht zuletzt die Innovationskraft am Standort Deutschland auf dem Themenfeld des autonomen Fahrens gestärkt werden. Und es soll ein Beispiel werden für erfolgreiche interdisziplinäre Forschung, Entwicklung und Lehre an verschiedenen Wissenschaftsstandorten. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (Düren) sprach deshalb am Donnerstag in Aachen von einem „in Deutschland einzigartigen Leuchtturmprojekt“.

Herzstück des Systems ist ein Rechner, der mit Sensoren des eigenen Fahrzeugs, Sensoren im Straßenraum und mit anderen Fahrzeugen vernetzt ist. „Das Fahrzeug muss ohne menschliche Hilfe aus kritischen Situationen immer in einen sicheren Zustand übergehen können“, sagte Eckstein. Bei dem Projekt werde kein bestehender Autotyp weiterentwickelt, sondern ein völlig neuartiges Auto mit einzelnen Modulen gebaut. Diese Module könnten immer wieder auf den neuesten Stand der Sicherheit gebracht werden, wie ein Update auf einem Computer — ein völlig neuer Ansatz.

Unsere Zeitung wird das Projekt Unicaragil noch einmal detailliert und ausführlich vorstellen. Dann sollen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, Gelegenheit erhalten, Wünsche und Anregungen zum autonomen Fahren zu formulieren, die in das Projekt einfließen sollen.

(hdj/dpa)