Schon vor der Zulassung drängt es E-Scooter-Verleiher nach Aachen

Emissionsfreie Mobilität : E-Scooter-Verleiher zieht es auch nach Aachen

Noch sind die neuen Elektroroller in Deutschland offiziell gar nicht zugelassen, da wollen professionelle Anbieter schon Fakten schaffen und neue Verleihsysteme für die flotten Roller aufbauen. Auch Aachen scheint ein interessantes Pflaster für Dienstleister wie MyTaxi, Bird und andere zu sein, die mit Macht auf den Markt drängen und ihre E-Scooter unters Volk bringen wollen.

„Es hat ein konkretes Gespräch und mehrere Anfragen gegeben“, sagt Axel Costard, Referent des Oberbürgermeisters und zuständig für den Bereich emissionsfreie Mobilität. E-Scooter-Sharing wird neben dem Bike-Sharing in vielen Städten der Welt bereits als weitere umweltfreundliche und günstige Möglichkeit angesehen, den Autoverkehr zu reduzieren und die Luft sauberer zu machen. Geeignet seien sie vor allem für den Einsatz auf kurzen Strecken, heißt es. Je nach Ausstattung können sie bis zu 24 Kilometer in der Stunde zurücklegen.

Dem Trend werde man sich nicht versperren können, ist auch Costard überzeugt. „Wir sehen durchaus auch den Nutzen und glauben, dass das eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehrsangebot sein kann.“ Er kann sich den Einsatz insbesondere innerhalb des Alleenrings gut vorstellen, wobei er ausschließlich an eine Nutzung auf Radwegen denkt. Konflikte – etwa auch auf Gehwegen – müssten unbedingt minimiert werden, betont Costard. Noch bleibe abzuwarten, wie das Gesetz für die sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge formuliert wird.

Fraglich ist, ob die Stadt den Aufbau eines Scooter-Verleihsystems überhaupt verbieten könnte. Daher scheint es sinnvoller, von vornherein auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen. Nähere Angaben zu möglichen Interessenten macht die Stadt nicht. Für einige Verleiher von E-Scootern scheint aber vor allem das sogenannte Freefloating interessant zu sein. Bei diesem Modell gibt es keine festen Stationen, wie man sie in Aachen derzeit beim Car- und Bikesharing kennt und für die eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich ist. Stattdessen werden irgendwo abgestelle Scooter per Handy-App und GPS geortet. Der Nutzer kann dann eine bestimmte Wegstrecke zurücklegen und den Scooter an anderer Stelle einfach stehen lassen. Abgerechnet wird elektronisch. Die nötige Stromzufuhr wird über einen regelmäßigen Akkutausch durch den Verleiher sichergestellt.

Was sich in der Theorie sehr komfortabel anhört, hat aber auch einen Nachteil, wie die Erfahrungen mit Freefloating-Rädern zeigen. Teils wurden Städte wie München regelrecht mit Leihrädern überschwemmt, die plötzlich auch in Parkanlagen oder Straßengräben landeten oder einfach auf Gehwegen herumlagen. Vergleichbares könnte auch mit E-Scootern passieren, wenn plötzlich 100 oder 200 solcher Verleih-Roller im Stadtgebiet auftauchen. „Solche Auswüchse wollen wir natürlich unbedingt unterbinden“, sagt Costard. Noch aber fehlen die Erfahrungen.

Angst vor der neuen Konkurrenz auf zwei Rädern zeigen die Betreiber das Aachener Fahrradverleihers Velocity nicht. Sie treiben derzeit den Ausbau des Verleihnetzes für Elektrofahrräder voran und haben soeben am Campus-Boulevard die 48. Station eröffnet. Offiziell sind bislang 100 Stationen im Stadtgebiet angestrebt, doch laut Projektmanager Florian Zintzen werden es wohl noch mehr, weil der Bedarf so groß sei.

Alleine im April registrierte er mehr als 500 neue Kunden, täglich werden zurzeit 600 Nutzungen registriert, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Es sei gut denkbar, auch E-Scooter in dieses System zu integrieren, sagt Zintzen. Freefloating ist für ihn jedoch kein Thema. „Unsere Kunden schätzen es, dass wir keine GPS-Daten erheben und damit Geld verdienen“, ist er überzeugt.

So kann Velocity auch keine genauen Bewegungsprofile erstellen, sondern nur feststellen, an welcher Station ein Rad entliehen wurde und wo es wieder abgestellt wurde. Damit das für Nutzer trotzdem komfortabel ist, brauche Velocity mehr Stationen.

So oder so aber erfordert der Boom der elektrisch betriebenen Zweiräder ein Umdenken in den Städten: Sie brauchen Platz – und der kann nach Lage der Dinge nur den Autofahrern abgeknapst werden.

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