Aachen: „Schulen gehen gut versorgt ins neue Schuljahr”

Aachen: „Schulen gehen gut versorgt ins neue Schuljahr”

Die Sommerferien gehen gerade erst in den Endspurt. Bei Schulrätin Ulla Roder aber ist die Stellenplanung fürs neue Schuljahr längst auf der Zielgeraden. Roder ist Schulaufsichtsbeamtin für die 38 städtischen Grundschulen in Aachen. Sie ist dafür verantwortlich, dass 7500 Grundschulkinder zum Schulstart am 7. September mit Lehrkräften versorgt sind.

Wie es aussieht, dürfte das klappen. „Alle Grundschulen gehen gut versorgt ins neue Schuljahr”, sagt Ulla Roder.

„Gut versorgt” heißt: Die Schulen können zumindest mit einem kleinen Stundenüberhang arbeiten. „So bricht nicht bei jeder kleinen Erkrankung das System zusammen. Roder gesteht: „Wir gehen das Thema jedes Jahr mit Bangen an. Dieses Jahr läuft es besser als befürchtet.”

Die meisten Neuen, insgesamt 25, kommen durch Versetzungen aus anderen Bezirken oder gar anderen Bundesländern an die Schulen. Und nur einige wenige haben die Stelle in Aachen abgesagt. „Nun ist die Frist abgelaufen, weitere Absagen sind nicht zu erwarten”, stellt Roder zufrieden fest.

„Enttäuschend” fand sie indes, dass nach Maßgabe von Schulministerium und Bezirksregierung für alle Grundschulen in der Städteregion Aachen diesmal nur eine einzige Lehrerstelle schulscharf ausgeschrieben werden durfte. Diese Stelle wurde einer Grundschule in Stolberg zugesprochen.

Wenigsten aber durften die Aachener vier Stellen für ihre Vertretungsreserve ausschreiben. „Auch diese Stellen konnten wir problemlos besetzen.” Damit wächst der Vertreungspool für die Grundschulen in der Städteregion auf 25 Lehrer an. Zum Einsatz kommen diese Springer, wenn eine Schule den Unterrichtsausfall selbst nicht mehr ausgleichen kann. Insgesamt stehen fürs neue Schuljahr rund 530 Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung. Darunter sind auch 41 Vertretungskräfte mit befristeten Verträgen. Sie springen ein bei Mutterschutz, Elternzeit und für längerfristig Erkrankte.

Gesteuert wird die Lehrerversorgung an den Aachener Grundschulen wie überall im Land nach einem Richtwert, der sich am Schüler-Lehrer-Verhältnis orientiert: Rein rechnerisch gibt es für 23,42 Kinder eine volle Lehrerstelle. Nach diesen Zahlen sind die Aachener Grundschulen, insgesamt gesehen, sogar leicht überbesetzt, weiß Roder. Eingerechnet werden aber auch Kolleginnen, die für den Unterricht nicht zur Verfügung stehen, etwa weil sie krank sind. „Tatsächlich sind wir also keineswegs mit über 100 Prozent besetzt”, betont die Schulrätin.

Kopfzerbrechen bereiten ihr auch die vielen kleinen Klassen an den Aachener Grundschulen. Im kommenden Schuljahr haben 27 Klassen weniger als 20 Kinder, vier davon im ersten Schuljahr.

Für die Schüler sind solche kleinen Klassen natürlich toll. Aber jede Klasse, die weniger Schüler hat als die Richtzahl von 24, bedeutet für die Lehrerverteilung ein Problem. Die Gesamtzahl der Lehrer müsse dann auf mehr Klassen verteilt werden, erläutert Roder. „Das dünnt die Lehrerdecke insgesamt aus. Ohne die kleinen Klassen hätten alle Schulen ein größeres Polster an Stunden zur Verfügung. Und das würde mehr Förderung für die Kinder bedeuten.”

Manchmal werden aus kleinen Klassen sogar ganz winzige Klassen, etwa wenn Familien wegziehen oder ein Kind nicht versetzt wird. An der Grundschule am Lousberg, berichtet Roder, gibt es zum Beispiel zwei Klassen mit weniger als 18 Kindern.

Deutlichen Schwund registriert die Schulrätin auch an der Grundschule am Kronenberg, die auslaufend schließt. Im neuen vierten Schuljahr werden noch 19 Kinder lernen, in den Klassen 2 und 3 nur noch je 14 Kinder. Einige Eltern, so Roder, hätten es vorgezogen, ihre Kinder schon jetzt an anderen Grundschulen anzumelden.

Häufig weist Ulla Roder darauf hin, dass Klassenstärken von etwa 24 Kindern dazu beitragen, die Lehrerressourcen für alle Grundschulen gerechter zu verteilen. „Und es hat sich etwas bewegt”, ist sie überzeugt. „Insgesamt ist die Schüler-Lehrer-Relation ausgewogener geworden.” Das sei auch ein Verdienst der Schulleiter, die bei Beratung der Eltern auf Kapazitäten an anderen Grundschulen verweisen. Ein Schülerschwund an den Grundschulen ist - bisher - nicht in Sicht. Entgegen dem Landestrend hat Aachen weiterhin stabile Anmeldezahlen. „Es gibt hier keinen Rückgang bei den Schülerzahlen”, betont Roder.

Wunsch: Schulsozialarbeiter für die Grundschulen

Ein ganz großes Thema wird auch an den Aachener Grundschulen die Inklusion sein. Seit März 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention geltendes Recht in Deutschland. Gefordert ist die vollständige Einbeziehung behinderter Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft - auch in der Bildung. Jedes Kind mit Behinderung hat das Recht auf den Besuch einer Regelschule.

Schulträger und Schulaufsicht warten nun auf die Rahmenvorgaben des Schulministeriums. Das Gutachten der Bildungswissenschaftler Klaus Klemm und Ulf Preuss-Lausitz liegt mittlerweile vor. „Die beiden empfehlen ein dickes Paket an Maßnahmen, unter anderem kleinere Klassen”, berichtet Ulla Roder. „Nun bleibt abzuwarten, wie die Landesregierung damit umgeht.” Den Schulen habe man bessere Rahmenbedingungen in Aussicht gestellt. „Wir sind alle sehr gespannt.”

Ihr persönlicher Wunsch für die Grundschulen ist eindeutig: Klassengrößen mit maximal 24 Kindern und endlich auch Schulsozialarbeiter für die Grundschulen.