Seelsorge per Chat: Katholischen Hochschule Aachen geht neue Wege

Internet-Seelsorge wird beliebter : Wichtiger Beistand auch per Chat

Die digitalen Welten ernst nehmen und auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren: Das ist der gemeinsame Ansatz der Telefon-Seelsorge Aachen-Eifel und der Katholischen Hochschule an der Robert-Schuman-Straße.

An der Hochschule wurden jetzt erstmals in einem speziellen Seminar Studentinnen auf die Beratung per Chat vorbereitet. Denn laut Pfarrer Frank Ertel, Leiter der Telefon-Seelsorge Aachen-Eifel, wenden sich gerade junge Menschen kaum noch telefonisch an die Beratung.

Die niedrigschwellige Onlineberatung wird dagegen immer beliebter. Um diesem Trend gerecht zu werden, hat die Katho jetzt erstmals ein Seminar angeboten, um Studentinnen und Studenten auf diese neue Aufgabe vorzubereiten.

In einer Kombination aus Theorie und Praxis machten sich die jungen Leute zunächst mit den verschiedenen Beratungskonzepten im Chat vertraut. Die Probleme, mit denen sie dort konfrontiert wurden, sind ernst und reichen von Suizidgedanken über Familienprobleme bis hin zu Fragen zur Sexualität. Ältere Menschen haben demnach häufig mit zunehmender Vereinsamung zu kämpfen. Immer mehr Ratsuchende ziehen es offensichtlich vor, im Chat über ihre Probleme zu sprechen, und eben nicht am Telefon.

Wohlgemeinte Ratschläge sind in den Gesprächen verpönt, so Prof. Petra Ganß, Prodekanin Katho NRW. Viel wichtiger sei es, zuzuhören und Verständnis zu zeigen. Die Ratsuchenden sollen das Gefühl bekommen, mit ihren Problemen und Sorgen ernst genommen zu werden. 45 Minuten dauert ein solcher Chat im Schnitt, „und hinter jeder kurzen Anmerkung verbirgt sich dabei eine Geschichte“, erzählen die Beraterinnen. Bei ihren ersten Chats bekamen sie fachkundige Unterstützung.

Andreas Pils, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter der Telefon-Seelsorge, schaute ihnen über die Schulter und konnte entsprechend einspringen, wenn es einmal brenzlig wurde.

Seelsorge wirkt nach

Themen wie Missbrauch, Depressionen, Stress in der Familie oder eben auch Selbstmordgedanken, mit denen die Studentinnen konfrontiert wurden, wirkten dabei durchaus nach. „Sich anschließend ins Auto zu setzten und nach Hause zu fahren, ist so etwas wie ein Break, der hilft, nicht ständig an das Gehörte zu denken“, erzählt beispielsweise Amelie Bonnie. Alle acht Teilnehmer an dem innovativen Seminar, sieben Frauen und ein Mann, wollen weitermachen und stehen entsprechend in Zukunft als zertifizierte Berater für die Telefon-Seelsorge zur Verfügung.

Ganz offensichtlich profitieren beide Seiten von dieser Kooperation: Die Telefon-Seelsorge bekommt qualifizierte Berater, und die Katho kann ihren Studentinnen ein Betätigungsfeld in der Praxis anbieten. „Im Grunde müsste dieses Seminar für alle unsere Studierenden verbindlich sein“, meint Prof. Ganß. Denn es sei eine wertvolle Bereicherung für ihre berufliche Zukunft, ist sie überzeugt.

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