Aachen: Schwertbad-Pilger mit großem Applaus begrüßt

Aachen : Schwertbad-Pilger mit großem Applaus begrüßt

Man werde sich zeitnah erklären, sagt die Marienhaus-Stiftung, die Trägerin des Burtscheider Schwertbades, stakkatoartig. Das sagte sie schon vor einem Monat, das sagt sie auch heute noch, obwohl eine Entscheidung über die Zukunft des ältesten deutschen Bades längst getroffen sein sollte.

Neue Wege werde man beschreiten, habe Dr. Günter Merschbächer, Geschäftsführer der Franziskus Kliniken gGmbH, der Mitarbeitervertretung mitgeteilt, sagt Betriebsrat Karl-Heinz Röhrich. Man werde, man ahnt es schon, zeitnah informieren. Wahrscheinlich in dieser Woche.

Kein Wunder, dass die Nerven der 270 Mitarbeiter, die seit einem Jahr um ihren Arbeitsplatz bangen, jetzt bis zum Zerreißen gespannt sind. Röhrich: „Jeder wartet auf die Entscheidung. Das lange Warten zermürbt.“ Dennoch sei der Krankenstand seit Jahresbeginn eher gesunken.

Hauptknackpunkt für den weiteren Betrieb ist der unerwartet große Widerstand eines großen Teils der Mitarbeiter der ehemaligen Rheumaklinik, die auf einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Vergütungen verzichten sollen. Nur etwa ein Drittel hat bis zum 5. Juni einen entsprechenden neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Für diesen Fall hatte die Marienhaus-Holding mit der Schließung der Reha-Klinik gedroht. Die Zahl der Unterschriften dagegen ist auf inzwischen auf 4000 angestiegen.

Montag setzten die Mitarbeiter, die seit dem 10. Juni mittags eine Mahnwache auf dem Burtscheider Markt abhalten, auf das Prinzip Hoffnung: Der Betriebsrat und das Netzwerk Kirche und Betrieb luden im Rahmen der Heiligtumsfahrt zum Pilgerweg vom Schwertbad in Burtscheid zum Katschhof ein. Theresa Küppers, Seelsorgerin in den Burtscheider Kurkliniken, erläuterte, dass man auf historischen Pfaden (über die Dammstraße) gehe. Der Kalte Bach fließt unterirdisch am Berg entlang, der Warme Bach wird durch das Thermalwasser erhitzt.

Bei der Heiligtumsfahrt ginge es auch um Solidarität mit Arbeitslosen. Küppers: „Das Schwertbad muss bleiben. Wir lassen andere nicht allein, aber wir werden auch nicht alleingelassen.“ An mehreren Stationen wurden Bitten vorgelesen, die an einem Pilgerstab befestigt waren. Vor dem Schwertbad erfüllte Wolfgang Vennebörger diese Aufgabe: „Wir Bürger von Burtscheid wünschen uns den Erhalt der warmen Quellen und des Schwertbades mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

Unterstützt wurde das Anliegen der mehr als 50 Pilger, die grüne Kleidungsstücke als Zeichen der Hoffnung trugen, durch die Gewerkschaft Verdi. Sekretär Harald Meyer verteilte (grüne) Flugblätter, in denen massive Kritik am größten katholischen Arbeitgeber Deutschlands, der Marienhaus-Stiftung, geübt wurde: „Man darf sich grundsätzlich fragen, ob dieser katholische Träger nicht die Berechtigung, das Kreuz als Symbol der katholischen Christen in seinem Namen zu tragen, verloren hat.“ Der Gewerkschafter fordert auch den Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff dazu auf, sich als moralische Instanz zu dem drohenden Arbeitsplatzverlust zu äußern. Bislang hatte sich das Bistum auf den Codex des Kanonischen Rechts zurückgezogen, in dem eine angemessene Vergütung gefordert wird, mit der die Beschäftigten in geziemender Weise für ihre Familien sorgen können. Ein Mitarbeiter des Schwertbads: „Ich kann mir denken, dass es dem Bischof jetzt zu kritisch ist. Bei Bombardier war es einfacher.“

Über Hauptbahnhof und Elisenbrunnen zog die grüne Gruppe in die Innenstadt, wo sie kurz vor der Pilgermesse auf dem Katschhof von Moderator Gerhard Dünnwald ausdrücklich begrüßt und mit viel Beifall bedacht wurden. Transparente und Flaggen mussten vorher eingerollt werden. Betriebsratsvorsitzender Frank Stehr: „Transparente dürfen grundsätzlich nicht während des Gottesdienstes gezeigt werden. Das haben wir so vereinbart.“

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