Aachen: Schüler setzen Zeichen für Vielfalt

Aachen : Schüler setzen Zeichen für Vielfalt

Es soll ein Zeichen für die Vielfalt werden. Zusammen mit zwei Kolleginnen organisiert Stephanie Alfter von der Gesamtschule Aachen-Brand das Schulprojekt „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“.

Im Rahmen dessen arbeitet sie mit Schülern aus unterschiedlichen Klassen an einer großen Weltkarte, auf der jede Nation, die an der Schule vertreten ist, farbig markiert wird — und das sind immerhin 56 Länder. Wenn die bunte Karte schließlich fertig ist, wird sie den Eingangsbereich der Schule zieren und damit ein sichtbares Zeichen für jeden Besucher sein: Hier wird Vielfalt gelebt.

„Obwohl an der Schule so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander treffen, funktioniert das Zusammenleben sehr gut, und es herrscht ein selbstverständlicher Umgang untereinander“, schildert Projektleiterin Alfter den Alltag.

Trotzdem oder gerade deswegen ist es vielen Schülern ein Anliegen, dieses Miteinander auch zum Ausdruck zu bringen. Sie haben sich allesamt freiwillig für die Mitarbeit an dem Projekt gemeldet und arbeiten mit erkennbarer Freude daran. Sie haben die Weltkarte auf drei große Tafeln aufgeteilt und färben die 56 Herkunftsländer mit unterschiedlichen Farben ein. An einigen Stellen legt ihnen die geopolitische Lage aber Steine in den Weg. Sollte man die Krim grün wie Russland oder gelb wie die Ukraine malen? Man entscheidet sich schließlich für gelb.

In einem weiteren Schritt ziehen die Schüler von jedem der farbigen Länder einen roten Faden bis nach Aachen, der verdeutlicht, aus welch entfernten Teilen dieser Erde einige der Lehrpersonen und Schüler hierher gekommen sind. Das bedeutet auch, dass viele zu Hause eine andere Sprache sprechen als in der Schule. Das führe teilweise dazu, dass die Eltern in einer Fremdsprache zu den Kindern sprechen, und diese auf Deutsch antworteten, wie einige während des Projekttreffens erzählen.

Probleme gebe es deswegen nicht — im Gegenteil. Die Vielfalt in der Schule ist auch zu Hause Alltag und macht dort das Zusammenleben ebenso bunt wie die Weltkarte unter den Pinselstrichen der Schüler.

Am oberen und unteren Rand der ungefähr drei Meter breiten Tafel bleibt noch Platz — dort sollen zum Schluss die Grußworte in allen Sprachen hin, die an der Schule gesprochen und geschrieben werden. „Jeder Vertreter einer Sprache soll den Willkommensgruß schließlich selbst auf das Spruchband schreiben“, erklärt Alfter den Plan. „Das kann aber dauern, bis wir all die Leute beisammen haben.“

Neben der Weltkarte, die künftig Schüler und Besucher am Eingang begrüßen wird, sollen sich 70 Prozent der Menschen, die an der Schule lernen und arbeiten, per Unterschrift verpflichten, aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einzutreten. Darüber hinaus müssen die Schüler und Lehrpersonen noch einen Paten aus Politik, Kultur, Sport oder Religion finden, der das Projekt unterstützt und vertritt. Erst dann darf die Schule stolz den Titel „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ tragen. Doch bereits jetzt hat das Projekt vor allem eines bewirkt: Es hat den Schülern die Möglichkeit gegeben, ihrer Freude an der Vielfalt einen deutlich sichtbaren Ausdruck zu geben.

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