Aachen: Schwertbad: Wenige Mitarbeiter akzeptieren Kürzung

Aachen : Schwertbad: Wenige Mitarbeiter akzeptieren Kürzung

„Ich kann doch auch nicht sagen, ich säge die Ampel ab, weil sie Rot zeigt“, empört sich Verdi-Mann Harald Meyer in der Burtscheider Fußgängerzone.

Der Betriebsrat des Schwertbades hatte zur Aktiven Mittagspause aufgerufen, einige Dutzend Mitarbeitern folgten der Einladung von fünf vor zwölf bis 13 Uhr. Lautstark machten sie ihrem Unmut Luft, den Kurgästen und Anwohnern ist das Thema inzwischen vertraut. Konkret geht es um die Aufforderung an mehr als 100 Mitarbeiter der ehemaligen Rheumaklinik, neue Arbeitsverträge mit etwa 20 Prozent geringeren Gehältern zu akzeptieren. Gewerkschafter Meyer: „Juristisch ist das nicht haltbar.“

So sehen das wohl auch die Mitarbeiter, die die Änderungsverträge mit dem happigen Lohnminus bis 30. April unterschreiben sollten. Betriebsratsvorsitzender Frank Stehr am Nachmittag: „Es hat sich so gut wie niemand bereiterklärt. Das bestätigt unsere Prognose.“

Es bleibe abzuwarten, wie die Marienhaus-Holding als Träger nun reagiere. „Wir hoffen, dass das Tor noch nicht zugeschlagen ist und der Arbeitgeber wieder in Gespräche eintritt.“ Vertreter dieses größten katholischen Sozialkonzerns hatten mehrfach betont, dass die niedrigeren Bezüge eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellten und andernfalls mit der Schließung des Schwertbades gedroht. Heribert Frieling, Leiter der Unternehmenskommunikation, kündigte auf Anfrage an, dass die Gespräche fortgeführt werden: „Wir ziehen jetzt nicht den Stecker raus.“ Auch die Neubauplanungen und Gespräche über die Finanzierung des 35-Millionen-Projektes liefen weiter.

Betriebsratsvorstizender Stehr sieht in dem gesamten Thema eine brisante politische Problematik: „Wenn die Reha eine größere Lobby hätte, müsste man nicht die Arbeitnehmer in Niedriglöhne drängen.“ Doch die Budgets seien gedeckelt und die Krankenkassen drückten die Vergütungen: „Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen unter großem Druck.“

In der Pflicht

Gewerkschafter Meyer sieht deshalb die örtlichen Verantwortlichen in der Pflicht. Er will nun den Oberbürgermeister, alle Fraktionen, die Bischöfe von Aachen und Trier und den Stiftungsvorstand der Marienhaus-Stiftung ansprechen: „Ich fordere alle Beteiligten in der Region auf, auf den Marienhaus-Konzern einzuwirken. Sonst wird Burtscheid zur Wohnstadt.“

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