Schule in Aachen soll nach Peter Härtling benannt werden

Städtische Förderschule Elsassstraße soll Peter-Härtling-Schule heißen : Der Mann, der Kindern Mut macht

Ein neuer Name für eine alteingesessene Schule, das kommt eher selten vor. Die Städtische Förderschule Elsassstraße heißt demnächst Peter-Härtling-Schule – nach dem 2017 gestorbenen Schriftsteller und Kinderbuchautor Peter Härtling.

Die Schulkonferenz hat die Namensänderung beschlossen. Das letzte Wort hat allerdings am kommenden Donnerstag der städtische Schulausschuss. Denn die Benennung von Straßen, Schulen oder Sportplätzen ist eine politische Entscheidung.

Stimmt der Ausschuss zu, dann heißt die Schule ganz offiziell und ausführlich „Peter Härtling-Schule Aachen – Städtische Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Primarstufe)“. Mit der Änderung der amtlichen Schulbezeichnung geht für die Schule ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Denn eigentlich wollte sie sich schon vor mehr als 20 Jahren nach Peter Härtling benennen. Dass die Sache erst jetzt offiziell wird, hat mit den Richtlinien der Stadt Aachen zu tun.

Mitte der 1990er Jahre hieß die Förderschule noch Schule für Erziehungshilfe und war am Kirchberg in Walheim zu Hause. Der heutige Schulleiter Thomas Weinen unterrichtete damals schon dort und erinnert sich noch gut an die erste Initiative. „Vor allem die Eltern wünschten sich einen persönlicheren Namen für die Schule ihrer Kinder“, sagt er. Erich Kästner war als Namensgeber im Gespräch – und eben Peter Härtling. „Beide galten als Vertreter der realistischen Kinderliteratur“, sagt Thomas Weinen. „Von beiden gab es Geschichten, die die Lebenssituation von Kindern darstellten.“

In der schulinternen Diskussion machte Härtling das Rennen. Und der 1933 in Chemnitz geborene Autor wäre auch wirklich gerne Namensgeber der Schule geworden. Allerdings ist in Aachen politisch festgelegt, nichts nach Personen zu benennen, die noch leben. Eine Peter-Härtling-Schule durfte es also nicht geben.

Die damalige Schulleiterin Annemarie Sommer, die den Kinderbuchautor am Rande einer Lesung in Aachen persönlich kennengelernt hatte, fand gemeinsam mit Härtling aber eine elegante Lösung: Wenn er auch nicht Namensgeber wurde, so übernahm der Schriftsteller doch symbolisch die Patenschaft. „Schulpatenschaft: Peter Härtling“. Das führt die Schule bis heute in ihrem Briefkopf. Ein Logo hatte man sich auch gebastelt.

Schulleiter Thomas Weinen freut sich, dass seine Schule nach mehr als 20 Jahren nun offiziell nach Peter Härtling benannt werden soll. Die farbenfrohen Bilder sind im vergangenen Schuljahr bei einem großen Kunstprojekt entstanden. Foto: Heike Lachmann

Zu dem Schriftsteller gab es über die Jahre freundschaftliche Kontakte per Brief. 2013, zum 80. Geburtstag des Autors, kamen natürlich auch Glückwünsche von seiner Patenschule aus Aachen. Härtlings netten Dankesbrief hat Thomas Weinen noch heute in seinen Unterlagen. Die neuerliche Initiative, die Schule umzubenennen, wird auch von der Witwe und den Kindern des im Juli 2017 gestorbenen Autors unterstützt, wie Mechthild Härtling der Schulgemeinschaft versicherte.

Peter Härtlings Bücher sind an der Elsassstraße als Schullektüre geschätzt. Thomas Weinen nennt Kinderbücher wie „Das war der Hirbel“, „Oma“, Theo haut ab“ und ganz besonders „Ben liebt Anna“. „Es sind Geschichten, die Kindern Mut machen“, sagt Thomas Weinen. „Geschichten, die Kindern zeigen, dass man mit schwierigen Situationen fertig werden kann. Entweder, indem man sich Erwachsene sucht, die helfen, oder indem sich Kinder solidarisieren.“

Peter Härtling, sagt Weinen, habe auch immer ein Herz für ungewöhnliche Menschen, für Außenseiter gehabt. Und die Botschaften seiner Bücher seien gerade heute wieder wertvoll: Wie wichtig ein gutes Miteinander ist und wie unbedingt wichtig der Schutz des Einzelnen. Noch kurz vor seinem Tod veröffentlichte Peter Härtling mit „Djadi, Flüchtlingsjunge“ ein sehr aktuelles Jugendbuch.

Der Name „Peter-Härtling-Schule“ habe aber noch einen weiteren Vorteil, ist der Schulleiter überzeugt. Die Schulform Förderschule werde von den Familien oft als stigmatisierend empfunden. Künftig können die Kinder dann sagen: „Ich gehe auf die Peter-Härtling-Schule.“

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