Aachen: Schüler sprechen über den Tod

Aachen : Schüler sprechen über den Tod

Wie verhalte ich mich richtig? Wie tröste ich jemanden? Wie gehe ich mit dem Verlust einer geliebten Person um? Der Tod ist ein allgegenwärtiges Thema. Doch immer weniger Menschen wissen, wie sie sich richtig damit auseinandersetzen.

In der Gesellschaft wird das Thema Tod immer mehr zum Tabu. Erwachsene wollen sich oft nicht damit beschäftigen und Kinder können es nicht. Dabei ist gerade bei Kindern das Bedürfnis nach mehr Aufklärung groß.

Aus diesem Grund bietet die KGS Michaelsbergstraße ihren Schülern die Möglichkeit, in einer AG Antworten auf ihre vielen Fragen zu finden. Erstmals hat die Grundschule die Reihe „Sterben, Tod und Trauer“ in ihren Schulalltag integriert. „Für Kinder ist das ein sehr wichtiges Thema.

Die Gesellschaft bietet Kindern zu diesem Thema nur wenige Anhaltspunkte“, sagt Schulleiterin Gisela Boing. „Sie haben keine Erfahrung mit dem Thema Tod, weil es heute in der Gesellschaft gemieden wird“, fährt die Schulleiterin fort. Zusammen mit verschiedenen Fachleuten haben sich die Schüler in vier Unterrichtseinheiten der Thematik angenähert — mit dem Ziel, das Tabu aufzulösen und offen mit den Fragen des Lebens und Sterbens umzugehen.

Bestattungsunternehmen besucht

„Wir haben bei den Kindern nachgefragt, ob sie das Thema interessiert“, erklärt Boing. „Daraufhin haben sich gleich über 80 Kinder für die Reihe angemeldet“, ergänzt sie. Anschließend haben die Schüler Fragen gesammelt, nach denen die AG konzipiert wurde. Unter anderem besuchten die Dritt- und Viertklässler ein Bestattungsunternehmen. „Kinder haben teilweise selbst schon Trauer erlebt. Sei es, wenn ihr Haustier stirbt. Es ist uns wichtig, dass die Kinder lernen, damit umzugehen“, erklärt Boing.

Auch die Funktion eines Hospizes war Teil der Unterrichtsreihe. Dazu besuchte der Hospizmitarbeiter Björn Clahsen die Neun- und Zehnjährigen in der Schule, um ihnen die Einrichtung vorzustellen. „Es geht darum, ihnen die Grundidee der Arbeit eines Hospizes zu vermitteln“, sagt Clahsen. „Sie sollen ja auch wissen, wofür sie Spenden sammeln“, fügt er hinzu. So soll der Erlös eines Zirkusprojektes der Schule zur Hälfte dem neuen Hospiz im Aachener Süden zugutekommen.

Nicht nur die Kinder begrüßen das neue Angebot der Schule. Auch Eltern sind sehr dankbar. „Sie fühlen sich oft unsicher und sind unbeholfen“, weiß Schulleiterin Gisela Boing. Umso wichtiger sei das Projekt zum Thema Tod für die Heranwachsenden.

(nh)
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