Aachen: Schüler lernen Friedhof als Naturraum kennen

Aachen: Schüler lernen Friedhof als Naturraum kennen

Es wurde fleißig gehämmert, gesägt und geschraubt. Rund 20 Schüler aus vier unterschiedlichen Schulen tüftelten mit Hingabe, um Vögeln und Insekten auf dem Ostfriedhof ein gutes Überwintern zu sichern.

Der 13-jährige Julian von der Viktor-Frankl-Schule hat hohle Äste in eine Blechdose gesteckt. Welche Insekten genau dort einmal Unterschlupf finden sollen, weiß er zwar nicht, aber er würde es sich gerne später noch einmal anschauen. Den Ostfriedhof kennt er schon, und er kommt gerne.

So sieht’s aus, wenn der Nistkasten fertig ist. Er soll den Vögeln das Überwintern erleichtern.

Das ist nicht selbstverständlich, wie Wolfgang Berg, zweiter Vorsitzender des Förderkreises Ostfriedhof weiß. Es sei schwierig, Kinder auf den Friedhof zu bekommen, sagt er. Genau deswegen organisiert der Förderkreis Aktionen, bei denen Kinder den Friedhof kennenlernen — beispielsweise bei der Pflege historischer Gräber. Am Wochenende bauten sie in einer Kooperation mit dem Freundeskreis Botanischer Garten und dem Förderkreis Ostfriedhof Nisthilfen für Vögel und Insekten. „So lernen die Kinder den Friedhof auch als Lebensraum für die Tiere kennen“, meint Berg und verweist ganz nebenbei auf seine Bedeutung als „grüne Lunge“ der Stadt.

Unter Denkmalschutz

Den Ostfriedhof gibt es bereits seit 1803. Auf den rund 12,5 Hektar wurden im Laufe der Jahre etwa 200.000 Menschen begraben. Inzwischen steht der Ostfriedhof unter Denkmalschutz, damit ist der Bestand der historischen Gräber gesichert. Wer sich dort beisetzen lassen will, muss sich heute allerdings mit einer Urnenbestattung begnügen.

Die jugendlichen Naturliebhaber dagegen werden kaum Augen für die zum Teil prächtigen Familiengräber gehabt haben. Sie interessierte der Friedhof eher als Naturraum. Sie bastelten an unterschiedlichen Variationen von Nisthilfen, die zum Teil schon Dekorationscharakter hatten: Wildbienen, Florfliegen und Marienkäfer sollen in ausgehöhlten Ästen und ausgeklügelten Konstruktionen ein sicheres Plätzchen für den Winter finden.

Ulla Griepentrog, Lehrerin an der Hauptschule Aretzstraße, ist begeistert von der Aktion. „Die Kinder können den Friedhof so hautnah erleben, er wird greifbar für sie“, sagt sie. In dem multikulturellem Viertel rund um den Friedhof sei es ansonsten nicht üblich, dort hinzugehen.

Julian jedenfalls würde nur zu gerne wiederkommen, um zu sehen, was aus seiner Insektenbehausung geworden ist.

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