Aachen: Schuld und Zweifel: Karl der Große mal anders

Aachen: Schuld und Zweifel: Karl der Große mal anders

Die Burg Frankenberg, der Legende nach Kaiser Karls Jagdschloss, hatte eine magische Anziehungskraft auf Helga Hansmann. Eines Tages wurde die Künstlerin, noch in Kindertagen, von Neugierde gepackt und klingelte. Sie wollte endlich wissen, was sich hinter dem alten Gemäuer verbirgt.

Großen Einfluss haben die vielen folgenden Nachmittage im stadtgeschichtlichen Museum der Burg auf Hansmann genommen — und sie letztendlich zu kritischer Kunst zu Karl dem Großen inspiriert. Am Sonntag, 17. August, eröffnet sie um 14 Uhr mit Susanne Patzke die Ausstellung „Karl Real?“ in der Bar Museo, Wilhelmsstraße 18.

Mitten im Hype um den Kaiser hinterfragen die beiden Künstlerinnen Karl den Großen, der als Vater von Europa gefeiert wird. Sie behandeln ihn als zeitlose Figur, die auch menschliche Züge und Gefühle hat, eben nicht als Mythos. In ihren modernen Bildern fangen sie den Kontrast zwischen Karl, dem Schulgründer im Kräutergarten, und Karl, dem Sachsenschlächter im Kriegschaos, ein. Wie ging er mit Frauen um? Hat es Karl den Großen überhaupt gegeben? Ist die Zukunft in der wir leben, wirklich besser?

In Susanne Patzkes Bildern ist der Kaiser mit seiner Macht überfordert. Die Schuld, die ihn belastet, scheint ihn zu erdrücken. Er biegt sich zwischen Tyrannei und Frieden, so wie es die Weltgemeinschaft heute tut. „Wir müssen uns fragen, ob sich wirklich etwas daran geändert hat, wie wir heute mit Macht umgehen“, sagt Patzke.

Die Burg Frankenberg, die Hansen so prägte. ist auch in ihren Bildern zu entdecken. Die Burg ist die Konstante in der Geschichte, während die Gesellschaft nach der angeblich besseren Zukunft strebt. Hansmanns Bilder beginnen düster und werden immer heller. Am Ende ist die europäische Flagge zu sehen und verläuft dramatisch mit dem Hintergrund.

„Europa steckt in einer großen Krise“, sagt sie. Die Bilder sollen zu Diskussionen anregen. „Wir sind nur Künstler, keine Historiker“, sagt Patzke. „Aber wir nutzen die Figur Karls, um unsere heutige Zeit kritisch zu betrachten.“ Sie hofft auf einen regen Austausch mit den Besuchern der Ausstellung. Die großen Tische in dem Café laden dazu ein.

Auf einem ihrer Ölmalereien sitzt Kaiser Karl auf einem Barhocker. Sein Kopf ist nach unten geneigt, seine Haltung zusammengesackt. Blut fließt aus der Krone, die er zusammen mit einem gepunkteten Königsfell fest umklammert. Er zweifelt an sich.