Aachen: Seit 80 Jahren ist Hubert Hintzen ein Fußballfan

Aachen : Seit 80 Jahren ist Hubert Hintzen ein Fußballfan

Als Hubert Hintzen Mitglied des VfR Forst wurde, war er ein Knirps von zehn Jahren. Der Junge aus Forst wollte unbedingt Fußball spielen, ihn drängte es, auf dem Fußballplatz Schlackenberg mit weiteren zehn Freunden zu kicken.

Den „Schlackenberg“ gibt es längst nicht mehr, heute stehen an seiner Stelle schmucke Häuser am Schwalbenweg. Auf dem Schlackenberg wurde vor 80 Jahren gegen das runde Leder getreten. So lange ist es her, dass Hintzen Mitglied des aufstrebenden Vereins wurde und als Linksaußen seien Mann stand.

„Bei der Alemannia hat mir voriges Jahr einer ganz stolz erzählt, dass der TSV nun ein Mitglied hat, das 70 Jahre beim Klub ist“, erzählt VfR-Vorsitzender Ralf Villemont. Dem habe ich gesagt, dass wir das besser können“, erinnert sich Villemont, der vor neun Jahren als Brander Bürgerprinz Furore machte. „Wir haben ein Mitglied, das nächstes Jahr 80 Jahre bei uns ist.“

Am Donnerstag nun, im gemütlichen Wohnzimmer der Hintzens in der Engelbertstraße, erschien eine kleine Abordnung des VfR-Vorstands, um dem treuesten Mitglied die Reverenz zu erweisen.

„Ich behaupte, das gibt es nicht noch einmal in Aachen, dass einer 80 Jahre seinem Sportverein die Treue hält“, schwärmt Villemont, um gleich darauf dem sichtlich gerührten Hubert Hintzen eine goldene Nadel für „besondere Verdienste“ nebst dazu gehörender Urkunde zu kredenzen. Ganz besonders aber freute sich der 90-jährige Jubilar, als ihm Spielführer Torsten Lenzen von der aktuellen 1. Mannschaft ein Teamfoto schenkte.

„Neä, es dat schönn“, kommentiert Hintzen. Und erinnert sich an die Zeiten vor rund 45 Jahren, als er der Trainer der Juniorenteams von der D- bis zur A-Jugend war. Und wie er es im Jahr 1968 geschafft hat, mit seiner B-Jugend gegen den 1. FC Köln Mittelrheinmeister zu werden. „Das waren noch Zeiten“, begeistert sich Ex-Kicker Helmut (Müdi) Lenzen, zurzeit Vizechef des Rasensportklubs, in nostalgischer Schwärmerei: „Immerhin haben mit Nobby Lenzen und Fredi Schumacher zwei Kicker aus der Mannschaft es geschafft, Profis zu werden.“

Und während Magda Hintzen, mit der der Jubilar seit mehr als 60 Jahren verheiratet ist, zusammen mit Tochter Hanni Roderburg die Gäste unentwegt auffordert, endlich bei den Schnittchen zuzugreifen, erinnert sich Hubert Hintzen an ein sehr einschneidendes Ereignis in seinem Leben. Er ist ein Überlebender der Schlacht im Kessel von Stalingrad im zweiten Weltkrieg. „Da wurden wir verheizt“, weiß er. Nach dem Zusammenbruch und der bedingungslosen Kapitulation der 6. Armee und der anderen Heeresverbände wanderte er gemeinsam mit Tausenden von Kameraden in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Das war er noch nicht einmal 20 Jahre alt. Sieben Jahre verbrachte er unter schwierigsten Bedingungen in Sibirien. Diese sieben Jahre in Gefangenschaft haben Hintzen eines gelehrt: „Nie aufgeben!“

Nach Aachen zurückgekehrt, lernte er seine Magda kennen und lieben. Beide heirateten 1952. Im November, kam Söhnchen Günter auf die Welt, einige Jahre später Tochter Hanni.

Günter begleitete seinen Vater stets gerne zum Fußballplatz, bis er eine karnevalistische Karriere als Vorsitzender der Öcher Duemjroefe und als Chef des Aachener Rosenmontagszugs bevorzugte. Zwei Enkel komplettieren den Nachwuchs von Magda und Hubert Hintzen: An­dreas Roderburg und Tanja Hintzen.

Immer gerne gefeiert

„Ich habe mein Leben lang gerne gefeiert“, bekennt Hubert Hintzen. Er ist immer noch hin- und hergerissen, wenn er gemeinsam mit Ehefrau Magda vom Fest der Diamantenen Hochzeit im pickepackevollen Saalbau Rothe Erde letztes Jahr erzählt. Ralf Villemont sang damals ein Ständchen. „Bei Peter Kappertz ist unser zweites Zuhause“, begeistert sich Magda Hintzen und begründet: „Der Peter lässt einen so lange feiern, wie man will.“

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