Aachen: Schüler fordern: „Hedi soll bei uns bleiben!“

Aachen : Schüler fordern: „Hedi soll bei uns bleiben!“

„Hedi soll bei uns bleiben!“, bringt es Schülersprecher Jorim Soika auf den Punkt. Die Nachricht von der drohenden Abschiebung ihrer Mitschülerin Mahdeyi Rustami nach Afghanistan hat die Schulgemeinde tief getroffen und traurig gemacht.

„Dass dieses Mädchen, das fließend Deutsch spricht und nicht nur in die Klassengemeinschaft, sondern in die ganze Schulgemeinde voll integriert ist, nun in ein Land abgeschoben werden soll, in dem sein Leben wie das seiner Familie durch kriegerische Konflikte und Anschläge bedroht ist, hat bei allen tiefe Betroffenheit geweckt“, erklärt Schulleiter Josef Els.

„Hedi, wie sie sich gerne nennen lässt, kam im März 2016 zu uns. Vorher war sie auf der Grundschule Höfchensweg und erwies sich als so begabt und fleißig, dass sie eine Empfehlung fürs Gymnasium bekam und sofort in die Regelklasse eingeschult werden konnte“, erklärt Almuth Straukamp-Korte, die Koordinatorin für die Aufnahme von Flüchtlingskindern am Pius-Gymnasium. Seit 2015 besteht die Internationale Förderklasse für diejenigen Kinder, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Hier sind momentan zwölf Schüler untergebracht. Neben Hedi besucht noch ein weiteres Flüchtlingskind eine Regelklasse.

Im August bekam Familie Rustami ein Schreiben mit dem drohenden Abschiebebescheid. Die zwölfjährige Hedi soll mit ihren Eltern sowie ihren jüngeren Brüdern Mehrab (ein Jahr) und Milad (neun Jahre) abgeschoben werden. Die Abschiebung wird damit begründet, dass Herat/Afghanistan als sicherer Herkunftsort betrachtet wird. Das ist die derzeit geltende Rechtslage.

Nun wendet sich die gesamte Schulgemeinde mit einer offiziellen Petition an den Landtag und den Ministerpräsidenten Armin Laschet, auf dessen Unterstützung man nun baut.

1260 Unterschriften

Binnen kurzer Zeit wurden von der Schülervertretung 1260 Unterschriften gesammelt, das gesamte Lehrerkollegium, viele Eltern und sogar die Servicekräfte aus der Küche beteiligten sich. „Alle kennen und schätzen Hedi“, betont Els. Er betont, dass an seiner Schule das soziale Miteinander und die christlichen Werte großgeschrieben werden. „Alt-Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, der hier in unserer Schule seine Abschiedsfeier hatte, gab uns mit auf den Weg, sich solidarisch mit den fliehenden Menschen aus dem Nahen Osten zu zeigen. Und das tun wir nur zu gerne“, sagte Els.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der traumatischen Erlebnisse, die die Familie Rustami durchmachen musste, sei die Abschiebung zutiefst unmenschlich. Die Eltern teilen die Fassungslosigkeit ihrer Kinder und wenden sich ebenfalls in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten. „Das Thema ist momentan Gesprächsstoff Nummer Eins an der Schule“, stellt Straukamp-Korte fest.

Die Abschiebung des Mädchens, das momentan in der Klasse 6a von Eva Leesmeister ist, wurde zunächst aufgeschoben. Die Anwältin der Familie hatte innerhalb der vorgegebenen Frist von 30 Tagen Widerspruch gegen den Abschiebebescheid eingelegt. Da die Verwaltungsgerichte sehr überlastet sind, rechnet sie damit, dass ein erneutes Verfahren frühestens in sechs Monaten terminiert ist.

Da die Schulgemeinschaft nicht davon ausgeht, dass sich die juristische Einschätzung in den nächsten Monaten ändert, versuchen alle Beteiligten nun auf allen Kanälen, Unterstützung zu finden, damit die Familie aus humanitären Gründen langfristig in Deutschland bleiben kann.

„Die Familie hat jetzt den unsicheren Status der Duldung. Für alles weitere hoffen wir auf einen Gnadenakt des Souveräns“, fasst Schulleiter Dr. Josef Els zusammen und Hedis Mitschüler drücken die Daumen, dass ihre Freundin am Pius bleiben darf.

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