Aachen: Schulen kooperieren: Erst Mathe, dann Gitarre

Aachen: Schulen kooperieren: Erst Mathe, dann Gitarre

„Dass ich Gitarre spiele, ist nur möglich, weil ich es in der Schule lernen kann“, sagt Alice. Die 16-Jährige spielt seit einem Jahr. „In meiner Freizeit hätte ich nicht zum Unterricht gehen können“, sagt die Schülerin, die vom „Drehtürenmodell“ der Heinrich-Heine-Gesamtschule und der städtischen Musikschule Aachen profitiert.

Dabei wird der Instrumentalunterricht während der regulären Schulzeit angeboten. „Die Eltern zahlen den gleichen Beitrag wie für unseren Nachmittags- oder Abendunterricht“, erläutert Harald Nickoll, Leiter der Musikschule. Die Lehrer der Musikschule kommen für das Drehtürenmodell am Vormittag in die Kooperationsschule.

Alice verlässt dann für eine halbe Stunde ihren regulären Unterricht, um zum Musikunterricht zu wechseln. „Jede Woche hat sie allerdings zu einer anderen Uhrzeit Gitarrenunterricht“, erzählt Kerstin Schreiber, Leiterin des Fachbereichs Bildungskooperationen der Musikschule.

Hat Alice um 10 Uhr Gitarrenunterricht, verlässt sie den Mathematikunterricht und muss die verpassten Inhalte selbstständig nachholen. „Das ist bei einer halben Stunden durchaus überschaubar“, sagt Schulleiter Heinrich Parting.

Damit Alice nicht jede Woche eine halbe Stunde Mathe versäumt, hat sie in der nächsten Woche ihren Gitarrenunterricht um 10.30 Uhr. Dann steht auf ihrem Stundenplan eigentlich Englisch. In der dritten Woche verschiebt sich der Musikunterricht wieder um eine halbe Stunde, weshalb Alice dann weniger Pause hat und ein bisschen Chemieunterricht verpasst.

„Voraussetzung für die Teilnahme am Drehtürenmodell können mindestens durchschnittliche schulische Leistungen der Schüler sein“, erzählt Harald Nickoll. Allerdings bestehe auch die Möglichkeit, das Drehtürenmodell als Anreiz für schwächere Schüler zu schaffen, um schulische Leistungen zu steigern und den Schüler zu stärken.

Seit einem Jahr läuft das Modell an der Laurensberger Gesamtschule, mittlerweile gibt es 31 Anmeldungen. Neben Gitarre wird Klavier unterrichtet und nun auch Saxophon.

„Wir wünschen uns mehr Schulen, die mit uns kooperieren“, erklärt Harald Nickoll, „denn mit der Ganztagsschule und der Schulzeitverkürzung haben die Schüler viel weniger Freiraum für ihre Freizeitaktivitäten.“ Weil Schule einen immer größeren Raum einnehme und kaum Zeit für individuelle Hobbys bleibe, könnte auch die Musikschule darunter leiden. „Wird aber die Musikschule Teil des Unterrichts, können Talente und Begabungen stressfreier gefördert und gefordert werden“, urteilt Harald Nickoll.

Alice jedenfalls freut sich wie alle anderen Schüler, die am Drehtürenmodell teilnehmen, jede Woche auf den Gitarrenunterricht. Sie übt fleißig und will dieses zusätzliche Angebot nicht mehr missen.

Mehr von Aachener Nachrichten